Johnny Depp
Benicio Del Toro
Craig Bierko
Regie: Terry Gilliam
Verleih: Tobis
Journalist Raoul Duke soll über ein Autorennen in der Wüste von Nevada berichten. Mit seinem Anwalt Dr. Gonzo und einer Unmenge von Drogen im Gepäck macht er sich auf den Weg nach Las Vegas, um dort seinem eigentlichen Ziel nachzugehen und nach den Überresten des amerikanischen Traums zu fahnden - auch wenn Hotelangestellte, Polizisten und Horrortrips ihm die Arbeit erschweren.

Daß Hunter S. Thompsons Subkulturbibel aus dem Jahr 1971 als unverfilmbar galt, hat seinen Grund: Begleitet von seinem Anwalt, sucht der Journalist Raoul Duke ohne offenkundigen dramatischen Bogen in der Glitzermetropole Las Vegas unter Einsatz seines Lebens und jeder erdenklichen Droge nach dem amerikanischen Traum, bis Traum und Buch unter der Last des pausenlosen Drogenkonsums geradezu disintegrieren und jede Hoffnung der Love & Peace-Generation endgültig ad acta gelegt werden darf. Exzeß ist kein Fremdwort für Terry Gilliam, und so nimmt er die Vorlage bei den Hörnern: Entsprechend ist seine außer Rand und Band geratene, häufig nur vom Voiceover-Kommentar Johnny Depps zusammengehaltene Kollage aus Thompsons und eigenen, seit "Brazil" bestens bekannten Motiven und den berühmten Skizzen Ralph Steadmans, die den Erstabdruck des psychedelischen Gonzo-Werkes im Rolling Stone begleiteten, nicht Jedermanns Sache.
"Wir waren gerade hinter Barstow, irgendwo in der Wüste, als die Drogen zu wirken begannen." Mit dem berühmten Einstieg des Romans beginnt auch Gilliams filmischer Kraftakt: Danach erleben Duke und sein Anwalt Dr. Gonzo, die Don Quichote und Sancho Pansa-artigen, traurigen Helden in dieser "wilden Reise zum Herz des amerikanischen Traums" keinen klaren Moment mehr. Der Film auch nicht. Wie ein "Easy Rider", der den Verstand verloren hat, taumelt "Fear and Loathing in Las Vegas" von Drogentrip zu Drogentrip, visualisiert Gilliam alle Halluzinationen seiner beiden Helden, die von Fledermäusen attackiert werden, miterleben müssen, wie die Teppiche eines Casinos die Wände auf- und abkriechen und sich alle Menschen in der Lobby eines Hotels in Echsen, echte "Lounge Lizards", verwandeln - und das in den ersten 20 Minuten des Films. Danach geht es erst richtig rund, wenn Duke als Journalist ein Wüstenrennen, bei dem man vor lauter Staub weniger erkennt als in "Heaven's Gate", und später die nationale Drogenkonferenz der US-Polizei besucht.
Dennoch ist diese Dante-artige Tour durch die Hölle mehr als eine beliebige Aneinderreihung von abgefahrenen Motiven. In diesem Wahnsinn steckt Methode: Wie in "12 Monkeys" suchen auch hier die Helden nach dem Ursprung des Untergangs der einst großen Nation USA. War Gilliams Hit von 1995 aber noch ein reiner Fantasyfilm, nennt "Fear and Loathing" die Dinge beim realen Namen: Allgegenwärtig sind Vietnamkrieg, die Rassenkonflikte in Los Angeles, die Desillusion nach dem Sommer der Liebe, der Verlust der Unschuld, und sie treiben Johnny Depp und Benicio Del Toro immer weiter an in ihren Drogeneskapaden, die anstatt Erleuchtung nur Kopfschmerzen und Enttäuschung bringen.
Sie sind wie Laurel & Hardy, wenn sie von Cheech und Chong dargestellt werden würden: Depp hampelt enthemmt und grunzt, als gelte es nicht nur, den wahren Hunter S. Thompson zu emulieren, sondern schauspielerisch auch noch das Erbe von Gilliams eigenen grotesken Gastauftritten in den Monty-Python-Filmen anzutreten. So verrückt er auch sein mag, er ist doch der vergleichsweise normale Gegenpart zu dem durchgeknallten Dr. Gonzo, der von Benicio Del Toro ohne Rücksicht auf Verluste zu vollbreitem Leben erweckt wird. Ein wenig erinnert das Duo an Jeff Bridges und Robin Williams in "König der Fischer" oder Bruce Willis und Brad Pitt in "12 Monkeys", und erneut vertritt Gilliam den Standpunkt, daß man die Realität nur verrückt oder in dichtem Zustand ertragen kann. Nur: So konsequent, so bildbesessen und so wahnsinnig war der visionäre Regisseur noch nie, daß selbst die von Depp im Off vorgetragenen Originalpassagen des Romans wie Rettungsringe im Inferno wirken. Ein mutiger, entfesselter Film, der zu Unrecht in Cannes gescholten wurde, weil er sich nicht damit aufhält, Regeln zu brechen, sondern schlicht und einfach keine Regeln kennt. ts.
| Darsteller: | Johnny Depp | als Raoul Duke | |
|---|---|---|---|
| Benicio Del Toro | als Dr. Gonzo | ||
| Craig Bierko | als Lacerda | ||
| Ellen Barkin | als Bedienung im North Star | ||
| Gary Busey | als Highway Polizist | ||
| Cameron Diaz | als Blonde Fernsehreporterin | ||
| Flea | als Musiker | ||
| Mark Harmon | als Zeitungsreporter | ||
| Katherine Helmond | als Angestellter für Reservierungen | ||
| Michael Jeter | als L. Ron Bumquist | ||
| Penn Jillette | als Carnie Talker | ||
| Lyle Lovett | als Road Person | ||
| Tobey Maguire | als Hitchhiker | ||
| Christina Ricci | als Lucy | ||
| Harry Dean Stanton | als Richter | ||
| Tim Thomerson | als Hoodlum | ||
| Regie: | Terry Gilliam | ||
| Drehbuch: | Tony Grisoni | ||
| Terry Gilliam | |||
| Tod Davies | |||
| Alex Cox | |||
| Produzent: | Patrick Cassavetti | ||
| Stephen Nemeth | |||
| Laila Nabulsi | |||
| Koproduzent: | Elliot Rosenblatt | ||
| Ausf. Produzent: | Harold Bronson | ||
| Richard Foos | |||
| Buchvorlage: | Hunter S. Thompson | ||
| Kamera: | Nicola Pecorini | ||
| Schnitt: | Lesley Walker | ||
| Musik: | Ray Cooper | ||
| Produktionsdesign: | Alex McDowell | ||
| Chris Gorak | |||
| Kostüme: | Julie Weiss | ||
| Ton: | Jay Meagher | ||
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