Drama http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz49/z0949512/b150x150.jpg Frost

Filmdetails

Frost


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Kritik

Fred Kelemen, der mit "Verhängnis" fast nicht den deutschen Filmpreis bekommen hätte, weil sein Film mit 77 Minuten zu kurz war, zeigt mit seinem neuesten Mammut-Epos, daß er keine Angst vor Längen in jedem Sinne hat, beschreibt in 270 Minuten die Odyssee einer Frau und ihres Kindes durch ein verödetes, kaltes Ostdeutschland.

Bei der Welturaufführung im Rahmen des 27. Internationalen Forum des Jungen Films drängte sich das Publikum, schließlich gilt Regisseur Kelemen als aufstrebendes Talent, das sich nicht an verkrustetet Strukturen hält. So ist "Frost" auch das genaue Gegenteil von deutschen Komödien. Verzweiflung pur dominiert das Geschehen, auch wenn sich am Rande ein Hauch von Hoffnung zeigt. In der Weihnachtsnacht (Analogie mit Maria und Kind ist erwünscht) verläßt Marianne mit ihrem Sohn MIcha den gewalttätigen Mann und macht sich auf nach Ostdeutschland, wo sie aufgewachsen ist. Die Flucht führt sie durch surreale Landschaften, Schneefelder, gefrorene Seen, durch heruntergekommene Kneipen, triste Jahrmärkte und billige Buden ins Nichts. Ihren Weg kreuzen in sieben Tagen Einsame und Gestrandete, die Reise durch verwüstete Seelenlandschaften und kaputte Gefühle spiegelt emotionale Kälte und Gleichgültigkeit wieder. In endlos langen Einstellungen und dunklen Bildern vermittelt sich ein Universum der Traurigkeit, manchmal sieht man nur unterbelichtete Innenräume, Schattenähnliches oder gar nichts auf der Leinwand, hört nur Gemurmel und Gewisper, undefinierbare Geräusche. Aber das Komische ist, man gewöhnt sich daran. Die Männer in Kelemens Welt wollen nur das Eine, Frauen leiden stumm, nur dem Kind bleibt ein Zipfel Fantasie. Die Stationen der Flucht bieten nur kurzfristig Zeit zum Atemholen - bei einer fremden Frau oder in einem verlassenen Haus. Ostdeutschland sieht aus wie nach einem Bombenschlag - Ruinen, Bäume, die kahl und bedrohlich in den Himmel ragen, endlose Straßen, die irgendwo am Horizont enden. Die Isolation des Individuums ist noch stärker, die Kommunikation noch reduzierter als bei den gefallenen Engeln in "Verhängnis", die Suche nach Heimat noch sinnloser. Denn es gibt keine Heimat, nur die Sehnsucht danach, die in den Herzen brennt. Die Menschen tragen ihre psychischen Wunden wie ein Kainsmal offen mit sich, verletzen und sind verletzbar, verzehren sich im Innersten vor Verlangen, das nie gestillt wird.

Es gibt starke Momente, die machen diesen Film zu einem Erlebnis, die ausgetüftelte Farbdramaturgie der hypnotischen Bilder beeindruckt, auch wenn sie etwas in die Ästhetisierung des Elends rutscht, dann überzieht der 33Jährige manchmal den Bogen und die Energie verpufft, das Verliebtsein in hyperlange Einstellungen stumpft als dramaturgisches Mittel ab. So ist "Frost" eine Herausforderung an die Sehgewohnheiten und Geduld, entwickelt aber, läßt man sich darauf ein, eine eigenartige Faszination. Ein Highlight für Programm- und Kunst-Kinos, "Normalzuschauer" werden dieser Tortur nicht gewachsen sein. mk.

Frost

Darsteller:  Paul Blumberg  
  Anna Schmidt  
  Mario Gericke  
  Harry Baer  
  Isolde Barth  
  Adolfo Assor  
 
Regie:  Fred Kelemen  
Drehbuch:  Fred Kelemen  
Kamera:  Fred Kelemen  
Schnitt:  Fred Kelemen  
Musik:  Charles Mori  
Produktionsdesign:  Fred Kelemen  

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