Ausgerechnet die Tochter eines Kommissars stolpert im Hamburger Nobelhotel über die Leiche eines Sängers. Der junge Mann, Mitglied einer Boygroup, war der angesagteste Teenie-Schwarm im ganzen Land, soll sich aber immer wieder an seinen jungen weiblichen Fans vergriffen haben. Als Täter kommen somit eine Menge erzürnter Väter in Frage. Dabei war der Tote schwul. Den Zorn der Väter hätte diese Nachricht vielleicht nicht gemildert, aber sie wäre das Ende der Band gewesen.

Da liegt er nun tot im eigenen Blut, der kleine Kronprinz, und wird nie ein König werden. "Klonprinz" wäre allerdings treffender, denn gemeinsam mit seinen nicht minder jungen Kollegen war der schmucke Bursche ein reines Kunstprodukt: Als Boy-Group "Die Kronprinzen" brachten sie in ausverkauften Hallen Mädchen dazu, sich in Ohnmacht zu kreischen. Damit ist nun Schluss. Es gibt noch ein Abschiedskonzert für den toten Jamie, dann wird sich die Band sehr zum Kummer ihres Managers auflösen. Weil dieser Frantzen aber von Ralph Herforth verkörpert wird, ist ohnehin klar, dass es dem Kerl stets nur ums eigene Wohl gegangen sein dürfte. Bei der Suche nach Jamies Mörder hilft das allerdings zunächst nicht weiter: Der Sänger ist im Hotelzimmer mit dem Kopf gegen einen Tisch geschlagen, doch das Genick wurde ihm erst später gebrochen. Der Verdacht liegt nahe, dass ein zorniger Vater Rache genommen hat, schließlich behaupteten gleich mehrere junge Mädchen, Jamie sei der Vater ihres ungeborenen Kindes. Tatsächlich hat sich ein alleinerziehender Landwirt (Peter Kurth), der das Haus nur mit Flinte verlässt, nachts im Hotel rumgetrieben. Dabei könnte Jamie, wenn er noch lebte, glaubhaft versichern, dass er als Vater gar nicht in Frage kommt: Seine Liebe galt allein einem Zimmerkellner (René Ifrah).
Mag sein, dass "Mord nach Mitternacht" als Krimi gewisse Schwächen hat, aber als Film über das Musikbusiness ist diese Folge von "Einsatz in Hamburg" hochinteressant, zumal sie immer wieder aus Sicht eines jungen Mädchens erzählt wird. Die Figur des zynischen Managers Frantzen ist sicher etwas klischeehaft ausgefallen, doch im Prinzip repräsentiert er exakt jene Mechanismen, nach denen das Geschäft funktioniert. Noch hemmungsloser haben sich die Autoren Charles Lewinsky und Walter Weber (Letzterer hat den Film auch inszeniert) einen Journalisten gebastelt: Hinnerk Schönemann spielt einen typischen "Witwenschüttler", der für eine gute Story locker über Leichen geht. Allerdings bleibt lange offen, ob der rasende Reporter nicht auch in den Fall verwickelt ist. Kommissarin Jenny Berlin (Aglaia Szyszkowitz) jedenfalls ist der Typ nicht minder zuwider als der abstoßende Frantzen. Um so interessanter ist das Finale, denn darin sind beide verwickelt. tpg.
| Darsteller: | Aglaia Szyszkowitz | als Jenny Berlin | |
|---|---|---|---|
| Hannes Hellmann | als Hauptkommissar Wolfer | ||
| Rainer Strecker | als Kommissar Brehm | ||
| Thomas Schendel | als Polizeipräsident Kästner | ||
| Victoria Trauttmansdorff | als Dr. Dunkel | ||
| Hinnerk Schönemann | als Hellfritz | ||
| Ralph Herforth | als Frantzen | ||
| Bruno Bruni | als Jamie | ||
| Jacob Weigert | als Arnie | ||
| Tobias Galke | als Jeff | ||
| Joel Knoch | als Stuart | ||
| Jennifer Ulrich | als Anna May | ||
| René D. Ifrah | als Tonio Förster | ||
| Peter Kurth | als Franz Meerwald | ||
| Hanna Bredow | als Marlene Meerwald | ||
| Jana Kozewa | als Krankenschwester | ||
| Regie: | Walter Weber | ||
| Drehbuch: | Charles Lewinsky | ||
| Produzent: | Jutta Lieck-Klenke | ||
| Kamera: | Volker Tittel | ||
| Schnitt: | Angelika Sengbusch | ||
| Musik: | Fabian Römer | ||
| Produktionsdesign: | Naomi Schenck | ||
| Kostüme: | Fana Becker | ||
| Maske: | Margrit Baxmann | ||
| Ton: | Jörg Krieger | ||
| Casting: | Rebecca Gerling | ||
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