Nathaniel Brown
Paz de la Huerta
Cyril Roy
Regie: Gaspar Noé
Verleih: Wild Bunch
Oscar lebt mit seiner Schwester Linda in Tokio. Er hält sich mit kleinen Drogendeals über Wasser, sie arbeitet als Stripperin in einem Nachtklub. Bei einem Zusammenprall mit der Polizei wird Oscar von einer Kugel getroffen und schwer verletzt. Im Todeskampf erinnert er sich an ein Versprechen an Linda, sie niemals allein zu lassen, und kämpft sich in eine Halbwelt zurück, die sich in zunehmend chaotischeren und albtraumartigen Visionen manifestiert. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fallen ineinander.

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle über den Dächern von Tokio. Gaspar Noé lädt in seinem Mix aus Liebes- und Experimentalfilm zu einem cineastischen Drogentrip.
Eine andere Karte der Klänge von Tokio, eine bildbestimmte, neongleißende, in Szene gesetzt vom Franzosen Gaspar Noé, dem Provokateur des Arthouse-Kinos. "Enter the Void" heißt es sieben Jahre nach seinem Skandalfilm "Irreversible". Auf Stars hat der in Argentinien geborene Skandal-Regisseur diesmal verzichtet und auch auf vordergründige Schockmomente. Dennoch ist er sich treu geblieben, beschäftigt er sich doch wieder mit der Gnadenlosigkeit des Schicksals, der Konfrontation des Menschen mit der eigenen Sterblichkeit. Das Jenseits erforscht er mit dem radikal subjektiven Blick seines Helden, die titelgebende "Leere", nach der auch eine Bar im Film heißt.
Als Dealer schlägt sich Oscar in der japanischen Metropole durch, seine Schwester Linda arbeitet als Stripperin. Früh haben die beiden ihre Eltern bei einem Autounfall verloren, damals haben sie sich geschworen, einander nie zu verlassen. Da gerät Oscar in eine Razzia, wird auf einer schmuddeligen Toilette erschossen. Er haucht sein Leben aus. Die Seele verlässt seinen Körper - gottgleich schwebt er jetzt über den Dingen und Noé kann so Vergangenheit und Gegenwart spielerisch leicht miteinander in Verbindung bringen. Von oben betrachtet Oscar Tokio nun, dringt in Gedanken ein, darf sogar mit der eigenen Schwester schlafen. "Come inside me" haucht sie ihm ins Ohr und Oscar erlebt seine eigene Wiedergeburt.
Wie ein überlanger Drogentrip mutet die Arbeit an, ein radikaler Mix aus Experimental- und Liebesfilm. Nachtschwarz, flimmernd, unscharf sind die Bilder, triste Hinterzimmer, Tanzschuppen, Bars, Discos und ein Love Hotel die Schauplätze. Der Zuschauer ist das Alter Ego von Oscar, mit ihm taumelt er durch die Nacht. Die Sonne gibt es kaum zu sehen. Von der Tonspur dröhnen die Bässe, treiben einem förmlich das Blut durch die Adern. Es geht scheinbar um nichts mehr als das bloße Überleben. Linda fürchtet sich vor dem Tod. Ihr Bruder tröstet sie: "Wir werden nie sterben". "Aber wir sind doch sterblich" antwortet sie. Bleibt die Frage ob das Leben in einer Welt ohne Perspektive überhaupt noch lohnt.
Radikal auf allen Ebenen ist dieser Film, kompromisslos, visionär, packend. Nur David Lynch schafft ähnliche cineastische (Alb-)Träume - minus die Computeranimationen, die die Surrealität dieses Werks zusätzlich verstärken. Eine 145 Minuten lange Reise durch die Nacht gilt es hier zu durchstehen. Nicht jedermanns Sache. Doch wer sich darauf einlässt, erlebt hier (Gefühls-)Kino von einem anderen Stern - ästhetisch, konzeptionell und inhaltlich. geh.
| Darsteller: | Nathaniel Brown | als Oscar | |
|---|---|---|---|
| Paz de la Huerta | als Linda | ||
| Cyril Roy | als Alex | ||
| Emily Alyn Lind | als Linda, jung | ||
| Jesse Kuhn | als Oscar, jung | ||
| Olly Alexander | als Victor | ||
| Masato Tanno | als Mario | ||
| Cary Hayes | als Bruno | ||
| Sara Stockbridge | als Suzie | ||
| Sakiko Fukuhara | als Saki | ||
| Nobu Imai | als Tito | ||
| Emi Takeuchi | als Carol | ||
| Janice Sicotte-Beliveau | als Mutter | ||
| Simon Chamberland | als Vater | ||
| Regie: | Gaspar Noé | ||
| Drehbuch: | Gaspar Noé | ||
| Produzent: | Olivier Delbosc | ||
| Vincent Maraval | |||
| Marc Missonnier | |||
| Gaspar Noé | |||
| Koproduzent: | Philippe Bober | ||
| Nicolas Leclercq | |||
| Kamera: | Benoît Debie | ||
| Schnitt: | Gaspar Noé | ||
| Mac Boucrot | |||
| Jerome Pesnel | |||
| Musik: | Thomas Bangalter | ||
| Produktionsdesign: | Kikuo Ohta | ||
| Jean-André Carriere | |||
| Kostüme: | Tony Crosbie | ||
| Nicoletta Massone | |||
| Casting: | Helene Rousse | ||
Die Spekulationen haben sich bestätigt. Das Line-up für das 62. Festival de Cannes liest sich wie ein Klassentreffen der Cannes-Lieblinge. Einen deutschen Regisseur sucht man zwar vergeblich, dafür ist "Das weiße Band" vom Österreicher Michael Haneke dabei. Und um die französischen Titel wurde bis zur letzten Minute noch heftig gerungen.
Unter den für den Wettbewerb ausgewählten Filmemachern haben neun in der Vergangenheit bereits wichtige Preise in Cannes gewonnen. 15 haben wenigstens einmal am Wettbewerb teilgenommen; ein weiterer war wenigstens schon einmal bei einem A-Festival im Wettbewerb vertreten. Es ist kein Regiedebütant im Wettbewerb zu finden.
Und auch einen deutschen Regisseur sucht man in diesem Jahr vergeblich, obwohl zu einem früheren Zeitpunkt einmal Fatih Akin ins Spiel gebracht worden war - doch sein neuestes Werk "Soul Kitchen" ist offenbar nicht rechtzeitig fertig geworden. Dafür ist "Das weiße Band" vom Österreicher Michael Haneke mit von der Partie.
Mit "Drag me to Hell" kehrt Sam Raimi zu seinen Wurzeln als Horror-Meister zurück (Foto: Universal)
Um die französischen Titel soll bis zur letzten Minute noch heftig gerungen worden sein, wie man hört. Mit vier Filmen ist das Gastgeberland erneut stark im Wettbewerb vertreten. So wurde Alain Resnais mit "Les herbes folles" eingeladen. Jacques Audiard reist mit "Un prophète" an. Gaspar Noé kehrt mit "Enter the Void" an die Croisette zurück und Xavier Giannoli zeigt "À l'origine" mit Gérard Depardieu. Abschlussfilm (außer Konkurrenz) ist Jan Kounens "Coco Chanel & Igor Stravinsky".
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Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.