Colin Firth
Ruth Gemmell
Neil Pearson
Regie: David Evans
Verleih: Senator
Seit 21 Jahren kreist alles Leben und Denken des beliebten Lehrers Paul ausschließlich um das sportliche Wohlergehen seines Lieblingsvereins FC Arsenal London. Seine pathologische Fußballleidenschaft fordert von seinen Freundinnen absolute Selbstaufgabe, bis seine jüngste Eroberung Sarah das sture Kind im Manne zu zähmen versucht.

Der Mann, das unbekannte Wesen, als Spielball seiner wohl größten Obsession, ist das Thema der anfangs witzigen, aber in seiner inhaltlichen Einsilbigkeit doch etwas ermüdenden Verfilmung von Nick Hornbys Bestseller "Fever Pitch". Hornbys autobiographisches Bekenntnis einer Existenz-steuernden Fußball-Leidenschaft überzeugte bei seiner Veröffentlichung 1992 durch Offenheit und Humor, leidet aber auch in dieser Adaption am Fehlen übergreifender Transfermöglichkeiten, die ein intimes Fanleben für ein größeres Publikum nachvollziehbar machen.
Sehr exotisch und kindlich ist die Welt von Paul (Colin Firth, zuletzt Ralph Fiennes Rivale um Kristin Scott-Thomas in "Der englische Patient"), der seit seiner Initiation in das Fanuniversum seines Lieblingsclubs FC Arsenal London, ausschließlich von der Anziehungskraft der runden Lederkugel getrieben, eine von Heim- und Auswärtsspielen bestimmte, exakt berechenbare Umlaufbahn eingeschlagen hat. Obwohl der lockere, einen vertraulichen Ton pflegende Lehrer keine Bindungsprobleme kennt (seine Beziehung zu Arsenal währt immerhin schon 21 Jahre!), finden sich Frauen schnell auf der Auswechselbank wieder, wenn sie seine Leidenschaft nicht teilen. Bis die spießige und etwas verklemmte Kollegin Sarah (Ruth Gemmell) in sein Leben tritt und ernsthaft Pauls Reifung zum Erwachsenen einfordert. Ein Großteil seines Humors bezieht das Kinoregiedebüt des britischen TV-Profis David Evans aus der Kollision der beiden Charaktere und ihrer grundverschiedenen Welten. Die Sympathien liegen dabei zunächst eindeutig bei Paul, dessen menschliche Entwicklungsstationen (Sammler von Fußballbildern, Tipp-Kick-Junkie, Stehplatz-Sportler) jedem männlichen Fußballfanatiker solidarische Stoßseufzer entlocken werden. Je mehr aber Pauls anfängliche Lockerheit einer fanatischen Besessenheit weicht, desto größeren Boden gewinnt Gemmells Figur. Eine Verlagerung, die dieser Mischform aus Komödie und Romanze den lässigen Schwung nimmt und sie in Richtung humanes Lehrstück treibt. Im Unterschied etwa zu Daniel Sterns liebenswertem Sport-Spinner in Barry Levinsons "Diner" ist Hornbys Protagonist ein komplizierter Neurotiker, dessen Unterhaltungswert sich nach anfänglichem Amüsement abnutzt. Hornbys Drehbuch läßt ihn allerdings auch im letzten Akt im Stich, konzentriert sich auf Arsenals, für den deutschen Kinogänger wenig interessanten finalen Kampf um die Meisterschaft, der die Liebenden (mehr behauptet als wirklich begründet) zusammenführt, aber den Zuschauer im Spannungsabseits stehen läßt. Das Fieber springt letztlich nicht über in "Fever Pitch", und so kühlt das Stimmungsbarometer trotz anfänglich höherer Temperaturen am Ende merklich ab. kob.
| Darsteller: | Colin Firth | als Paul Ashworth | |
|---|---|---|---|
| Ruth Gemmell | als Sarah | ||
| Neil Pearson | als Pauls Vater | ||
| Lorraine Ashbourne | als Pauls Mutter | ||
| Mark Strong | als Steve | ||
| Holly Aird | als Jo | ||
| Ken Stott | als Ted | ||
| Stephen Rea | als Ray | ||
| Luke Aikman | als Der junge Paul | ||
| Richard Claxton | als Robert | ||
| Bea Guard | als Pauls Schwester | ||
| Annette Ekblom | als Roberts Mutter | ||
| Peter Quince | als Frank | ||
| Charles Cork | als Rex | ||
| Bob Curtiss | als Stan | ||
| Philip Bond | als Turnstile Operator | ||
| Regie: | David Evans | ||
| Drehbuch: | Nick Hornby | ||
| Produzent: | Amanda Posey | ||
| Ausf. Produzent: | Stephen Woolley | ||
| Nik Powell | |||
| Buchvorlage: | Nick Hornby | ||
| Kamera: | Chris Seager | ||
| Schnitt: | Scott Thomas | ||
| Musik: | Neill MacColl | ||
| Boo Hewerdine | |||
| Produktionsdesign: | Michael Carlin | ||
| Kostüme: | Mary-Jane Reyner | ||
| Ton: | Jim Greenhorn | ||
| Aad Wirtz | |||
Es gibt Bücher, nach denen in Hollywood kein Hahn kräht. Dann erscheinen Romane, die einen derart guten Filmstoff bieten, dass sich die Produzenten Hollywoods schier die Köpfe einschlagen, um die Rechte daran zu erwerben.
Nick Hornbys dritter Roman "About a Boy oder: Der Tag der toten Ente" löste derartige Reibereien unter den Mächtigen der Traumfabrik aus. In Großbritannien auf Platz 1 der Verkaufsliste - der Bestseller ging mehr als eine Million Mal über die Ladentische - in über zwanzig Ländern ein Kassenschlager.
Zudem hatte Hornby mit seinen beiden Vorgängern "Fever Pitch" und "High Fidelity" bereits unter Beweis gestellt, dass seine Plots für Kinofilme geradezu prädestiniert sind.
Robert De Niro und Jane Rosenthal griffen 1998 zu, Rosenthal erinnert sich:
"Nick Hornby hat eine außergewöhnliche Sprache. Es gibt nicht viele Schriftsteller, die mit einer so hohen Intensität schreiben, dass sich eine Leinwandadaption derart aufdrängt."
De Niros Kompetenz-Pool
Das Nachsehen hatten Universal Pictures, die Gebrüder Weitz und Hugh Grants Produktionsfirma Simian.
Doch dann ereignete sich für das harte Geschäft des Filmbusiness Außergewöhnliches: De Niro & Co. holten alle ehemaligen Konkurrenten für die Produktion des Filmes mit ins Boot.
So wurden die Brüder Paul und Chris Weitz als Drehbuchautoren sowie als Regisseure verpflichtet und Hugh Grant übernahm einfach die Hauptrolle.
Hughs britische Zurückhaltung
Vor allem die Brüder Weitz zeigten sich überglücklich: "Wir hatten das Projekt seit einigen Jahren wie die Geier umkreist, und schließlich haben wir den Zuschlag bekommen."
Der einzige, der anfangs Bedenken anmeldete, war Hugh Grant. Der Star aus "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" war zwar von Hornbys Roman überzeugt; der Engländer konnte sich die Zusammenarbeit an einer Roman-Adaption mit dem Regie-Geschwisterpaar anfangs nur schwer vorstellen. Er kannte sie lediglich durch ihre Arbeit an "American Pie":
Kein Kain-und-Abel-Syndrom
"In dieser Geschichte hat niemand Sex mit einem Apfelkuchen. Nachdem ich die beiden aber getroffen hatte, musste ich eingestehen, dass ich zuvor noch nie amerikanische Regisseure kennen gelernt habe, die so belesen waren."
Auch die Vorstellung, gleich von zwei Regisseuren Anweisungen zu empfangen, schien ihm als sicheres Konzept, um in eine Katastrophe zu schlittern:
"Ich habe selbst einen Bruder, und die Vorstellung mit ihm einen Film zu drehen, halte ich für undenkbar. Wir würden uns wahrscheinlich in weniger als einer Woche gegenseitig umbringen."
Finale Schlammschlacht
Tote gab es aber weder im Film noch am Set. Letztlich stellte sich heraus, dass Hugh Grant mit Paul und Chris Weitz auch privat auf der selben Wellenlänge funkten.
Davon konnte man sich nach Abschluss der Dreharbeiten überzeugen, als die drei gemeinsam während eines Kricket-Spiels wie kleine Jungs im Dreck herumrobbten.
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