Originaltitel: The Full Monty
Großbritannien/USA 1997
Robert Carlyle
Tom Wilkinson
Mark Addy
Regie: Peter Cattaneo
Verleih: Fox
Statt in Depressionen zu verfallen, gründet der arbeitslose Stahlarbeiter Gaz eine Strippertruppe, die bei den Frauen von Sheffield für erregte Gemüter und bewegte Geldbeutel sorgen soll. Das absurde Unternehmen schweißt die anatomisch und athletisch bemitleidenswerte Gruppe zusammen. Hoffnung wächst, wo eben noch Verzweiflung drohte.

Während Hollywood unverändert das britische Kino zur Ader läßt und Nachwuchs wie Beeban Kidron, Danny Cannon oder Paul Anderson über den Atlantik lockt, reagiert der blutende Patient mit kontinuierlichen, für Stabilität sorgenden Talentinjektionen. Peter Cattaneo (Regie) und Simon Beaufoy (Drehbuch) sind mit ihrem Kinodebüt "Ganz oder gar nicht" der beste und aktuellste Beweis. Ihr Märchen von arbeitslosen Stahlarbeitern, die ihr Beschäftigungs- und Finanzloch als Strippergruppe stopfen wollen, verbindet absurde Komik mit unaufdringlichen sozialkritischen Beobachtungen und hat bei sorgfältiger Startvorbereitung das Zeug zu einem Überraschungshit.
Sehr spöttisch beginnen Cattaneo und Beaufoy ihre Komödie mit einem angegrauten Werbefilm für das Sheffield der Zukunft, das 25 Jahre später längst keine mehr hat. Der Niedergang der Stahlindustrie hat der Stadt und vielen ihrer Arbeiter die Perspektiven genommen. Arbeitslosigkeit dominiert und hat die traditionellen Strukturen über den Haufen geworfen. Während die Frauen nun häufig das Überleben ihrer Familie sichern, erlebt das Selbstbewußtsein der sonst mit dieser Rolle anvertrauten Männer den freien Fall. Nicht zu erschüttern ist jedoch Gaz (sympathischer Verrückter: Robert Carlyle, Großbritanniens derzeit vitalste mimische Allzweckwaffe), obwohl seine geschiedene Frau ihm das Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn verweigern möchte, falls nicht endlich Unterhaltszahlungen eintreffen. Doch Gaz hat längst schon einen todsicheren Finanzierungsplan entworfen, nachdem ein Besuch der Chippendales bei den Sheffield-Frauen ein gewinnträchtiges Disco-Inferno ausgelöst hatte. Das schnelle Pfund witternd, gründet Gaz mit Freunden, Kollegen und anderen Verzweifelten eine Strippertruppe. Angesichts der ungelenken, mit Bauch oder vorgerrücktem Alter bestraften Herren eine absurde, aber gerade deshalb absolut kinotaugliche Idee, die befreiendes Lachen generiert, aber von Buch und Regie nie ins Lächerliche gezogen wird. Die soziale Notsituation bleibt nie Dekor, sondern bereitet das dramatische Spannungsfeld für die Figuren und ihre zutiefst menschlichen Konturen. "We dare to be bare", das Motto der Sheffield-Stripper, kann in diesem Zusammenhang nicht nur anatomisch, sondern auch emotional gedeutet werden. Obwohl "Ganz oder gar nicht" im Mittelteil gelegentliche Atempausen einlegt, hält diese Komödie die Zuschauer bei der "Stange". Bis hin zum triumphalen Finale, dem Akt der Befreiung - für die Stripper, aber auch die Kinogänger, die mit einem kleinen Vorrat an Euphorie in den Alltag entlassen werden. Fleshdance - what a feeling. kob.
| Darsteller: | Robert Carlyle | als Gaz | |
|---|---|---|---|
| Tom Wilkinson | als Gerald | ||
| Mark Addy | als Dave | ||
| Lesley Sharp | als Jean | ||
| Emily Woof | als Mandy | ||
| Steve Huison | als Lomper | ||
| Paul Barber | als Horse | ||
| Hugo Speer | als Guy | ||
| Deirdre Costello | als Linda | ||
| Bruce Jones | als Reg | ||
| William Snape | als Nathan | ||
| Paul Butterworth | als Barry | ||
| Dave Hill | als Alan | ||
| Andrew Livingstone | als Terry | ||
| Vinny Dhillon | als Sharon | ||
| Kate Layden | als Bee | ||
| Joanna Swain | als Sheryl | ||
| Regie: | Peter Cattaneo | ||
| Drehbuch: | Simon Beaufoy | ||
| Produzent: | Uberto Pasolini | ||
| Koproduzent: | Paul Bucknor | ||
| Polly Leys | |||
| Karen Lindsay-Stewart | |||
| Kamera: | John de Borman | ||
| Schnitt: | David Freeman | ||
| Nick More | |||
| Musik: | Anne Dudley | ||
| Produktionsdesign: | Max Gottlieb | ||
| Kostüme: | Jill Taylor | ||
| Ton: | Alistair Crocker | ||
Nicht umsonst wurde Tom Wilkinson für seine Rolle in "In the Bedroom" für den Oscar nominiert - der Mann zählt zu den größten Schauspielern auf der Insel.
Auch sein komödiantisches Talent hat der Brite in "Ritter Jamal - Eine schwarze Komödie" oder in "Ganz oder gar nicht" eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Jetzt zieht es ihn wieder "Back to the Roots". Der Star aus "Ernst sein ist alles" wird demnächst in drei Independent Filmen mitwirken:
in Gillian Armstrongs "Seventh Heaven", in "Living and Breathing" von den Filmemachern Keith Fulton und Louis Pepe ("Lost in La Mancha") und auch in Regisseur Peter Webers Drama "Girl With a Pearl Earring", in dem auch Colin Firth and Scarlett Johansson zu sehen sein werden.
Wilkinson spielt den reichen Van Ruijven, der dem Maler Vermeer alias Colin Firth Geld zur Verfügung stellt. Dieser findet in einer Hausmagd, dargestellt von Johansson, das geeignete Model für ein Bild, das später als eines der berühmtesten Vermeer-Gemälde in die Geschichte eingehen wird: "Girl with a Pearl Earring".
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