Jens Schumann
Macca Malik
Renate Krößner
Regie: Rainer Simon
Verleih: Progress
Umberto lebt mit seiner kleinen Halbschwester Bianca in einer tristen ostdeutschen Kleinstadt. Weil auch die trinksüchtige Mutter keine Hilfe ist und ein Umzug nach Hamburg alles nur noch schlimmer macht, reißt Umberto aus und macht sich mit seiner Schwester auf den Weg nach Angola, wo sein Vater lebt.

Rainer Simon galt als einer der renommiertesten Regisseure der DDR: Seine gesellschaftskritischen Filme wurden in seiner Heimat mehrmals mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet und bescherten ihm auch im Ausland Anerkennung (1985 gewann er den Goldenen Bären für "Die Frau und der Fremde"). Trotz Schwierigkeiten (Verbot, Bespitzelung) inszenierte er zwanzig Jahre lang, bis zur Wende, regelmäßig Spielfilme. Sein erstes "bundesdeutsches" Werk, das bereits 1994 abgedreht wurde, präsentiert ebenso professionell wie unerbittlich die auswegslose Situation eines 16jährigen aus Sachsen in der vereinigten deutschen Gegenwart.
Das Elend im Leben der Hauptfigur Umberto ist kaum zu beschreiben: Arm und ausgegrenzt wohnt er mit seiner alkoholkranken Mutter Ilona und seiner 5jährigen, farbigen Halbschwester Bianca in einem - schön fotografierten - sächsischen Dorf. Die Familie zieht nach Hamburg, wo Ilona ihre Vorliebe für wechselnde Männer zum Beruf macht und Umberto sich in Tschibo verliebt, die Tochter der Prostituierten-Nachbarin (in einem deprimierenden Gastauftritt: Domenica). Als er erfährt, dass Tschibo ebenfalls auf den Strich geht und seine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wurde, bricht er zusammen mit seiner Halbschwester auf einem geklauten Motorrad in Richtung PA-ISCH auf. In diesem "fernen Land" in Afrika vermutet er Biancas Vater, einen Seiltänzer. Auf dem Weg bis zum kläglichen Scheitern treffen die beiden einen Polizisten (schön dumm: Detlev Buck), einen gutherzigen Ossi, der es im Westen geschafft hat(Fußballer Ulf Kirsten spielt unbefangen sich selbst) und werden mit jeder Menge Leid konfrontiert: Umberto und Bianca betteln am Flughafen, stehlen Negerküsse (doch eine Spur von Humor?) und landen in einer seltsamen Kommune in Berlin, wo sich Umberto an einen reichen Homosexuellen verkauft.
All das wird in einem eindringlichen, düsteren Stil erzählt, der dem Zuschauer keine Zeit und keinen Raum lässt, sich eigene Gedanken zu machen. Da auf bis zur Unerträglichkeit zugespitzte Situationen prinzipiell die zweitschlimmste Auflösung folgt - tragisch, aber nicht tödlich -, wird der Film nach einer Weile berechenbar und langweilig. Offen bleibt, ob sich das Publikum für diese einseitige Darstellung einer traurigen Wirklichkeit erwärmen kann. csz.
| Darsteller: | Jens Schumann | als Umberto | |
|---|---|---|---|
| Macca Malik | als Bianca | ||
| Renate Krößner | als Mutter Ilona | ||
| Meret Becker | als Bibi | ||
| Domenica Niehoff | als Frau Betty | ||
| Yvette Dankou | als Tschibo | ||
| Katja Scorl | als Aleksandra | ||
| Marie Gruber | als Frau Krautwein | ||
| Johannes Terne | als Herr Krautwein | ||
| Anke Sevenich | als Sozialarbeiterin | ||
| Nana Abrokwa | als Le Pain | ||
| Patrick Lanagan | als Turkey | ||
| Peter Prager | als Eric | ||
| Detlev Buck | |||
| Ulf Kirsten | |||
| Regie: | Rainer Simon | ||
| Drehbuch: | Günter Saalmann | ||
| Rainer Simon | |||
| Kamera: | Sebastian Richter | ||
| Schnitt: | Helga Gentz | ||
| Musik: | Friedrich Schenker | ||
| Saraba | |||
| Klaus Knapp | |||
| Produktionsdesign: | Hans-Jürgen Deponte | ||
| Kostüme: | Ulrike Stelzig | ||
| Maske: | Frank May | ||
| Ton: | Hans-Henning Thölert | ||
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