Originaltitel: Erin Brockovich
USA 2000
Julia Roberts
Albert Finney
Aaron Eckhart
Regie: Steven Soderbergh
Verleih: Columbia Tristar
Erin ist eine wandelnde Katastrophe: großmäulig, penetrant und schlecht erzogen. Auf der Habenseite führt sie drei Kinder, zwei Scheidungen und ein tiefes Dekolletée . Sie erbettelt sich einen Job in einem Anwaltsbüro und stößt dort auf Unterlagen, die auf einen Umweltskandal hindeuten.Es gelingt ihr, ihren Chef dazu zu bringen, mit ihr den Kampf gegen einen allmächtig erscheinenden Industriekonzern aufzunehmen.

Brillantes Kino ist Steven Soderbergh gelungen mit dieser Geschichte von Zivilcourage und rigorosem Einsatz einer mutigen jungen Frau gegen die todbringende Verantwortungslosigkeit eines millionenschweren Industrieunternehmers. Julia Roberts ist so gut wie nie zuvor, ein darstellerisches Energiebündel von realistischer Überzeugungskraft. Nach "Out of Sight" beweist Soderbergh erneut sein Talent für einen aufregenden, intelligent guten Mainstream-Film.
Erin Brockovich ist eine alleinerziehende Mutter von drei kleinen Kindern aus zwei geschiedenen Ehen. Finanziell ist sie ziemlich am Ende und heftig auf Jobsuche, als sie schuldlos in einen aberwitzigen Autounfall gerät. Ihr Anwalt Ed Masry (Albert Finney in einer phänomenalen Studie müder Unlust kurz vor dem Ruhestand)erwirkt vor Gericht nichts für Erin, die ihre Wut darüber in Lebenshilfe umfunktioniert: Sie beschafft sich einen Job in Masrys etwas schlampig dahindümpelnder Anwaltskanzlei, ordnet Akten.
Mit einem wunderbar stilsicheren Drive führt Soderbergh so in die Geschichte ein, ohne die leiseste Überzeichnung der Personen. Vielmehr atmet diese Exposition bereits genügend Realismus, bei aller Kinodramaturgie - vor allem auch durch die fast dokumentarisch spontan wirkende Kamera von Ed Lachman. Und so funktioniert auch die David-gegen-Goliath-Fabel glaubwürdig spannend trotz aller bigger-than-life-Qualität. Denn Soderbergh konzentriert sich auf die Menschen und ihre konkreten Probleme im alltäglichen Leben. Ein Industrieunternehmen hat durch Chemieabfall das Wasser einer ganzen Gemeinde vergiftet. Krankheiten und Todesfälle sind die Folge. Erin Brockovich stößt auf diesen Fall, als sie unter den Akten über Grundstücksverträge plötzlich medizinische Dokumente findet. Auf eigene Faust geht sie der Sache nach, spricht mit den betroffenen Familien und bekommt nach deren anfänglich misstrauischen Skepsis volles Vertrauen. Denn Erin ist auf der gleichen Wellenlänge der Leute und kommt ihnen nicht mit Anwaltslatein. Selbst Ed Masry lässt sich schließlich von Erin überzeugen, wirft seine Gleichgültigkeit über Bord und steigt noch einmal groß ein. Gemeinsam landen der Anwalt und die juristisch unbeleckte junge Frau den spektakulärsten Erfolg der amerikanischen Prozessgeschichte. 600 Kläger haben sie schließlich mobilisiert, und die Firma wird zur Zahlung von 333 Mio. Dollar verurteilt. Der Fall ist authentisch - und die wirkliche Erin Brockovich spielt sogar eine kleine Rolle als Kellnerin.
Glänzend geführte und deshalb zu Höchstleistungen auflaufende Schauspieler zeichnen den Film aus - fabelhaft auch der aus Neil LaButes Filmen "In the Company of Men" und "Your Friends and Neighbors" und jüngst Oliver Stones "An jedem verdammten Sonntag" bekannte Aaron Eckhart als verständnis- und liebevoller Nachbar, Biker, Babysitter. Fern abgenutzter Klischees erzählt Soderbergh diese Cinderella-Story, Mainstream sozusagen mit Independent-Blick. Überzeugend findet er immer wieder überraschende Wendungen in Situationen und im Verhalten seiner Personen. So hat der Film, thematisch verwandt mit Steven Zaillians "Zivilprozeß", Alan J. Pakulas "Die Akte" und Martin Ritts "Norma Rae", eine ungleich vitalere Brillanz und beweist mitreissend, wie gut Hollywood-Kino sein kann, wenn es von einem hervorragenden Regisseur gemacht wird. Das dürfte ihm eine große Zuschauerzahl begeistert danken. fh.
| Darsteller: | Julia Roberts | als Erin Brockovich | |
|---|---|---|---|
| Albert Finney | als Ed Masry | ||
| Aaron Eckhart | als George | ||
| Marg Helgenberger | als Donna Jense | ||
| Cherry Jones | als Pamela Duncan | ||
| Peter Coyote | als Kurt Potter | ||
| Scott Leavenworth | als Matthew | ||
| Gemmenne De La Pena | als Katie | ||
| Regie: | Steven Soderbergh | ||
| Drehbuch: | Susannah Grant | ||
| Produzent: | Danny DeVito | ||
| Michael Shamberg | |||
| Stacey Sher | |||
| Koproduzent: | Gail Lyon | ||
| Ausf. Produzent: | John Hardy | ||
| Carla Santos Shamberg | |||
| Kamera: | Ed Lachman | ||
| Schnitt: | Anne V. Coates | ||
| Musik: | Thomas Newman | ||
| Produktionsdesign: | Philip J. Messina | ||
| Kostüme: | Jeffrey Kurland | ||
Von der Soul-Legende zum klassischen Streicher.
Als Ray Charles erspielte sich Jamie Foxx einen Oscar, nun will er beweisen, dass er auch mit klassischer Musik das Kinopublikum verzaubern kann. Dafür hat er sich die Lebensgeschichte eines Mannes ausgesucht, dessen Schicksal ganz danach klingt, als könnte Foxx damit in Hollywood erneut groß abräumen:
Mitte der 70er-Jahre studierte Nathaniel Ayers am renommierten New Yorker Juilliard-Konservatorium Geige und Cello - doch im zweiten Jahr entwickelte er eine schwere schizophrene Störung. Ayers musste seine Ausbildung abbrechen und fand sich wenig später als obdachloser Straßenmusiker in Los Angeles wieder. Der Journalist Steve Lopez schrieb mehrere Artikel in der L.A. Times über den gefallenen Konzertgeiger - und stieß damit auf große Resonanz in der Bevölkerung. Lopez griff dem Musiker unter die Arme, vermittelte ihm sogar die Chance, gelegentlich mit Profis zu spielen. Dennoch schläft Ayers auch heute noch in einem Pappkarton auf dem Bürgersteig und vertraut, wie er sagt, "auf den Schutz von Beethovens Geist".
Ein solch dramatisches Schicksal ist natürlich eine Paraderolle für Jamie Foxx. Das Drehbuch zu "The Soloist - der Solist" stammt zudem von Susannah Grant, die schon mit "Erin Brockovich - Eine wahre Geschichte" ein rührseliges Einzelschicksal erfolgreich auf die große Leinwand gebracht hat. Wer den findigen Journalisten spielen soll, ist derzeit noch unklar. Aber bei einer solch prestigeträchtigen Story dürfte die Hollywood-Prominenz bei den Machern bald Schlange stehen...
Sie ist "America's Sweetheart". Julia Roberts gilt ihrer Natürlichkeit und ihres umwerfenden Lachens wegen als beliebtester weiblicher...
Der kraftvolle britische Mime, der sich auch von Julia Roberts' Push-Up-Bra in "Erin Brockovich" nicht beeindrucken lässt, wurde 1963...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.