Originaltitel: Ett enklare liv
Schweden/Deutschland 2008
Ulrich Noethen
Lisa Nilsson
Isabel Bongard
Regie: Marcus Olsson
Nicht ganz freiwillig zieht sich der erfolgreiche Hamburger Finanzmanager Peter Hofmann in ein ländliches Refugium zurück: Er hat einen kompletten Fonds in den Sand gesetzt. Als sich herausstellt, dass mit der Anlage Schwarzgeld der Mafia gewaschen werden sollte, muss er um sein Leben fürchten. Bei Nacht und Nebel packt er seine Kinder ins Auto und flieht nach Schweden. Dort erwarten ihn jedoch eine unwirtliche Einöde und feindselige Einheimische. Einziger Lichtblick ist die hübsche Vermieterin des Ferienhauses.

Was für ein kühner Genrewechsel! Die Geschichte beginnt wie ein Thriller, wandelt sich aber nach dem Prolog zum Familiendrama, das schließlich sogar romantische Züge annimmt. Und die Erzählweise entschleunigt sich ähnlich radikal, als die Hauptfigur die Großstadt verlässt und irgendwo in der schwedischen Provinz strandet.
Im Grunde erzählen Josefine Broman und Daniel Karlsson in ihrem Drehbuch zu dieser schwedisch-deutschen Koproduktion eine klassische Aussteigergeschichte: Ein erfolgreicher Hamburger Finanzmanager lässt sein stressreiches Leben hinter sich und zieht sich in ein ländliches Refugium zurück. Allerdings findet der Ausstieg nicht ganz freiwillig statt: Peter Hofmann (Ulrich Noethen) hat sich kräftig verspekuliert und einen kompletten Fonds in den Sand gesetzt. Als sich rausstellt, dass mit der Anlage offenbar Schwarzgeld der Mafia gewaschen werden sollte, muss er um sein Leben fürchten. Bei Nacht und Nebel packt er seine Kinder ins Auto und flieht nach Schweden. Dort sieht es allerdings ganz anders aus als in der üblichen Fernsehidylle: Der Winter naht, es ist kalt und grau, und die Bewohner des Dorfes, in dem die Familie zufällig strandet, sind zunächst auch nicht gerade freundlich gestimmt.
Wie schon in dem Drama "Das wahre Leben" ist Noethen der perfekte Darsteller für die Rolle des anfangs nicht sonderlich sympathischen verwitweten Familienvaters, der glaubt, alles unter Kontrolle zu haben, im Lauf der Jahre aber jeden Bezug zu seinen Kindern verloren hat. Jetzt sind sie beide Teenager und entsprechend rebellisch. Hofmann muss feststellen, dass er keine Ahnung hat, was Sohn und Tochter so treiben: Nina (Isabel Bongard) ist 14 und hat ein Verhältnis mit ihrem Deutschlehrer, Bastian (Robin Becker) ist 15 und kifft sich die Welt schön. Tiefpunkt der Beziehung ist Ninas offen ausgesprochener Wunsch, nicht die Mutter, sondern der Vater hätte sterben sollen. Aber immerhin reden sie überhaupt wieder miteinander, und unter dem positiven Einfluss der ebenso hübschen wie alleinstehenden Polizistin Helena (Lisa Nilsson), die ihnen auch das Ferienhaus vermietet, findet die Familie zaghaft zueinander. Bleibt bloß noch die Sache mit der Mafia. Als sein bester Freund und Kollege bei einem angeblichen Autounfall ums Leben kommt, dämmert Hofmann, dass er nach Hamburg zurück muss, um das Problem ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.
Auch wenn der Schluss etwas unglaubwürdig wirkt: Die Geschichte ist reizvoll und fesselnd umgesetzt. Gerade das Zusammenspiel von Noethen und den jugendlichen Darstellern ist sehenswert (Regie: Marcus Olsson). Schade nur, dass auch die Schweden ein makelloses Deutsch sprechen, weshalb die Nazi-Anspielungen der Dorfjugend ("Achtung, Achtung!") völlig verpuffen. Zudem ist die Synchronisierung der jungen Schweden nicht immer geglückt. Das gilt auch für die Filmkinder. In den Dialogen mit Noethen klingen Bongard und Becker überzeugend und natürlich, aber vermutlich mussten sie sich in den Szenen mit den Schweden selbst synchronisieren, und das hört sich doch recht künstlich an. Aber darüber kann man ohne Weiteres hinweghören. tpg.
| Darsteller: | Ulrich Noethen | als Peter Hoffmann | |
|---|---|---|---|
| Lisa Nilsson | als Helena Johansson | ||
| Isabel Bongard | als Nina Hoffmann | ||
| Robin Becker | als Bastian Hoffmann | ||
| Jim Rautiainen | als Olle Johansson | ||
| Ing-Marie Carlsson | als Lisbeth | ||
| Christer Fjällström | als Glenn | ||
| Linnea Cart-Lamy | als Ellen | ||
| Peggy Lukac | als Frau Keller | ||
| Rickard Roxvall | als Johan Larsson | ||
| Richard Sammel | als Schulmann | ||
| Petter Billengren | als Kellers Assistent | ||
| Regie: | Marcus Olsson | ||
| Drehbuch: | Josefine Broman | ||
| Daniel Karlsson | |||
| Produzent: | Helen Ahlsson | ||
| Ausf. Produzent: | Michael Hjorth | ||
| Tomas Tivemark | |||
| Bengt Toll | |||
| Kamera: | Andra Lasmanis | ||
| Schnitt: | Bernhard Winkler | ||
| Musik: | Johan Testad | ||
| Produktionsdesign: | Christian Olander | ||
| Ton: | Niclas Merits | ||
Ulrich Noethen prägte sich mit ausgesuchten Filmrollen als einer der führenden deutschen Charakterdarsteller in Film und Fernsehen ein, der...
1972 gründete die Schauspielerin und Regisseurin Peggy Lukac mit der "Theatermanufaktur" in Berlin ihr erstes Theater. Seit Beginn der 80er-Jahre...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.