Eine Kleinstadt im Süden Belgiens: eine Zuckerfabrik, Klärbecken, in denen die Abfälle der Zuckerrüben vergammeln und bei denen Zugvögel Rast machen. Hier, in Genappe, verbringen Blanche und Jean-Pierre gemeinsam mit ihrem Sohn Arthur ein friedliches Leben. Mutter und Kind genießen die Tage gemeinsam mit den Dorfbewohnern und auf langen Ausflügen in die ländliche Gegend.
Doch eines Nachmittags findet das Familienidyll ein jähes Ende. Der kleine Arthur reißt von zu Hause aus und ertrinkt in der nahen Moorlandschaft. Dieser Schicksalsschlag trifft das Elternpaar auf unterschiedliche Weise: Während Jean-Pierre zynisch und schweigsam wird, bleibt Blanche in einem Schockzustand gefangen und gibt vor, ihr Sohn sei noch immer am Leben.
Dem Wahnsinn verfallen, verbringt sie endlose Wochen damit, mit ihrem imaginären Sohn die umliegenden Felder und Pfade zu erkunden. Dort trifft sie eines Tages auf den scheuen Teenager François, der ihr hilft, ihrer Fantasiewelt zu entfliehen...
Blanche und Jean-Pierre auf dem Kommissariat - nervös, ängstlich - warten darauf, ihr Kind als vermisst zu melden. An der Wand hängt ein Puzzle, das eine fruchtbare Berglandschaft zeigt. Es fehlen zwei Teile...
Mit großer Intensität, sensibel und voller Mitgefühl, erzählt Thomas de Thier in seinem eindrucksvollen Spielfilmdebüt vom Verlust eines Kindes, von Ab- und Anwesenheit, von bedrückender Leere. "Flausen im Kopf" ist, so der Regisseur selbst, "ein Film über das Abdriften, der zwischen Fantasie und Realität die innere Reise einer Mutter beschreibt, die sich weigert, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken und sich Schmerz und Trauer zu stellen." Mit minutiös komponierten Einstellungen und intelligenten Metaphern behandelt der Film ein schwieriges Thema und fordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers, ohne dabei ins rein Filmkünstlerische abzudriften.
"Flausen im Kopf" ist ein weiterer Beweis dafür, dass durch das belgische Kino ein frischer Wind weht. Seit dem Erfolg der Brüder Luc und Jean-Pierre Dardenne ("Le fils", 2002; "L'enfant", 2005), die inzwischen ähnlich berühmt wie Paolo und Vittorio Taviani sind, ist eine neue Generation belgischer Filmemacher dabei, ihr Kino trotz oder gerade wegen ihres maroden Finanzierungssystems mit neuen Ideen umzuwälzen. Zu ihnen gehört der 1966 geborene Thomas de Thier, der mit "Flausen im Kopf" seinen ersten Langfilm realisierte. De Thier, der - nachdem er von der Filmschule geflogen war - auf Drängen seiner Eltern ein Marketingstudium absolvierte, machte seinen ersten Kurzfilm 1990 und konzentrierte sich danach vor allem auf Dokumentarfilme. So verließ er 1995 sein Heimatland, um in Neu Guinea mit den Dreharbeiten zu "A la recherche de l'oiseau blanc" (1995) zu beginnen und reiste 2001 für seinen Film "Echographie" (2002) quer durch Kanada. "Flausen im Kopf" wurde 2003 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele in Cannes präsentiert und stand im Wettbewerb für die Camera d'Or. In der Hauptrolle der Blanche ist De Thiers Lebensgefährtin Sophie Museur zu sehen, die auch schon in "Echographie" zu sehen war.
Quelle: ARTE, www.arte.tv
| Darsteller: | Sophie Museur | als Blanche Charlier | |
|---|---|---|---|
| Francis Renaud | als Jean-Pierre Charlier | ||
| Ulysse De Swaef | als Arthur Charlier | ||
| Alexis Den Doncker | als François | ||
| Colette Emmanuelle | als Mamie | ||
| Bouli Lanners | als Sergio | ||
| Jean-Christophe Lefèvre | als Premi Djou Dfosse | ||
| Nicolas Gob | |||
| Regie: | Thomas de Thier | ||
| Drehbuch: | Thomas de Thier | ||
| Produzent: | Jacques Bidou | ||
| Marianne Dumoulin | |||
| Nicolas Meyer | |||
| Kamera: | Virginie Saint-Martin | ||
| Schnitt: | Marie-Hélène Dozo | ||
| Musik: | Sylvain Chauveau | ||
| Produktionsdesign: | Wouter Zoon | ||
| Kostüme: | Fabienne Gauthier | ||
| Ton: | Pierre Mertens | ||
| Thomas Gauder | |||
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