Drama über ein junges peruanisches Mädchen, dem durch die Milch ihrer während der Schwangerschaft misshandelten Mutter eine rätselhafte Krankheit übertragen wird. http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz39/z0939504/b150x150.jpg Eine Perle Ewigkeit

Filmdetails

Eine Perle Ewigkeit

Drama über ein junges peruanisches Mädchen, dem durch die Milch ihrer während der Schwangerschaft misshandelten Mutter eine rätselhafte Krankheit übertragen wird.


Eine Perle Ewigkeit
Start: 05.11.2009

Originaltitel: La Teta Asustada

Drama

Spanien/Peru 2008
Laufzeit: 97 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Magaly Solier
Susy Sanchez
Efrain Solis

Regie: Claudia Llosa
Verleih: Neue Visionen

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Inhalt

Die Mutter singt im Sterben vom unbeschreiblichen Leid, das sie während des Bürgerkriegs erleiden musste und das sie durch die Muttermilch an ihre Tochter Fausta weitergab. Die ist inzwischen zwar fast erwachsen, traut sich aber nicht allein auf die Straße und hat sich aus Angst vor Vergewaltigung eine Kartoffel in die Vagina gesteckt. Fausta nimmt eine Arbeit als Hausmädchen bei einer reichen Pianistin an, um mit dem verdienten Geld ihre Mutter im Heimatdorf beerdigen zu können. Doch statt sie zu entlohnen stiehlt die Frau Fausta ihre Melodien.


Kritik

Eine Perle Ewigkeit

Der peruanische Überraschungssieger der Berlinale erzählt von einer jungen Frau und ihrer Trauerverarbeitung, den Traumata des nationalen Terrors und den tiefen Verwundungen der Seele.

Auf den ersten Blick wirkt "La teta asustada" ("The Milk of Sorrow") exotisch, aber der Film ist mehr als eine ethnografische Exkursion, auch wenn es sich um eine in Peru verbreitete und rätselhafte "La Teta Asustada" genannte Krankheit handelt und die daraus resultierenden psychischen Schäden. Dem Volksglauben nach haben die darunter leidenden Menschen durch einen bösen Geist ihre Seele verloren und müssen sie durch Rituale wiedergewinnen. Anthropologische Studien ergaben einen Zusammenhang von Sexualität und körperlichen Symptomen. Kurz vorm Sterben singt Faustas Mutter von toten Penissen und dem endlosen Grauen, das sich in den Köpfen eingenistet hat und nie verschwindet. Die Jahre von 1970 bis 1990 waren die dunkelsten in der Geschichte Perus, tausende von Frauen wurden Opfer des Krieges zwischen der Terrororganisation "Leuchtender Pfad" und der Regierung, sie schwiegen und litten. Fausta gehört zu den Kindern, die Vergewaltigung und Misshandlung ihrer Mütter im Mutterleib erlebten und sich nicht in der Normalität zurechtfinden, Nähe und Beziehungen fürchten. Jetzt wird sie mit ihren geheimsten Ängsten konfrontiert, zum Schutz gegen die Außenwelt steckt sie sich eine Kartoffel in die Vagina. Über ihre Krankheit kann sie nicht sprechen, sondern nur singen. Die junge Frau lebt bei ihrem Onkel in einem Vorort von Lima, in der Nachbarschaft wundert sich niemand über ihr Nasenbluten oder ihre Ohnmachten, hat sie doch die "Milch des Leids" getrunken. Das psychoanalytische Geraune mutet für die europäische Ratio seltsam an, passt aber in den Kontext des hier ausgebreiteten magischen Realismus. Magaly Solier, von Regisseurin Claudia Llosa für deren Debütfilm "Madeinusa" auf einem Marktplatz entdeckt, trägt den rhythmisch langsamen Film in großer Ruhe und kleiner Mimik, allerdings ist die schwarz-weiß Zeichnung der Klassen klischeebehaftet und nicht jeder möchte mit ansehen, wie Fausta die nachwachsenden Triebe der Kartoffel abschneidet. Die Heimreise mit der Toten durch das weite Land wird zur inneren Reise, an deren Ende Erlösung steht. Vor finalem Trübsinn retten Alltagsszenen wie fröhliche Sammelhochzeiten oder die unterhaltsame Auswahl eines bunten Sarges. Tod und Lebensfreude gehören zusammen. mk.

Eine Perle Ewigkeit

Darsteller:  Magaly Solier   als Fausta
  Susy Sanchez   als Mrs. Aída
  Efrain Solis   als Noe
  Marino Ballon   als Tío Lúcido
  Antonio Prieto   als Hijo de Aída
  Bárbara Lazón   als Perpétua
  Karla Heredia   als Severina
  Delci Heredia   als Tante Carmela
  Anita Chaquiri   als Großmutter
 
Regie:  Claudia Llosa  
Drehbuch:  Claudia Llosa  
Produzent:  Claudia Llosa  
  Antonio Chavarrías  
  José María Morales  
Kamera:  Natasha Brier  
Schnitt:  Frank Gutiérrez  
Musik:  Selma Mutal Vermeulen  
Produktionsdesign:  Susana Torres  
Maske:  Luziana Salomon  

Sensations-Bär für Peru und "Alle Anderen"

Das sprengte jeden Rahmen...

Großansicht "Alle anderen": Zank im Urlaub, humorvoll inszeniert und bärenwürdig! (Foto: Prokino)

"Alle anderen": Zank im Urlaub, humorvoll inszeniert und bärenwürdig! (Foto: Prokino)

Der Goldene Bär bei der 59. Berlinale ging überraschend an das experimentelle peruanische Doku-Drama "La Teta Asustada" über eine Frau mit einer mysteriösen, mit der Muttermilch übertragenen Krankheit. Großer Gewinner war die Komödie "Gigante" über einen dicklichen Supermarkts-Wachmann, der eine Putzfrau anhimmelt. Der Film aus Argentinien, Uruguay und Deutschland wurde gleich dreifach gewürdigt, unter anderem mit dem Großen Preis der Jury, den er sich mit der zweifach ausgezeichneten Beziehungsdramödie "Alle Anderen" über Pärchenzank im Urlaub teilte.

Die emotionalsten Momente bei der von Katrin Bauerfeind moderierten Preisverleihung gehörten den Schauspielern. Der Gewinner des Silbernen Bären für seine Performance in Rachid Boucharebs "London River" hatte die längste Redezeit: Sotigui Kouyaté erzählte gewitzt drei Geschichten. Birgit Minichmayr, Bären-Gewinnerin für "Alle Anderen", zeigte sich ebenfalls sehr gerührt und die Hauptdarstellerin von "La Teta Asustada", Magaly Solier, bedankte sich gar singend und auf Ketschua. Jurypräsidentin Tilda Swinton kündigte die Jurypreis-Gewinner souverän auf deutsch an.

Gute Nachrichten für den Todesboten

Den Silbernen Bären für die Regie erhielt der iranische Filmemacher Asghar Farhadi für sein Drama "Darbareye Elly", den Silbernen Bären für das beste Drehbuch "The Messengers", in dem Woody Harrelson Todesnachrichten im Irak gefallener US-Soldaten überbringt. Darsteller Ben Foster nahm den Preis für den abwesenden Regisseur und Drehbuchautor Oren Moverman entgegen. Als Bester Erstlingsfilm wurde "Gigante" geehrt.

Insgesamt wurde also - wie von der Jury zuvor angekündigt - insbesondere das politische Kino gewürdigt. Und wie in den letzten Jahren triumphierten Beiträge aus Lateinamerika. Aber auch das deutsche Kino kam nicht zu kurz: Unter den deutschen Preisträgern ist Hans-Christian Schmids "Sturm" über das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, der mit dem Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater, dem Amnesty International Filmpreis und dem Leserpreis der "Berliner Morgenpost" ausgezeichnet wurde.

Aller Klagen über einen schwachen Wettbewerb zum Trotz verzeichnete das Festival mit 270.000 verkauften Tickets einen Besucherrekord. Der gelang vor allem dank der neuen, großen Location, dem Friedrichstadtpalast.

Top-Filme der Woche

  • Men in Black 3

    Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.

  • LOL

    Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.

 

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