
Nach vielen Jahren Pause hat Franz Seitz kurz vor seinem Tod noch mal einen Film geschrieben und produziert. Es ist ein ebenso schlichtes wie schönes Werk geworden.
Seitz gehörte zu den rührigsten deutschen Produzenten überhaupt. Er hat den deutschen Nachkriegsfilm geprägt wie kaum ein anderer. Allerdings war er auch maßgeblich an ambitionierten Romanadaptionen wie "Die Blechtrommel" oder "Der Zauberberg" beteiligt. Zuletzt ist er viele Jahre kaum noch in Erscheinung getreten, bis er im Sommer 2005 und damit ein halbes Jahr vor seinem Tod im Januar 2006 die nach eigenem Drehbuch entstandene Familienkomödie "Glück auf vier Rädern" produzierte (Regie: Dagmar Knöpfel, Koautorin: Gabriele Terofal). Der episodisch gestaltete Film erzählt auf im besten Sinne altmodische Art die Geschichte eines Professors für Psychologie (Peter Weck), der nach ausgefüllten Lehrjahren in den Ruhestand wechselt. Allzu viel Muße bleibt Friedrich Sibelius allerdings nicht: Ehefrau Anna (Heidelinde Weis) hat sein Leben bereits detailliert durchgeplant. Außerdem schickt sie ihn zurück in die Schule: Auf dem Programm stehen unter anderem Fahrstunden. Natürlich konnte Anna nicht ahnen, dass der holde Gatte vor allem auf die attraktive Fahrlehrerin (Claudia Messner) abfahren würde. Auch sonst hält das Leben diverse Turbulenzen bereit: Sibelius übernimmt in einem Doku-Drama der Freundin seines Sohnes (Pierre Besson) die Rolle des C.G. Jung, muss feststellen, dass er mehr Enkel hat als bislang gedacht und unterzieht seine Ehe einer empfindlichen Belastungsprobe.
Der Film ist voll und ganz auf Peter Weck zugeschnitten, der in der Rolle des rüstigen Rentners regelrecht aufblüht. Kein Wunder: Schwerenöter Sibelius darf derart viel Charme versprühen, dass die reife Damenwelt nur so dahinschmilzt. Gleichzeitig ist er ein Opa wie aus dem Bilderbuch, der stets Zeit für seine Enkel hat. Ohnehin entwirft die Geschichte das Ideal eines großbürgerlichen Heims, wie es kaum noch existieren dürfte: Kein Fernsehgerät verunziert das geräumige Wohnzimmer; statt dessen trifft sich die Großfamilie zum gemeinsamen Kartenspiel oder zur Hausmusik. Die Kinder sind stets adrett und wohlfrisiert. Und sollte doch mal jemand über die Stränge schlagen, ist ein veritabler Weihbischof (Lambert Hamel) als Freund der Familie mit der Absolution zur Hand.
Natürlich wäre es ein leichtes, "Glück auf Rädern" als Fernsehen von gestern abzutun, zumal die vielen Innenaufnahmen nahe legen, dass Seitz kein üppiges Budget zur Verfügung stand. Die Erzählweise des Films ist jedoch derart sympathisch, dass man den etwas plötzlichen Schluss richtig schade findet. tpg.
| Darsteller: | Prof. Peter Weck | als Prof. Friedrich Sibelius | |
|---|---|---|---|
| Heidelinde Weis | als Anna Sibelius | ||
| Lambert Hamel | als Weihbischof Schaffele | ||
| Katharina Schubert | als Carolin Palm | ||
| Burkhard Heyl | als Robert Palm | ||
| Claudia Messner | als Eva Trostberg | ||
| Pierre Besson | als Thomas Sibelius | ||
| Marie Munz | als Sylvia Collin | ||
| Eva Kryll | als Raffaela Stolle | ||
| André Emanuel Kaminski | als Hubert Schröder | ||
| Regie: | Dagmar Knöpfel | ||
| Drehbuch: | Franz Seitz | ||
| Gabriele Terofal | |||
| Produzent: | Franz Seitz | ||
| Kamera: | Rudolf Blahacek | ||
| Schnitt: | Silva Binder | ||
| Musik: | Enjott Schneider | ||
| Produktionsdesign: | Gert B. Venzky | ||
| Kostüme: | Theresia Wogh | ||
| Ton: | Thomas Meyer | ||
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