Originaltitel: Once I Was
Israel 2010
Tuval Shafir
Adir Miller
Tom Gal
Regie: Avi Nesher
Verleih: Bildkraft
Für den Teenager Arik beginnt eine aufregende Zeit in der israelischen Hafenstadt Haifa, als im Sommer 1968 Yankele aufkreuzt, ein alter Freund und Leidensgefährte seines Vaters. Denn einerseits bringt eine rebellische Cousine aus Amerika die konservativen Sitten ins Wanken und die Hormone der Nachbarschaft in Wallung. Zum anderen nimmt Arik einen Ferienjob als Spürhund für Yankeles halbseidene Partnervermittlungsagentur an. Dabei taucht er tief ein in die mysteriöse Welt der Erwachsenen - und die der Holocaust-Überlebenden, zu denen auch sein Vater gehört.

Bittersüßes wie tragikomisches Coming-of-Age-Drama, das ein nostalgisch-reifes Zeitporträt entwirft und von Leben und Liebe, aber auch dem Schatten der Shoah erzählt.
Obwohl Avi Nesher früh als einer der einflussreichsten israelischen Filmemacher galt, durfte er nach seiner Migration nach Hollywood lediglich B-Movies inszenieren. Nach seiner Rückkehr in die Heimat stellt er mit "Ein Sommer in Haifa" nach dem Roman "When Heroes Fly" abermals seine Klasse unter Beweis - gelingt ihm doch mit leichter Hand ein vielschichtiges Portrait des Sommers 1968, einer Zeit zwischen Narben des Holocaust und Aufbruch in die sexuelle Revolution, verpackt als unbeschwerte, aber komplexe Jugenderinnerung.
Dieses Coming-of-Age diffundiert fast zu einem Ensemble-Stück, das als Sittengemälde, als ein Gesellschaftsbildnis von unten funktioniert, ohne seine Figuren aus dem Auge zu verlieren. Damit bleibt das präzise, auch in komischen Szenen nie überzeichnete Panoptikum menschlich und anrührend, dem mitunter traurigen, aber nie melodramatischen Schicksalen verpflichtet. Und es bewahrt seinen Sinn für die Magie jenes Sommers, in der Teenager Arik (Tuval Shafir) heranreift und durch einen zwielichtigen Ferienjob die Welt der Erwachsenen erforscht. Der mysteriöse Heiratsvermittler Yankele (Adir Miller), Spezialist für schwierige Fälle, spannt den begeisterten Pulp-Geschichten-Leser als Spion in sein halbseidenes Geschäft ein. Als Holocaust-Überlebender wie Ariks Vater will er jene Traumata überwinden, über die kein Überlebender zu sprechen vermag. Auch die kleinwüchsige Besitzerin des Kinos im schäbigen Hafenviertel, wo Yankeles Büro liegt und die traumhaft schöne Clara (grandios wie immer: Maya Dagan) tragen dieses dunkle Geheimnis in sich und müssen mit bösartigen Vorurteilen der ignoranten Bevölkerung leben.
Spione und Denunzianten sind nicht von ungefähr Akteure in einem klugen Kommentar zu Lüge und Wahrheit, in dem ein Junge versucht, sich seinem Vater anzunähern, eine Reifeprüfung durch seine zärtliche Cousine erfährt und gemeinhin in Angelegenheiten verwickelt wird, die einen handfesten moralischen Kompass erfordern. Mit bittersüßer Wehmut folgt Nesher einer ungewöhnlichen Freundschaft, nutzt diese Zeit der Verwirrung auch als Zitatenschatz, der Anita Ekbergs Brunnenbad und das Cinema Paradiso variiert, und offenbart viele Rätsel als schlichte Versuche, mit Liebe die Vergangenheit zu überwinden.
tk.
| Darsteller: | Tuval Shafir | als Arik Burstein, jung | |
|---|---|---|---|
| Adir Miller | als Yankele Braid | ||
| Tom Gal | als Benny Abadi | ||
| Dror Keren | als Meir der Bibilothekar | ||
| Neta Porat | als Tamara | ||
| Maya Dagan | als Clara Epstein | ||
| Bat-El Papura | als Sylvia | ||
| Dov Navon | als Yozi Burstein | ||
| Yarden Bar-Kochba | als Nili Burstein | ||
| Tair Leah Arad | als Michal Abadi | ||
| Ben Kipris | als Yoram | ||
| Yarden Bar Kochva | als Nili Burstein | ||
| Yael Leventhal | als Tikva Abadi | ||
| Kobi Farag | als Moshe Abadi | ||
| Eli Yatzpan | als Onkel Nadgi | ||
| Aharon Zilberberg | als Yonel | ||
| Eyal Shechter | als Arik Burstein | ||
| Yaacov Bodo | als Segalson | ||
| Regie: | Avi Nesher | ||
| Drehbuch: | Avi Nesher | ||
| Ausf. Produzent: | Chilik Michaeli | ||
| Ishay Mor | |||
| Avi Nesher | |||
| David Silber | |||
| Buchvorlage: | Amir Gutfreund | ||
| Kamera: | Michel Abramowicz | ||
| Schnitt: | Isaac Sehayek | ||
| Musik: | Philippe Sarde | ||
| Produktionsdesign: | Miguel Markin | ||
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