Originaltitel: Farinelli il castrato
Frankreich/Belgien/Italien 1994
Stefano Dionisi
Enrico Lo Verso
Elsa Zylberstein
Regie: Gérard Corbiau
Verleih: Helkon
"Farinelli" verfolgt das Leben des Kastraten-Sängers Carlo Broschi von dem Zeitpunkt als er mitansehen muß, wie sich ein junger Sänger nach seiner Kastration zu Tode stürzt. Doch auch Carlo unterzieht sich der Operation, hauptsächlich, um der Forderung seines Vaters nachzugeben, der in Carlo und seinem Bruder das perfekte Sänger/Komponisten-Duo sieht.

Es gab einmal eine Zeit, in der musikalische Adrenalinstöße nicht durch Stakkato-Takte, sondern sinnliche Töne erzeugt wurden. "Dank ihnen hatte ich meinen ersten musikalischen Orgasmus", preist ein zufriedener weiblicher Fan die Gesangsqualitäten Carlo Broschis (Stefano Dionisi aus Sherry Hormanns "Leise Schatten"), der unter dem Künstlernamen "Farinelli" in den dreißiger und vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts als musikalischer Gott irdischen europäischen Boden beherrschte. Diese erst nach Kastration erstrahlte Lichtgestalt steht im Mittelpunkt einer aufwendigen europäischen Koproduktion (Budget: 60 Mio. Francs), die zum Jahresanfang als bester fremdsprachiger Film mit einem Golden Globe und später auch mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde. Mit seiner prächtigen Ausstattung und dem hypnotischen Sirenengesang seines Titelhelden ist dieser auch an deutschen Drehorten realisierte Kostümfilm eine Augen und Ohren verwöhnende zuschauerfreundliche Zeitreise in den Spätbarock. Das Schicksal eines üblicherweise vergänglichen Stimmwunders, das ein schwerer, von Ehrgeiz und Ruhmsucht getriebener Eingriff für ein Leben konservierte, mag manchem Zuschauer exotisch erscheinen, aber gerade in der Außergewöhnlichkeit dieses Lebens liegt die Chance des Films. Regisseur Gérard Corbiau (schon 1988 für "Maestro" oscarnominiert) setzt den Schwerpunkt auf die nahezu symbiotische Beziehung der Broschi- Brüder, die von Beginn von einem starken Ungleichgewicht geprägt ist. Im Licht steht Carlo, der mit seiner Stimme die Massen verzaubert und Scharen von Frauen (u.a. die bezaubernden Leihgaben des französischen Films: Elsa Zylberstein und Caroline Cellier) anlockt, die er dann mit Riccardo (Enrico Lo Verso), seinem für ihn komponierenden, aber begrenzt begabten brüderlichen Schatten teilt. Getragen und mit gefälligen Dialogen legt Corbiau das persönliche Dilemma der beiden und die dahinterliegende Familientragödie frei, die in Farinellis Kampf um Anerkennung durch die Musiklegende Händel (Jeroen Krabbé) zur gewichtigen Waffe wird. Ein "Amadeus" ist "Farinelli" trotz gewisser Parallelen zwar nicht, aber ein Anteil an dessen Kassenerfolg ist dieser gelungenen europäischen Großproduktion bei entsprechender Publicity durchaus zuzutrauen. kob.
| Darsteller: | Stefano Dionisi | ||
|---|---|---|---|
| Enrico Lo Verso | |||
| Elsa Zylberstein | |||
| Caroline Cellier | |||
| Jeroen Krabbé | |||
| Jacques Boudet | |||
| Omero Antonutti | |||
| Marianne Basler | |||
| Renaud du Peloux de Saint Romain | |||
| Graham Valentine | |||
| Pier Paolo Capponi | |||
| Delphine Zentout | |||
| Regie: | Gérard Corbiau | ||
| Drehbuch: | Marcel Beaulieu | ||
| Andree Corbiau | |||
| Gérard Corbiau | |||
| Produzent: | Véra Belmont | ||
| Kamera: | Walther vanden Ende | ||
| Musik: | Christophe Rousset | ||
| Produktionsdesign: | Gianni Quaranta | ||
| Ton: | Jean-Paul Mugel | ||
| Dominique Hennequin | |||
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