Originaltitel: Mapa de los sonidos de Tokyo
Spanien 2009
Rinko Kikuchi
Sergi Lopez
Min Tanaka
Regie: Isabel Coixet
Verleih: Alamode (24 Bilder)
Nachts schlägt sich Ryu als Arbeiterin im Fischmarkt von Tokio herum. Niemand ahnt, dass sie sich als Auftragskillerin ein paar Yen dazuverdient. Der mächtige Mr Nagara trauert um seine Tochter Midori und gibt dem spanischen Weinhändler David die Schuld an ihrem Selbstmord. Sein Angestellter Ishiru war insgeheim in Midori verliebt und heuert Ryu an, David zu töten. Zufällig wird ein Toningenieur, der eine geheime Faszination für Ryu hegt, mit in die Geschichte hineingezogen.

Nichts ist wie es scheint bei Isabel Coixet, die eine Liebesgeschichte erzählt und einen Noir-Krimi. Um Worte und Bilder geht es und vor allem um Japans Hauptstadt.
Eine nächtliche Bootsfahrt unter den Brücken von Tokio. Sanfte Musik. Später wird dann mehrfach die japanische Variante von Édith Piafs "La vie en rose" zu hören sein. Den Bildern ist hier ebenso wenig zu trauen wie der Musik. Vielleicht hat Isabel Coixet deshalb auch für ihre Eröffnung gleich eine eher ungewöhnliche Perspektive auf die japanische Metropole gewählt. Neongleißende Hochhäuser stehen neben alten Tempeln und Friedhöfen, regennass schimmern Straßen und Plätze, donnernd kreuzt die U-Bahn das Wasser. Dann eine Stimme aus dem Off: "Es gibt nicht einen Tag, an dem ich nicht an Ryus Atmen denke."
Ein alter Mann erinnert sich. Er wird namenlos bleiben, aber immer wieder auftauchen. Er ist Toningenieur, nimmt Geräusche auf. Fürs Fernsehen sagt er, nur manchmal fürs Kino. Stimmen seiner Heimatstadt, die er dem Zuschauer auf diese Weise erschließt. Töne und Bilder ergeben "Eine Karte der Klänge von Tokio". Zuerst hört man Ryu - eindringlich gespielt von der Oscar-nominierten Rinko Kikuchi ("Babel") - wie sie ihre Nudelsuppe schlürft. Dann sieht man sie bei der Arbeit auf dem Fischmarkt, wie sie riesige Thunfische zerlegt. Das ist ihr Nachtjob, tagsüber arbeitet sie als Auftragskillerin.
Vielschichtig ist Coixets Film, in dem es trotz aller Handlung eigentlich um Japan geht, um eine Stadt voller Rätsel und Rituale - und wie ein europäischer, in diesem Fall spanischer Blick, diese zu deuten sucht. Japan ist ein "Reich der Zeichen", der Traditionen und ungeschriebenen Gesetze. Die Fremden, das Fremde, fällt hier auf, so einer wie David (Sergi López), der einen Weinhandel betreibt. Der reiche Geschäftsmann Nagara macht ihn für den Selbstmord seiner Tochter Midori verantwortlich. Dafür soll David sterben. Ryu wird auf ihn angesetzt - und verliebt sich in ihn - eine Liebesgeschichte jenseits aller Regeln.
Vertrackt wie der Titel präsentiert sich die ganze Arbeit. Der Zusammenhalt fehlt, was wiederum den Moloch Tokio perfekt widerspiegelt. Um die Symbiose von Liebe und Tod ging es zuletzt bei "Elegy", Coixets Verfilmung von Philip Roths Bestseller "Das sterbende Tier". Um Liebe und Tod geht es auch hier und vor allem um zu wenig Kommunikation. Ryu und David sind ein ausgebranntes Paar, das sich im Liebeshotel trifft, in einem Zimmer, das wie eine Pariser U-Bahn-Station ausgestattet ist. Viel nacktes Fleisch gibt es zu sehen, gleich zu Beginn etwa in einer "Nyotaimori"-Szene, wo auf einem Frauenkörper Sushi angerichtet ist. Fremd ist der Kulturkreis, fremd ist die Atmosphäre. Wong Kar-wai lässt mit "In the Mood for Love" grüßen und aus dem Noir-Krimi entspringt eine femme fatale, die sich gegen das Gesetz des Genres in ihr Opfer verliebt und dafür büßt. "Eine Karte der Klänge von Tokio" ist ein Film, der alle Sinne anspricht und sich einem dennoch nie ganz erschließt. "Lost in Translation", derweilen Sergi López "Enjoy the Silence" singt. geh.
| Darsteller: | Rinko Kikuchi | als Ryu | |
|---|---|---|---|
| Sergi Lopez | als David | ||
| Min Tanaka | als Narrador | ||
| Manabu Oshio | als Yoshi | ||
| Takeo Nakahara | als Nagara | ||
| Hideo Sakaki | als Ishida | ||
| Jun Matsuo | als Pukka | ||
| Regie: | Isabel Coixet | ||
| Drehbuch: | Isabel Coixet | ||
| Produzent: | Jaume Roures | ||
| Ausf. Produzent: | Javier Méndez | ||
| Kamera: | Jean-Claude Larrieu | ||
| Schnitt: | Irene Blecua | ||
| Kostüme: | Tony Crosby | ||
| Ton: | Aitor Berenguer | ||
| Fabiola Ordoyo | |||
| Marc Orts | |||
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