
Ein Vergewaltigungsopfer sucht nach seinem Peiniger. Eher Psychogramm denn Kriminalthriller, packend und glaubwürdig mittels suggestiver Bildsprache umgesetzt.
Eine ausgelassene Party. Eine Geburtstagsfeier im Kreise bester Freunde. Hamburger Akademiker um die 40. Man trinkt, raucht, lacht... Mittendrin, gut gelaunt und auch schon etwas benebelt Single Johanna. Dann, die Nacht ist weit fortgeschritten, ist das Fest vorbei. Johanna will sich nicht heimfahren lassen, steigt lieber aufs Fahrrad. Leicht schwankend tritt sie in die Pedale... und wacht am nächsten Morgen verkatert in einem Gebüsch am Elbufer auf. Derangiert und vergewaltigt. Sie kann sich an nichts mehr erinnern, jemand hat ihr "K.o.-Tropfen" ins Glas geschüttet. Nur eins ist klar: "Es war einer von uns".
Nach dem stimmigen Buch von Astrid Ströher begibt sich Kai Wessel, 2003 für "Leben wäre schön" mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet, auf Tätersuche, zwischen Psychogramm und Thriller legt er seinen Film an. Die Polizei wird eingeschaltet, eine Kommissarin (effektiv: Johanna Gastdorf) übernimmt den Fall. Umsichtig, akribisch. Quälende Fragen stellt sie dem Opfer, das zusehends den Boden unter den Füßen verliert. Die Ermittlungen verlaufen im Nichts. "Sie müssen lernen, damit zu leben", sagt die Polizistin. Johanna, erschreckend eindringlich gespielt von Johanna Simon ("Kongo") will das aber nicht.
Sie will den Täter entlarven, ihr seelisches Gleichgewicht wieder erlangen. Ein Detektiv wird engagiert. Die Alibis der möglichen Täter werden überprüft. Kann es Björn (gewohnt souverän: Devid Striesow), der Mann von Johannas Freundin Leonie (Anja Kling), gewesen sein? Schau er nicht immer so komisch durch seine Brille? Außerdem lügt er. Warum? Die Fotos der Verdächtigen werden an die Wand gepinnt. US-Filmmomente, wie bei den "CSI"-Profilern. Ein wenig muss man an Jodie Foster und "Angeklagt" denken.
Dabei verschiebt sich der Fokus ganz unmerklich. Die Tätersuche rückt in den Hintergrund, das Interesse richtet sich aufs Opfer. Hautnah gehen Regisseur Wessel und sein vorzüglicher Kameramann Klaus Eichhammer an ihre Heldin heran. Die Bildsprache ist suggestiv, wird Johanna zerbrechen, bringt sie der neue Freund (verständnisvoll: Adam Bousdoukos) ins Leben zurück? Hier stimmt alles: die Psychologie, die Ästhetik, die Musik, die Auflösung. Clever wird der Täter entlarvt, wieder auf einer Fete, mit Mitteln, die nur im digitalen Zeitalter möglich sind. Ohne echtes Happy End. Überzeugend. Wie der ganze Film. geh.
| Darsteller: | Maria Simon | als Johanna Schröder | |
|---|---|---|---|
| Anja Kling | als Leonie Grothe | ||
| Devid Striesow | als Björn Reichsmann | ||
| Patrick Heyn | als Philipp Reichsmann | ||
| Adam Bousdoukos | als Yanis | ||
| Hans-Jochen Wagner | als Henning Uhland | ||
| Johanna Gastdorf | als Kommissarin Ute Burckhart | ||
| Kathrin Wehlisch | als Kathrin Reichsmann | ||
| Helene Grass | als Miriam | ||
| Maren Kroymann | als Sabine Schröder | ||
| Gerhard Garbers | als Werner Schröder | ||
| Rainer Sellien | als Privatdetektiv Matthias Christburger | ||
| Gitta Schweighöfer | als Anwältin Albers | ||
| Theresa Berlage | als Therapeutin Vera Winkler | ||
| Andy Gätjen | als Klaus Thäsler | ||
| Christoph Jacobi | als Elmar | ||
| Ayse Bosse | als Antje | ||
| Regie: | Kai Wessel | ||
| Drehbuch: | Astrid Ströher | ||
| Produzent: | Dr. Lisa Blumenberg | ||
| Kamera: | Klaus Eichhammer | ||
| Schnitt: | Tina Freitag | ||
| Musik: | Martin Todsharow | ||
| Produktionsdesign: | Thomas Freudenthal | ||
| Kostüme: | Susanne Witt | ||
| Maske: | Barbara Kreuzer | ||
| Ton: | Gunther Hahn | ||
| Casting: | Simone Bär | ||
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