Alex Frost
Eric Deulen
John Robinson
Regie: Gus Van Sant
Verleih: Studiocanal
Ein ganz normaler Tag an einer ganz normalen High School irgendwo in den USA. Der sensible Elias (Elias McConnell) schießt seine Photos, die schüchterne Michelle (Kristen Hicks) überlegt, wie sie sich vor dem Schulsport drücken kann, die magersüchtigen Schönheiten um die coole Carrie (Carrie Finklea) tauschen die neusten Gerüchte, und Muskelprotz Nathan (Nathan Tyson) wäre mit seiner Freundin lieber ganz woanders. Als der unbeschwerte John (John Robinson) mal kurz vor die Tür geht und ihm die beiden Schul-Misfits bis an die Zähne bewaffnet in Army-Kluft begegnen, ahnt er, dass dieser Schultag vielleicht doch nicht so normal wird.
Effektive TV-Kino-Synergie: Für den Kabelsender HBO schuf Independent-Regiestar Gus Van Sant ("My Own Private Idaho") diese absorbierend dichte Reflexion des Littleton-Massakers, bzw. ähnlicher Ereignisse, und bekam zur Belohnung in Cannes die Goldene Palme überreicht.
Virtuoses Low-Budget-Teenagerdrama über einen Tag an einer amerikanischen High School, der mit einem Massaker endet.
Ein Tag an einer US-High School, alles dreht sich um die üblichen Banalitäten: Hausaufgaben, Unterricht, Football, Klatsch und Tratsch. Bis zwei Brüder tatsächlich dafür sorgen, dass das Leben aller Schüler und Lehrer aus der routinierten Bahn geworfen wird: In einem blutigen Massaker erschießen sie jeden, der ihnen über den Weg läuft.
Nachdem er mit "Gerry" auf radikale Weise zu seinen filmischen Wurzeln zurückkehrte, realisierte der einstige Independent-Innovator Gus Van Sant im Fernsehformat für den ambitionierten Kabelsender HBO ein Low-Budget-Teenagerdrama, das sich - deutlich vom Littleton-Massaker inspiriert - provokant mit dem Thema der alltäglichen Gewalt an amerikanischen Schulen auseinandersetzt.
Immer wieder verfremdet Van Sant das filmische Material, flechtet Zeitlupen ein oder schneidet auf vorbeiziehende Wolken, wie man sie bereits aus "My Private Idaho" kennt. Es ist die Welt der Underdogs und Missachteten. Doch diesmal gibt es keine Antwort oder Poesie am Schluss, sondern Gewalt und Leid.
| Darsteller: | Alex Frost | als Alex | |
|---|---|---|---|
| Eric Deulen | als Eric | ||
| John Robinson | als John McFarland | ||
| Elias McConnell | als Elias | ||
| Jordan Taylor | als Jordan | ||
| Carrie Finklea | als Carrie | ||
| Nicole George | als Nicole | ||
| Brittany Mountain | als Brittany | ||
| Alicia Miles | als Acadia | ||
| Kristen Hicks | als Michelle | ||
| Bennie Dixon | als Benny | ||
| Nathan Tyson | als Nathan | ||
| Timothy Bottoms | als Mr. McFarland | ||
| Matt Malloy | als Mr. Luce | ||
| Ellis Williams | als Lehrer | ||
| Chantelle Chriestenson | als Noelle | ||
| Kim Kenney | als Sekretärin des Direktors | ||
| Marci Buntrock | als Sekretärin | ||
| Roman Otrovsky | als rothaariges Kind | ||
| Vana O'Brien | als Sportlehrerin | ||
| Regie: | Gus Van Sant | ||
| Drehbuch: | Gus Van Sant | ||
| Produzent: | Dany Wolf | ||
| Ausf. Produzent: | Diane Keaton | ||
| Bill Robinson | |||
| Kamera: | Harris Savides | ||
| Schnitt: | Gus Van Sant | ||
| Produktionsdesign: | Benjamin Hayden | ||
| Ton: | Felix Andrew | ||
| Casting: | Mali Finn | ||
| Danny Stoltz | |||
Die gegenseitigen Anfeindungen zwischen Franzosen und Amerikanern waren dieses Jahr ein großes Thema an der Côte d'Azur. Trotzdem zeigte sich die Jury um Thierry Fremaux mutig.
Denn mit "Elephant" sprach man einem Film die zwei wichtigsten Preise zu - die Goldene Palme und den Regiepreis - der noch Öl ins Feuer der nationalen Empfindlichkeiten bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes gießt.
Gus van Sants Drama wirft nämlich ein äußerst kritisches Licht auf die Zustände an amerikanischen Schulen und reiht sich ziemlich nahtlos in Michael Moores Waffen-Doku "Bowling for Columbine" ein. Und Moore ist in den USA nicht erst seit seiner Oscar-Rede ("Shame on you, Mr. Bush!") DIE Persona non grata.
Diese Entscheidung mag Menschen wie Harvey Weinstein, der im Vorfeld lautstark das fehlende Interesse der US-Filmer an den Festspielen von Cannes verkündete, ein Dorn im Auge sein. Dabei saß mit Meg Ryan immerhin auch ein Lieblingskind Hollywoods in der Jury.
Man darf jedenfalls ziemlich sicher sein, dass die Wellen der Entrüstung von der anderen Seite des Atlantiks bald mit gewohnter Heftigkeit an die Strände der Côte d'Azur branden werden.
Neben "Elephant" war der von der Arthouse-Kritik favorisierte türkische Beitrag "Uzak" von Nuri Bilge Ceylan ein weiterer großer Gewinner: Er wurde mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, zudem wurden die beiden Hauptdarsteller Muzaffer Ozdemir und Mehmet Emin Toprak mit dem Schauspielerpreis bedacht.
Durchsetzen konnte sich auch Denys Arcands Sterbehilfe-Drama "The Barbarian Invasion", das den Drehbuchpreis und den Darstellerinnenpreis für Marie-Josée Croze erhielt.
Die Camera d'Or für den besten Erstlingsfilm sicherte sich "Reconstruction", eine rauschhafte Parabel über die Folgen einer bedingungslosen Liebe.
Die von der Berlinale und den Oscars erfolgsverwöhnte Nicole Kidman musste diesmal dagegen völlig überraschend mit leeren Händen die Heimreise antreten: Der allgemein als Favorit gewertete "Dogville" von Lars von Trier konnte die Jury nicht überzeugen.
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