Moritz Bleibtreu
Christian Ulmen
Martina Gedeck
Regie: Oskar Roehler
Verleih: Constantin
Traumatisiert von der experimentierfreudigen Hippie-Mutter (Nina Hoss) haben die ungleichen Brüder Michael (Christian Ulmen) und Bruno (Moritz Bleibtreu) jeweils auf ihren eigenen Kriegspfad mit der Sexualität gefunden. So forscht Michael an einem renommierten Forschungsinstitut an Sex-freier Fortpflanzung, während Lehrer Bruno heimlich seinen Schülerinnen hinterher hechelt und doch nur im Puff zum Schuss kommt. Als dann aber beide auf die große Liebe treffen (Franka Potente und Martina Gedeck), könnte alles anders kommen.
Die Crème de la Crème des deutschen Schauspielwesens ist zur Stelle, wenn die Produzenten Bernd Eichinger und Oliver Berben den gleichnamigen Roman von Michel Houellebecq verfilmen.
Bernd Eichinger und Regisseur Oskar Roehler liefern mit einem Star-Ensemble den Beziehungsfilm des Jahres ab.
Zwei ungleiche Halbbrüder auf einer verzweifelten Suche im Gefühlsdschungel (Foto: Constantin)
"Der ultimative Film nach einem Wahnsinnsroman" - Regisseur Oskar Roehler bietet selbst die richtige Beschreibung seines "Elementarteilchen". 1998 hatte Michel Houellebecq mit dem schonungslosen Porträt einer beziehungsunfähigen und sexsüchtigen Gesellschaft für einen literarischen Skandal gesorgt und gleichzeitig einen Weltbestseller gelandet.
Roehler, der schon mit Filmen wie "Agnes und seine Brüder" meisterhaft von den Abgründen des Gefühls erzählt hat, setzt dieses Sittenbild nun kongenial um.
Seine tragischen Helden auf einer Odyssee der Emotionen sind die beiden Halbbrüder Michael und Bruno, die von den Eskapaden ihrer Hippiemutter traumatisiert wurden. Während sich der eine vereinsamt in seinem Job als Genforscher vergräbt, versucht der andere verzweifelt seine Sex-Obsessionen auszuleben.
Als beide endlich eine Partnerin finden, scheint auf einmal so etwas wie Liebe möglich. Aber dafür ist das Leben viel zu vertrackt und erbarmungslos ...
Fast zwangsläufig begeisterte dieser gnadenlose erotische Reigen auch Deutschlands renommiertesten Produzenten Bernd Eichinger ("Der Untergang"), der mit seinen Filmen selbst immer wieder die Grenzen der Konvention überschritt.
Und Eichinger fand mit Roehler nicht nur den idealen Filmemacher, sondern organisierte auch eine spektakuläre Besetzung - wie Franka Potente, Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu und Christian von Ulmen.
Ist obsessiver Sex der Ausweg aus der Beziehungswüste oder eine neue Sackgasse? (Foto: Constantin)
Ohne Scheu vor Tabus stürzt sich die junge Starriege - darunter auch Nina Hoss als Lotter-Mutter - in ein Labyrinth aus Lust, Hoffnung und Verzweiflung.
Schon allein dieses Ensemble macht "Elementarteilchen" zu dem deutschen Film-Ereignis dieses Frühjahrs. Kitschige Romantik mit zuckersüßem Happy End gibt es darin nicht, aber dafür eine Überdosis an ehrlichem, echten Gefühl. Und genau das ist ein Grund, ins Kino zu gehen.
Seine 180-Grad-Wendungen sind berüchtigt: Der Regisseur Oskar Roehler möchte sich mit seinen Filmen auf keine Richtung festlegen lassen. Zuletzt machte er mit dem Drama "Agnes und seine Brüder" auf sich aufmerksam, nun bringt er Michel Houellebecqs Bestseller "Elementarteilchen" auf die Leinwand.
» Sie haben bei der Adaption von Houellebecqs Roman "Elementarteilchen" Mut zur Lücke bewiesen. Dem Film tut dies gut, manche Leute aber irritiert es.
OSKAR ROEHLER: Das ist ein Kritikpunkt, den ich nicht akzeptieren kann und den ich sehr dogmatisch finde. Ein Roman ist ein Roman und ein Film ist ein Film. Wie langweilig wäre es gewesen, das Buch eins zu eins umzusetzen. In einem Film muss man direkter sein, kann nicht so weit ausholen.
Man muss sich auch überlegen, ob man Houellebecqs These des Romans wirklich teilen möchte. Für ihn bahnt sich eine Zivilisationskatastrophe an und sein Lösungsansatz lautet: Die Menschheit muss geklont werden, um sich ohne Sexualität fortpflanzen zu können. Das ist eine Theorie, die ich nicht teile. Mich interessierten die Figuren der beiden Männer in "Elementarteilchen". Aber ich wollte sie nicht als zum Scheitern verurteilte biologische Roboter darstellen.
Wagte sich an den Skandalroman von Michel Houellebecq: Oskar Roehler (Foto: Kurt Krieger)
» "Elementarteilchen" wirkt wie Ihr bis dato reifster Film, möglicherweise auch Ihr kommerziellster. Liegt das am Produzenten Bernd Eichinger?
Nein. Man könnte mir vorwerfen, dass der Film nicht radikal genug ist. Ich wollte jedoch weder explizite Sexszenen zeigen, noch die Leute desillusionieren. Diese Entscheidung hat aber nichts mit Bernd Eichinger zu tun. Er ist eine große Persönlichkeit, das heißt allerdings nicht, dass man sich ihm unterordnen müsste.
Es war für mich ein Wagnis, einmal einen einigermaßen kommerziellen Weg zu beschreiten. Aber ich bin eben kein Dogmatiker: Ich will nicht vorschreiben, dass meine Filme hart sein müssen.
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