Packender Gefängnisthriller über den Aufstieg eines 18-jährigen arabischen Jungen vom unbedarften Analphabeten zum Drogendon. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto06/10060209/b150x150.jpg Ein Prophet

Filmdetails

Ein Prophet

Packender Gefängnisthriller über den Aufstieg eines 18-jährigen arabischen Jungen vom unbedarften Analphabeten zum Drogendon.


Ein Prophet
Start: 11.03.2010

Originaltitel: Un prophète

Drama / Kriminalfilm

Frankreich/Italien 2009
Laufzeit: 155 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Tahar Rahim
Niels Arestrup
Adel Bencherif

Regie: Jacques Audiard
Verleih: Sony Pictures

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Inhalt

Malik El Djebena ist 18 Jahre alt und Analphabet, als er zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wird. Im Gefängnis ist er als einer der Jüngsten völlig auf sich allein gestellt. Von César, dem Anführer einer Gang der korsischen Mafia, die den Knast kontrolliert, wird Malik gezwungen, wiederholt Missionen zu erledigen und seinen ersten Mord zu begehen. Schnell lernt er dazu und gewinnt das Vertrauen der Korsen. Gleichzeitig arbeitet der Junge in die eigene Tasche und baut seinen eigenen Drogenring auf.


Kritik

Ein Prophet

Mit seinem kompromisslosen Knastepos über einen 18-Jährigen in den Fängen der Korsenmafia zementiert Jacques Audiard seinen Ruf als Meister des Genrekinos

Aufgrund des Titels mutmaßten Kritiker, Jacques Audiard könne sich in seinem Gefängnisfilm an den vier Stufen des Wegs des Propheten Mohammed (Kampf, Überleben, Wille, Eroberung) orientiert haben, dabei predigt der Mann exklusiv und ausschließlich am Altar des Kinos: Audiards Vorliebe für das amerikanische Genrekino der Siebzigerjahre ist wohl dokumentiert - so wie seine Vorgänger Duvivier, Melville und Clouzot Inspiration aus dem amerikanischen Gangsterfilm eines Hawks oder Walsh bezogen und auf französische Verhältnisse übertrugen, verleihen ihm die Frühwerke Scorseses und Coppolas Flügel: Sein "Der wilde Schlag meines Herzens" war ein Remake von James Tobacks "Finger - Zärtlich und brutal" aus dem Jahr 1978 und eine Verbeugung vor dem eurozentrischen Kino des New Hollywood. So darf man denn auch den qualitativen Quantensprung, den der Sohn des legendären Drehbuchautoren Michel Audiard mit seiner fünften Arbeit als Filmregisseur macht, mit einem entsprechenden Vergleich werten: Wenn "Der wilde Schlag meines Herzens" sein persönlicher "Hexenkessel" war, so ist "Ein Prophet", obwohl die Geschichte selbst eher der des Michael Corleone in "Der Pate" gleicht, Audiards ganz eigener "GoodFellas" - ein mit allen Wassern des Genrefilms gewaschenes und in der Geschichte des Kinos verankertes Meisterwerk, das einen von der ersten Minute packt und die nächsten 150 Minuten nicht mehr loslässt. Kino pur direkt an der Schnittstelle von elektrisierendem Kintopp und intellektuellem Arthouse, sozialem Realismus streng verpflichtet, aber immer bereit zu Freiflügen der Fantasie.

Simpel mutet die Geschichte an, die zunächst dem Regelwerk eines konventionellen Knastfilms folgt und von Malik erzählt, ein minderjähriger arabisch-französischer Achtzehnjähriger, der wegen einer nicht weiter benannten Dummheit zu sechs Jahren Knast verurteilt und von der korsischen Mafia für Dienste eingespannt wird. Alsbald verlässt der Film die ausgetretenen Pfade und entwickelt sich zu einem überaus komplexen Krimiepos: Wie der Junge sich zwischen den vereinzelten Gangsterfraktionen behauptet und selbst einen gut funktionierenden Drogenring aufbaut, erzählt Audiard mit einem Höchstmaß an Konzentration und absolutem Vertrauen in das eigene Können. Kommt einem ein Versatzstück auch noch so bekannt vor, Audiard findet immer eine spektakuläre Art, es neu und aufregend wirken zu lassen. Nach dem ersten Mord im Auftrag des korsischen Dons César Luciani (von Audiard-Regular Niels Arestrup als eine jener monströser Übervaterfiguren gespielt, mit denen die Filme des Regisseurs gespickt sind) an einem arabischen Mitinsassen - mit einer Hochspannung und Brutalität inszeniert, dass Michael Mann vor Neid erblassen würde - wird er wiederholt von dessen Geist besucht: Beginn einer Entdeckungsreise zu den eigenen Wurzeln, die zu dem gefährlichen Doppelspiel Maliks führt. Wiederholte Explosionen von Gewalt im Gefängnis oder später auf Freigängen bei einem verkorksten Überfall oder einer fatalen Autofahrt lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Malik stets in Lebensgefahr ist. Doch bei aller Härte verliert der Film nie aus den Augen, dass er von einer verlorenen Unschuld erzählt, was zu einem bewegenden Schlussbild zu den Klängen von "Mack the Knife" in einer Version von Jimmie Dale Gilmore führt, das Audiards Themen mit resigniertem Galgenhumor zusammenfasst: All das Taktieren und Morden waren für die Titelfigur nur Mittel zum Zweck, sich die eigene Jugend zu bewahren. Beeindruckend die darstellerische Leistung des charismatischen Newcomers Tahar Rahim, zärtlich und brutal zugleich, ein abgebrühter Killer, der nur Überleben kann, weil er bereit zu lernen ist, und doch ein ganz normaler Junge, der seine kindliche Freude über seine erste Reise in einem Flugzeug nicht verhehlen kann. Beim Kritiker-Poll des Filmmagazins Sight & Sound wurde "Ein Prophet" zum Film des Jahres 2009 gewählt. Die Damen und Herren wissen, wovon sie sprechen. ts.

Ein Prophet

Darsteller:  Tahar Rahim   als Malik
  Niels Arestrup   als César Luciani
  Adel Bencherif   als Ryad
  Reda Kateb   als Jordi
  Hichem Yacoubi   als Reyeb
  Jean-Philippe Ricci   als Vettori
  Gilles Cohen   als Prof
  Antoine Basler   als Pilicci
  Leïla Bekhti   als Djamila
  Pierre Leccia   als Sampierro
  Foued Nassah   als Antaro
  Jean-Emmanuel Pagni   als Santi
 
Regie:  Jacques Audiard  
Drehbuch:  Jacques Audiard  
  Thomas Bidegain  
Produzent:  Martine Cassinelli  
Buchvorlage:  Nicolas Peufaillit  
Kamera:  Stéphane Fontaine  
Schnitt:  Juliette Welfling  
Musik:  Alexandre Desplat  
Produktionsdesign:  Michel Barthélémy  
Kostüme:  Virginie Montel  
Ton:  Brigitte Taillandier  
  Francis Wargnier  
  Jean-Paul Hurier  
  Marc Doisne  
Casting:  Richard Rousseau  

Oscar-Nominierungen: "Avatar"-Dreikampf, "Das weiße Band" und Christoph Waltz

Blau ist zwar an der Kinokasse die absolut dominante Farbe, bei den Nominierungen zum wichtigsten Filmpreis gibt's aber einen harten Konkurrenten.

Großansicht Von der Academy neun Mal gewürdigt: "Avatar - Aufbruch nach Pandora (Foto: Fox)

Von der Academy neun Mal gewürdigt: "Avatar - Aufbruch nach Pandora (Foto: Fox)

Bei uns war das Irakkriegs-Drama "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" zwar nur mäßig erfolgreich, aber bei den Oscars ist es mit neun Nominierungen der große Rivale des SciFi-Krachers "Avatar - Aufbruch nach Pandora", der ebenfalls neun Oscar-Chancen hat. Damit kommt es bei der Verleihung am 8. März zum Showdown eines Ex-Ehepaars: "Avatar"-Regisseur James Cameron und "Kommando"-Macherin Kathryn Bigelow waren einst verheiratet und sind nun beide für den besten Film und die beste Regie nominiert.

In die Suppe spucken könnte ihnen allerdings Academy-Querulant Quentin Tarantino, dessen "Inglourious Basterds" mit acht Oscar-Chancen dicht dahinter liegt. Auch Tarantino ist in den Königskategorien Bester Film und Beste Regie nominiert. Wie von allen Experten vorhergesagt, ist dabei auch Christoph Waltz als bester Nebendarsteller berücksichtigt worden - sein Sieg gilt als ziemlich sicher.

In der Kategorie Bester Film wurden erstmals seit 1939 wieder statt fünf nun zehn Filme nominiert. So fanden neben "Avatar", "Tödliches Kommando" und den "Inglourious Basterds" auch kleinere Filme wie das Liebesdrama "An Education", das recht Experimentelle SciFi-Juwel "District 9" und mit "Oben" sogar ein Animationsfilm Berücksichtigung. Außerdem sind nominiert das Football-Drama "Blind Side - Die große Chance", "Up in the Air" mit George Clooney, die harte Romanverfilmung "Precious - Das Leben ist kostbar" sowie der neue Coen-Film "A Serious Man".

Bei den Hauptdarstellern ist Jeff Bridges in der Rolle als versoffener Country-Sänger in "Crazy Heart" der klare Favorit. Sein härtester Gegner ist wohl George Clooney als vielfliegender Entlassungsexperte auf Sinnsuche in "Up in the Air". Der sensible Film heimste insgesamt sechs Nominierungen ein - diese aber alle in wichtigen Kategorien wie Bester Film, Regie (Jason Reitman) und Hauptdarsteller. Dazu sind außerdem gleich beide Nebendarstellerinnen Vera Farmiga und Anna Kendrick nominiert. Ansonsten haben bei den Herren Jeremy Renner aus "Tödliches Kommando", Colin Firth als schwuler Professor in "A Single Man" und Morgan Freeman als der große Nelson Mandela in "Invictus - Unbezwungen" Chancen.

 
Bilder und Trailer der Oscar-Nominierten

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Großen Jubel gab's in den Sälen der Academy über die Nominierung von Sandra Bullock als beste Hauptdarstellerin im Football-Drama "Blind Side - Die große Chance". Gabourey 'Gabby' Sidibe spielt im Drama "Precious - Das Leben ist kostbar" als misshandelte übergewichtige Schwarze groß auf und gilt ebenfalls als aussichtsreiche Kandidatin. Wie immer ist auch Meryl Streep unter den Oscar-Anwärterinnen, ihr Auftritt als Koch-Ikone in "Julie & Julia" könnte ihr auch tatsächlich den nächsten Goldjungen bescheren. Außenseiterchancen dürfen sich Carey Mulligan als 16-Jährige machen, die in der Nick-Hornby-Verfilmung "An Education" einem wesentlich älteren Liebhaber verfällt, sowie Helen Mirren in der Tolstoi-Hommage "Ein russischer Sommer".

Erneut zeigt sich, wie wichtig der Academy die Regie-Arbeit ist, denn alle nominierten Filmemacher wurden auch in der Königskategorie Bester Film berücksichtigt: Cameron für "Avatar", Bigelow für "Tödliches Kommando", Reitman für "Up in the Air", Tarantino für "Inglourious Basterds" und Lee Daniels für "Precious - Das Leben ist kostbar".

Als bester Animationsfilm wird wohl "Oben" ausgezeichnet werden, der vier weitere Nominierungen einheimsen konnte - erstaunlicherweise auch die als Bester Film, was ein absolutes Oscar-Novum darstellt! Die Konkurrenten "Der fantastische Mr. Fox", "Coraline", "Küss den Frosch" (hier sind gleich zwei Songs nominiert) und "The Secret of Kells" werden daher wohl das Nachsehen haben.

Michael Haneke darf nach dem Triumph bei den Filmfestspielen in Cannes mit "Das weiße Band" auch auf den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film hoffen. Schärfster Konkurrent ist vermutlich die französische Eingabe "Ein Prophet".

Verkündet hat die Nominierungen mit viel Charme und Witz Anne Hathaway, die Verleihung selbst wird am 8. März von Steve Martin und Alec Baldwin moderiert - zum ersten Mal seit 1987 gibt es also wieder ein Duett, wenn es heißt: "And the Oscar goes to..."

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Niels Arestrup

Französischer Schauspieler, Regisseur und César-Preisträger. Gleichermaßen als Film- und Theaterschauspieler, sowie seit 1988 als Leiter...

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