Gwyneth Paltrow
Jeremy Northam
Toni Collette
Regie: Douglas McGrath
Verleih: Studiocanal
Im England des viktorianischen Zeitalters lebt die junge Emma ein sorgloses Leben als Tochter eines reichen Gutsbesitzers in der Provinz. Ihr liebster Zeitvertreib ist das Verkuppeln von Bekannten und Freundinnen, doch was ihr eigenes Liebesleben betrifft, beweist sie ein weniger glückliches Händchen. Schließlich trifft auch sie den Richtigen, doch ist es nicht der, den sie erwartet hätte.

Mitte der neunziger Jahre scheint die britische Romanautorin Jane Austen zur Lieblingsinspirationsquelle für Filmemacher aller Art avanciert zu sein. Jetzt hat sich der US-Regisseur und Drehbuchautor Douglas McGrath Austens vierten und prononciertesten Roman "Emma" vorgenommen. Mit der wunderbaren Gwyneth Paltrow in der Titelrolle fächert McGrath eine Zeit der Unschuld aus, in der sich unter dem Firnis romantischer Verklärung seelische Abgründe auftun, die jedoch weder die Contenance noch das Weltbild der Beteiligten zu erschüttern drohen.
Emma Woodhouse (Gwyneth Paltrow) wird von Austen als "schön, klug und reich" beschrieben, als eine junge Frau mit einem komfortablen Background, die mit ihren 21 Jahren von den Widrigkeiten des Lebens so gut wie verschont geblieben ist. Sie lebt mit ihrem verwitweten Vater (Lou Coulson) in dem fiktiven Örtchen Highbury. Ihre Lieblingsbeschäftigung bezeichnet das englische matchmaking viel treffender als das harte deutsche "verkuppeln". Emma ist der große Fisch in einem sehr kleinen Teich. Der Film macht diesen wesentlichen Umstand schon in der Eingangssequenz deutlich: Aus einer sich immer schneller drehenden Weltkugel wird in Emmas Händen ein neckischer Spielball, ein Hochzeitsgeschenk. Wieder einmal ist ihre Passion von Erfolg gekrönt. Gerade hat sie ihre Freundin Mrs. Weston (Greta Scacchi) erfolgreich an den Mann (James Cosmo) gebracht. Die Hochzeit ist der Auftakt zu eine frivolen Reigen, in dem Backfische und Damen sich mit Einfaltspinseln und Schwerenötern ein- und wieder auslassen. Im Zentrum der Gesellschaftstravestie steht Emma, die am Ende als einziger Mensch geläutert und seelisch gereift daraus hervorgeht. Freilich ist "Emma" weniger ein Entwicklungsroman als ein Stück idiosynkratisches Amüsement, das McGrath verhalten und mit einem gewissen Minelli-Touch zu inszenieren wußte. McGrath hat sein Script ganz dem Flair von Jane Austens Romanvorlage untergeordnet. Mit stimmungsvollen Bildern, die ihre atmosphärische Aufladung im wesentlichen der hervorragenden Arbeit des Produktionsdesigners Michael Howells (u. a. "Orlando") und der Kostümbildnerin Ruth Meyers (u. a. "Addams Family") verdanken, schwelgt McGrath gerne in operettenhafter Opulenz, die gelegentlich die psychologisch subtile Handschrift Austens zu verwischen droht. Doch bei aller Grandezza vergißt er nie das Herzstück seines Films - Emma, gespielt von Gwyneth Paltrow. Ihr ist es zu verdanken, daß aus dem Film nicht nur ein geschmackvoll arrangiertes period-pic geworden ist. Sie durchstrahlt den Film mit ihrem Charme, ihrer nuancierten Ausdruckskraft, ihrer pointierten Spielweise - durchaus einer Audrey Hepburn würdig. Durch sie wird "Emma" zum Erlebnis. Einen Vergleich mit "Sinn und Sinnlichkeit" braucht diese Zehn-Mio.-Dollar-Produktion nicht zu fürchten. Es wird sich zeigen, ob weitere Austen-Adaptionen das vorgegebene Niveau werden halten können. Das Interesse beim Zuschauer (ca. 1,5 Millionen bei "Sinn und Sinnlichkeit") ist jedenfalls vorhanden.ull.
| Darsteller: | Gwyneth Paltrow | als Emma Woodhouse | |
|---|---|---|---|
| Jeremy Northam | als Mr. Knightley | ||
| Toni Collette | als Harriet Smith | ||
| Greta Scacchi | als Anne Weston | ||
| Alan Cumming | als Mr. Elton | ||
| Juliet Stevenson | als Mrs. Elton | ||
| Ewan McGregor | als Frank Churchill | ||
| Polly Walker | als Jane Fairfax | ||
| Sophie Thompson | |||
| Phyllida Law | |||
| James Cosmo | |||
| Edward Woodall | |||
| Kathleen Byron | |||
| Angela Down | |||
| Rebecca Craig | |||
| Regie: | Douglas McGrath | ||
| Drehbuch: | Douglas McGrath | ||
| Produzent: | Patrick Cassavetti | ||
| Steven Haft | |||
| Ausf. Produzent: | Bob Weinstein | ||
| Harvey Weinstein | |||
| Donna Gigliotti | |||
| Buchvorlage: | Jane Austen | ||
| Kamera: | Ian Wilson | ||
| Schnitt: | Lesley Walker | ||
| Musik: | Rachel Portman | ||
| Kostüme: | Ruth Myers | ||
Seit Jahren führen Kostümfilme die Kinozuschauer in die Vergangenheit. Hochgetürmte Frisuren, gepuderte Perücken und wallende Reifröcke sind für die wenigen Stunden auf der Kinoleinwand so wunderbar romantisch.
In "Marie Antoinette" mit Kirsten Dunst spielen Kostüme die Hauptrolle (Foto: Sony Pictures)
Der Klassiker stammt aus dem Jahr 1939: "Vom Winde verweht" mit Clark Gable und Vivien Leigh. Vor dem Hintergrund des amerikanische Bürgerkriegs sprüht der Film vor Drama und Romantik.
Seitdem haben wir vor allem Jane Austen die verträumte Vorstellung des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Die Traumfabrik hat ihre Bücher in wunderbare Filme wie "Emma" mit Gwyneth Paltrow, "Sinn und Sinnlichkeit" mit Emma Thompson und "Stolz und Vorurteil" mit Keira Knightley verwandelt. Alle drei Dramen durften sich über Oscar-Nominierungen freuen. Emma Thompson nahm sogar für das Drehbuch einen Goldjungen entgegen.
Dass Historienfilme immer wieder mit Auszeichnungen rechnen dürfen, zeigte auch "Shakespeare in Love". Gleich siebenmal wurde der Film von der Academy geehrt. Gwyneth Paltrow angelte sich die goldene Statue als beste Hauptdarstellerin und Dame Judi Dench nahm mit nur einem achtminütigen Auftritt als Königin Elizabeth den Oscar als beste Nebendarstellerin mit nach Hause.
Der Spitzenreiter ist aber "Vom Winde verweht". Das Drama wurde 1939 mit acht Goldstatuen ausgezeichnet und dann gibt es da natürlich noch den großen Erfolgshit von 1997, "Titanic", mit elf Oscars geehrt - wenn man das Drama, das 1919 spielt, noch zu den Kostümfilmen zählen will. Historienfilme berühren also nicht nur das Kinopublikum, sondern auch die Kritiker. So ist es nicht verwunderlich, dass das Genre auch weiterhin Furore macht.
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