Berührendes Epos von Steven Spielberg über die Freundschaft eines Farmerssohns zu seinem Rassehengst, der in das Grauen des 1. Weltkriegs gerät und dabei Fronten und Besitzer wechselt. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto45/11450235/b150x150.jpg Gefährten

Filmdetails

Gefährten

Berührendes Epos von Steven Spielberg über die Freundschaft eines Farmerssohns zu seinem Rassehengst, der in das Grauen des 1. Weltkriegs gerät und dabei Fronten und Besitzer wechselt.


Gefährten
Start: 16.02.2012

Originaltitel: War Horse

Drama / Kriegsfilm

USA/Indien 2011
Laufzeit: 147 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Emily Watson
David Thewlis
Peter Mullan

Regie: Steven Spielberg
Verleih: Walt Disney

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Inhalt

Albert, Sohn einer englischen Bauernfamilie, und sein Rassehengst Joey sind unzertrennlich. Als sein Vater das Wunderpferd, das sogar die strapaziöse Arbeit vor dem Pflug meistert, an die Armee verkaufen muss, werden die beiden auseinandergerissen. Als Last- und Zugtier im Ersten Weltkrieg eingesetzt, wechselt Joey die Fronten wie auch seine Besitzer und wird zu einer Symbolfigur für unbezwingbaren Überlebenswillen im Irrsinn des Krieges. Doch wird sein traumatischer Weg je wieder den seiner wichtigsten Bezugsperson kreuzen?


Kritik

Gefährten

Die Geschichte eines Hengstes, der das Grauen des 1.Weltkriegs an verschiedenen Fronten miterlebt, ist klassisches episches Gefühlskino Marke Steven Spielberg.

Innerhalb eines Vierteljahres lässt Spielberg dem lustvoll fabulierenden kinetischen Spaß von "Die Abenteuer von Tim und Struppi" berührendes Missionskino von hoher visueller Qualität folgen. Die Verfilmung eines Kinderbuchs von Michael Morpurgo, das bereits erfolgreich für die Bühne adaptiert wurde, benutzt ein Tier als verbindendes Element verfeindeter Seiten und als Symbol natürlicher Unschuld, um Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges zu verdeutlichen. Der dramaturgische Kniff mit wechselnden Besitzern, der in der Autovariante bereits Helmut Käutners "In jenen Tagen" oder Anthony Asquiths "Der gelbe Rolls-Royce" strukturierte, ist dabei Fluch und Segen, erfordert mehrfache emotionale Neuorientierung, ermöglicht aber auch unterschiedliche Perspektiven.

In der ersten Stunde entwickelt "Gefährten" die enge Beziehung zwischen dem englischen Farmerssohn Albert (Newcomer Jeremy Irvine) und dem Rassehengst Joey, den Alberts Vater (Peter Mullan) für viel Geld und damit noch höhere Verschuldung ersteigert, um gegenüber seinem arroganten Pächter einmal zu triumphieren. Die Armut des einfachen Mannes, die sozialen Spannungen und die pastorale ländliche Kulisse mit einer kleinen Anhöhe, die in den Himmel hineinzuwachsen scheint, sind Spielbergs Verbeugung vor John Fords "So grün war mein Tal" - eine perfekte Union von plastischen Bildern, stimmungsvollen Lichtspielen und John Williams' sinfonischem Schmelz. Mit einer verblüffenden Überblendung von grobem Strickmuster auf wulstige Ackerfurchen wird ein früher emotionaler Höhepunkt eingeleitet, darf der Hengst Kampfgeist und Qualitäten als Zugtier beweisen, die ihm später das Leben retten werden. Mit dem Verkauf des Tiers an die Armee tritt die große Zäsur ein, wechselt der Film auf die Schlachtfelder des 1. Weltkriegs und das Pferd seine Besitzer - vom englischen Offizier über zwei junge deutsche Deserteure bis zu einem französischen Mädchen und seinem Großvater.

So konstruiert und botschaftsgebunden dieser Reigen des Todes manchmal wirkt, mit einem symbolträchtig verwundeten Pferd, das durchs Niemandsland galoppiert und damit die Fronten für einen Moment verbindet, so eindrucksvoll auch dieser Schauplatz bereits von "Mathilde - Eine große Liebe" besucht wurde, so unbestritten sind die visuelle Qualität des Films, das verblüffende Training der Tiere und die Tauglichkeit dieses Wunderpferds als Auslöser großer Emotionen, wobei die Struktur des Films erfordert, ein Tier und nicht die Menschen, die seine Wege kreuzen, als wichtigsten Bezugspunkt anzunehmen. Im berührenden Schlussbild vor glutrotem Sonnenuntergang landet Spielberg schließlich bei "Vom Winde verweht" - gewiss kein Titel, der das kommerzielle Schicksal dieses Zweieinhalbstünders vorzeichnet.

kob.

Gefährten

Darsteller:  Emily Watson   als Rose Narracott
  David Thewlis   als Lyons
  Peter Mullan   als Ted Narracott
  Niels Arestrup   als Großvater
  Tom Hiddleston   als Captain Nichols
  Jeremy Irvine   als Albert Narracott
  Benedict Cumberbatch   als Major Jamie Stewart
  Toby Kebbell   als Colin
  Celine Buckens   als Emilie
  Rainer Bock   als Brandt
  Patrick Kennedy   als Leutnant Waverly
  Geoff Bell   als Sergeant Sam Perkins
  Leonard Carow   als Michael
  Robert Emms   als David Lyons
  David Kross   als Gunther
  Matt Miline   als Andrew Easton
 
Regie:  Steven Spielberg  
Drehbuch:  Lee Hall  
  Richard Curtis  
Produzent:  Steven Spielberg  
  Kathleen Kennedy  
Ausf. Produzent:  Revel Guest  
  Frank Marshall  
Buchvorlage:  Michael Morpurgo  
Kamera:  Janusz Kaminski  
Schnitt:  Michael Kahn  
Musik:  John Williams  
Produktionsdesign:  Rick Carter  
Kostüme:  Joanna Johnston  
Casting:  Jina Jay  

Oscars: "The Artist" und Meryl Streep große Sieger

Ich habe einen Oscar! Ich … ich habe meine Dankesrede vergessen!

Großansicht Von der Academy mehrfach gewürdigt: Das Stummfilm-Kunstwerk "The Artist" und Meryl Streeps "Die Eiserne Lady". (Foto: ©A.M.P.A.S)

Von der Academy mehrfach gewürdigt: Das Stummfilm-Kunstwerk "The Artist" und Meryl Streeps "Die Eiserne Lady". (Foto: ©A.M.P.A.S)

Regisseur Michel Hazanavicius ging es wie den Helden seines Films - er war sprachlos! Sein Filmkunstwerk "The Artist" um eine Liebe in den letzten Tagen des Stummfilms ist von der Academy überraschend mit 5 Oscars zum meistprämierten Film gekürt worden - darunter Preise in allen drei "Königskategorien": Bester Film, Beste Regie und Bester Hauptdarsteller!

Doch der Franzose mit litauischen Vorfahren fand seine Sprache bald wieder, hielt eine überschwängliche Dankesrede und endete mit Worten, so poetisch wie sein Filmkunstwerk: "Im Film geht es um das Leben. Und an manchen Tagen ist das Leben wunderbar. Heute ist solch ein Tag. Danke! Danke!"

Ebenfalls fünf Oscars gingen an Martin Scorseses Verfilmung des Kultkinderbuchs "Hugo Cabret". Allerdings gab's die Goldjungs ausnahmslos in Bereichen, die in Hollywood eher zu den Nebenkategorien gezählt werden: Kamera, Visual Effects (hier stach man etwas überraschend den Blockbuster "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" aus), Ausstattung, Ton und Tonschnitt. Damit war Martin Scorsese eher einer der Verlierer des Abends.

Die Veteranin als heulender Backfisch

Ganz anders Academy-Liebling Meryl Streep. Auch sie hatte zu den Oscar-Favoriten gezählt, doch ihr Traum erfüllte sich auch: Streeps fast schon gespenstisch gute Leistung als britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher in "Die Eiserne Lady" brachte ihr bei der siebzehnten (!) Nominierung erwartungsgemäß endlich den dritten Oscar nach "Kramer gegen Kramer" und "Sophies Entscheidung".

Überraschenderweise verlor die Veteranin auf der Bühne des Kodak Theatre nach einem launigen Einstieg in ihre Dankesrede ("Ganz Amerika denkt sich jetzt 'Oh nein, nicht sie schon wieder'"!) komplett die Fassung und brach - unter stehenden Ovationen - in Tränen aus: "Ich werde wahrscheinlich nicht noch einmal hier oben stehen, also danke an Euch alle!" Trotz ihrer überragenden mimischen Leistung dankte Meryl Streep auch ihren Maskenbildnern, die ebenfalls einen Oscar erhielten.

Charmanter Franzose, geschasste US-Superstars

Kollege Jean Dujardin, der als Stummfilmstar in "The Artist" wirklich alle darstellerischen Register zieht, machte es dagegen kurz: "Ich liebe Euer Land!", schmeichelte er französisch-charmant dem Auditorium in Los Angeles, das eher mit George Clooney als Sieger für seine Rolle als überforderter Vater in "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten" gerechnet hatte. Clooney durfte sich aber zumindest über einen Drehbuch-Oscar für "The Ides of March" freuen.

Eine herbe Enttäuschung war die Oscar-Verleihung sowohl für Steven Spielbergs Kriegspferd-Epos "Gefährten" wie auch "Moneyball" mit Brad Pitt als revolutionärem Baseball-Coach. Trotz sechs Nominierungen gingen beide Filme komplett leer aus -weil in den entsprechenden Kategorien zumeist entweder "Hugo Cabret" oder "The Artist" punkteten.

Lange Gesichter in Deutschland

Auch aus deutscher Sicht boten die 84. Academy Awards keinen Grund zum Feiern. Für den Auslands-Oscar war der deutsche Vorschlag "Pina" gar nicht erst nominiert worden, hier machte erwartungsgemäß erstmals ein iranischer Beitrag das Rennen, "Nader und Simin - Eine Trennung". Aber als beste Doku war Wim Wenders' lyrisches 3D-Juwel um das Schaffen der verstorbenen Choreographie-Legende Pina Bausch nominiert und als Sieg-Kandidat gehandelt worden. Hier machte aber der US-Beitrag "Undefeated" um den Aufstieg eines erfolglosen Football-Teams das Rennen.

Die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl ("Anonymus") musste sich den Oscar-Abonnenten Dante Ferretti und Francesca Lo Schiavo für "Hugo Cabret" geschlagen geben und der deutsche Kurzfilm "Raju" zog gegen "The Shore" um eine Freundschaft im Nordirlandkonflikt den Kürzeren. Zumindest waren aber die deutschen Effektkünstler Alex Henning und Ben Grossmann von der Frankfurter Firma Pixomondo am Visual-FX-Oscar für "Hugo Cabret" beteiligt.

82 Jahre Übung für eine Dankesrede

Als ältester Schauspieler aller Zeiten gewann Christopher Plummer einen Oscar als Nebendarsteller in "Beginners". Der 82-Jährige erlebt im Film von Mike Mills zum Erstaunen seines Sohnes (Ewan McGregor) ein spätes Coming Out. Die Dankesrede des Veteranen zählte zu den absoluten Highlights der diesjährigen Academy Awards. Mit Blick auf die Oscar-Statue in seinen Händen begann Christopher Plummer:

"Mann, Du bist nur zwei Jahre älter als ich, wo warst Du nur die ganze Zeit?!?" Dann wandte er sich ans Publikum: "Wisst ihr, schon als ich aus der Gebärmutter meiner Mutter kam, habe ich diese Dankesrede einzuüben begonnen. Zu Eurem Glück ist das jetzt so lange her, dass ich sie inzwischen vergessen habe. Also: Danke!"

Feucht wie einst Halle Berry

Den Preis für die beste weibliche Nebenrolle überreichte Batman Christian Bale an Octavia Spencer, die in "The Help" eine mutige schwarze Haushaltsgehilfin spielt. Die Gewinnerin nutzte die Chance für einen Flirt: "Danke, dass ihr mich neben den heißesten Typen im Raum gestellt habt!" Spencers Dankesrede ersoff dann aber fast komplett in einer Tränenflut, die Halle Berry alle Ehre machte. Die letzten Worte "Danke… Welt!" konnte man nur noch erahnen.

Zum besten Animationsfilm wurde erwartungsgemäß "Rango" gekürt - eine besondere Genugtuung für Regisseur Gore Verbinski, der in Hollywood wegen seiner drei "Fluch der Karibik"-Filme als Popcorn-Filmemacher verschrien gewesen war. Er dankte überschwänglich Johnny Depp, der im Original dem titelgebenden Wildwest-Chamäleon seine Stimme leiht.

Trapez- und Sprach-Akrobatik

Als großes Highlight war eine Performance der legendären Artisten des Cirque du Soleil angekündigt worden - auch, weil mit 50 Künstlern die größte Truppe für einen Einzelauftritt der Truppe bereit stand. Die Hommage an Filmklassiker wie Hitchcocks "Verdacht" oder "King Kong" wirkte aber recht konventionell, trotz hoch in der Kuppel des Kodak Theatre schwebender Trapeze.

Erwartet souverän agierte Moderator Billy Crystal, der nur Notnagel war, nachdem das eigentlich vorgesehene Duo von Moderator Eddie Murphy und Produzent Brett Ratner wegen rassistischer Entgleisungen Ratners gehen musste. So kündigte Crystal den von seiner Krebserkrankung sichtbar erholten Michael Douglas als Präsentator für den Regie-Oscar mit den Worten an: "He occupied Wall Street, long before that was cool - Er besetzte die Wall Street, lange bevor das als cool galt!"

Und Crystal, der schon zum neunten Mal Oscar-Gastgeber war, lieferte den besten Trost für alle Verlierer des Abends, indem er die Bedeutung der Preisverleihung mit den ironischen Worten relativierte: "Nichts lenkt einen besser von den Wirtschaftskrisen in aller Welt ab, als einem Haufen Millionäre dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig goldene Statuen in die Hand drücken…"

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