Birol Ünel
Sibel Kekilli
Catrin Striebeck
Regie: Fatih Akin
Verleih: Timebandits
Die junge Türkin Sibel (Sibel Kekilli) will den Zwängen ihrer traditionsbewussten Familie entfliehen - und heiratet zum Schein den Alkoholiker Cahit (Birol Ünel). Die Ehe beruht auf einer Abmachung: Er mimt der Familie gegenüber den liebenden Ehegatten, sie wäscht dafür die Wäsche, kocht und spielt für ihn die Hausfrau. Doch dann fühlt sich Cahit immer mehr zu Sibel hingezogen - bis die Katastrophe passiert und er im Rausch ihren Liebhaber erschlägt.
Völlig überraschend wurde Fatih Akins kraftvolle, traurig-schöne Liebesgeschichte bei der Berlinale 2004 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Zurecht: Die Hauptdarsteller Birol Ünel und Sibel Kekilli bringen ihre Selbstzerstörung mit einer solch leidenschaftlichen Wucht auf die Leinwand, dass wahre Poesie durch ihre Tragödie schimmert.
Wunderbares Liebesdrama um eine junge Türkin und einen Alkoholiker, aus deren Scheinehe viel mehr wird, als ursprünglich geplant.
Sibel sehnt sich nach Freiheit jenseits strenger türkischer Traditionsregeln (Foto: timebandits films)
In der geschlossenen Abteilung eines Krankenhauses treffen die Deutsch-Türken Cahit (Birol Ünel) und Sibel (Sibel Kekilli) erstmals aufeinander, nach einem Selbstmordversuch. Cahit knallte in Hamburg-Altona ohne Bremsspuren sturzbesoffen mit seinem Auto gegen die Betonmauer, Sibel schnitt sich die Pulsadern auf.
Die beiden beschließen zu heiraten. Keine Spur von Liebe, sondern Kalkül bei der jungen Frau, die ihrem überaus dominanten Elternhaus durch eine Scheinehe entfliehen will, damit sie endlich ihre Freiheiten ausleben kann.
Nach einigen Skrupeln willigt der desillusionierte 40-Jährige ein. Bald teilen sie die Wohnung, aber nicht das Bett. Aus zaghafter Annäherung wird schließlich Zuneigung und mehr. Zu spät: Im Affekt erschlägt der Alkoholiker Cahit einen von Sibels Liebhabern.
Das Gefängnis hat bei Cahit nicht nur äußerlich tiefe Spuren hinterlassen (Foto: timebandits films)
Nach Jahren im Gefängnis spürt Cahit die große Liebe seines Lebens schließlich am Bosporus wieder auf. Das Gefühl brennt noch immer, aber das Leben hat beiden die Flügel zurechtgestutzt...
Mit derselben Rigorosität wie schon in "Kurz und schmerzlos" erzählt Regisseur Fatih Akin vom Druck der Tradition, von türkischem Machismo und der Liebe, die sich klammheimlich in die Seele nistet, unberechenbar und unvorhergesehen.
Ursprünglich sollte "Gegen die Wand" eine Komödie werden. Doch dann entwickelt Fatih Akin aus der Grundidee heraus eine traurig-schöne Liebesgeschichte voller Widersprüche. Der Berlinale-Jury war das 2004 den Goldenen Bären für den besten Film wert.
| Darsteller: | Birol Ünel | als Cahit Tomruk | |
|---|---|---|---|
| Sibel Kekilli | als Sibel Guner | ||
| Catrin Striebeck | als Maren | ||
| Güven Kiraç | als Seref | ||
| Meltem Cumbul | als Selma | ||
| Cem Akin | als Yilmaz Güner | ||
| Aysel Iscan | als Birsen Güner | ||
| Demir Gökgöl | als Yunus Güner | ||
| Stefan Gebelhoff | als Nico | ||
| Hermann Lause | als Dr. Schiller | ||
| Mehmet Kurtulus | als Hüseyin | ||
| Adam Bousdoukos | als Lukas | ||
| Ralph Misske | als Ammer | ||
| Tim Seyfi | als Bayerischer Taxifahrer | ||
| Philipp Baltus | als Patient | ||
| Orhan Güner | als Busfahrer | ||
| Francesco Fiannaca | als Mann am Tresen | ||
| Andreas Thiel | als Standesbeamter | ||
| Monique Akin | als Kundin beim Friseur | ||
| Regie: | Fatih Akin | ||
| Drehbuch: | Fatih Akin | ||
| Produzent: | Ralph Schwingel | ||
| Stefan Schubert | |||
| Koproduzent: | Fatih Akin | ||
| Andreas Thiel | |||
| Mehmet Kurtulus | |||
| Kamera: | Rainer Klausmann | ||
| Schnitt: | Andrew Bird | ||
| Produktionsdesign: | Tamo Kunz | ||
| Kostüme: | Katrin Aschendorf | ||
| Ton: | Kai Lüde | ||
| Casting: | Mai Seck | ||
Am Wochenende wurde in Barcelona der Europäische
Filmpreis 2004 verliehen. Der große Überraschungssieger heißt "Gegen die Wand".
"Gegen die Wand" setzte sich bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises gegen die harte Konkurrenz von "Mar Adentro", "Vera Drake" und "La mala educación - Schlechte Erziehung" durch.
Nach "Good Bye, Lenin!" im Vorjahr ging die Trophäe in der Königskategorie damit erneut an eine deutsche Produktion. Fatih Akin wurde zudem mit dem Publikumspreis als bester Regisseur ausgezeichnet.
Auch Daniel Brühl bekam erneut einen Publikumspreis: Diesmal für seine Rolle in "Was nützt die Liebe in Gedanken". Weiblicher Publikumsdarling war Penélope Cruz ("Non ti muovere").
Als bester Darstellerin zeichnete die European Film Academy erwartungsgemäß Imelda Staunton für "Vera Drake" aus, bester Darsteller des Jahres ist Javier Bardem ("Mar Adentro"). Regisseur Alejandro Amenábar wurde zudem als bester Regisseur geehrt.
Schon vorab bekannt war der Dokumentarfilmpreis für "Darwin's Nightmare" von Hubert Sauper. Der Drehbuchpreis ging an Agnés Jaoui und Jean-Pierre Bacri für "Schau mich an!", der Kamerapreis an Eduardo Serra für "Das Mädchen mit dem Perlenohrring". Bruno Coulais wurde für die Filmmusik in "Die Kinder des Monsieur Mathieu" ausgezeichnet. Wong Kar-wai nahm für "2046" die Trophäe für den besten nicht-europäischen Film entgegen.
Die in Heilbronn als Tochter türkischer Eltern geborene Sibel Kekilli gab 2004 mit der weiblichen Hauptrolle in Fatih Akins "Gegen die Wand"...
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