Verbal geistreiche und giftige Verfilmung von Noel Cowards Komödie über eine Amerikanerin und ihre Kollision mit ihrer englischen Schwiegermutter. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto04/10040898/b150x150.jpg Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau

Filmdetails

Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau

Verbal geistreiche und giftige Verfilmung von Noel Cowards Komödie über eine Amerikanerin und ihre Kollision mit ihrer englischen Schwiegermutter.


Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau
Start: 24.06.2010

Originaltitel: Easy Virtue

Komödie

Großbritannien 2008
Laufzeit: 97 Min.
FSK: ab 6 Jahre

Jessica Biel
Colin Firth
Kristin Scott Thomas

Regie: Stephan Elliott
Verleih: Sony Pictures

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Inhalt

England in den Zwanzigerjahren. Nachdem John Whittaker im Urlaub in Frankreich die lebenslustige Larita kennengelernt und geheiratet hat, stellt er seine große Liebe seiner Familie vor. Doch seine konservative, neurotische und frustrierte Mutter ist entsetzt über das vermeintliche Flittchen aus Amerika, macht Larita von Beginn an den Aufenthalt auf dem noblen Landsitz zur Hölle. Nur in ihrem Schwiegervater, der in der eigenen Familie ein Außenseiter ist, und anfangs auch in ihrem Ehemann findet Larita Verbündete.


Kritik

Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau

Wie langweilig Tugendhaftigkeit, aber amüsant die Kollision mit Regelbruch sein kann, zeigt Stephan Elliotts Verfilmung einer Noel-Coward-Komödie.

Auf das Spießertum hat sich der britische Autor in mehreren Komödien eingeschossen, darunter auch in dieser, die er 1924 mit 23 Jahren schrieb. Das Milieu, verstaubter Landadel der Zwanzigerjahre, mag ein Blick ins Museum sein, doch die Dialoge wirken zeitlos giftig, geistreich und auch für moderne Komödien immer noch vorbildhaft. Hitchcock jedenfalls, der das Stück noch als Stummfilm und damit seiner schärfsten Waffen beraubt auf die Leinwand brachte, hätte seine Freude an der Ankunft der lebenslustigen Amerikanerin Larita (Jessica Biel) auf einem englischen Landsitz, auf dem Mrs. Whittaker (Kristin Scott Thomas) für die Aufrechterhaltung von Sitte, Tradition und gepflegter Langeweile sorgt.

Hier trifft Jugend auf Alter, vulgäre Ex-Kolonie auf kultiviertes Mutterland - und das auch im wörtlichen Sinne. Denn Larita ist das Souvenir, das Mrs. Whittakers einziger Sohn John aus dem Urlaub in Frankreich mitgebracht und - schlimmer noch - zuvor geheiratet hat. Obwohl sich die junge Rennfahrerin aus den Staaten, deren "skandalöse" Vergangenheit im Laufe des Plots ausgegraben wird, um Freundschaft mit ihrer Schwiegermutter bemüht, eröffnet diese von Beginn an das Feuer auf die Rivalin, die ihr den einzigen Halt in einem Leben voller Frust aus den Armen reißen will. "Du hast den Tunnelblick" spottet Mr. Whittaker brillant über seine Frau, die Laritas Ankunft im Fernrohr beobachtet.

Von Colin Firth mit perfektem Timing, vielen Bonmots, aber auch Momenten des Schweigens gespielt, ist Whittaker einer von Cowards Berufszynikern, den das Drehbuch aber als im Krieg verwundete Seele humanisiert. Undankbarer ist die Aufgabe für Scott Thomas, die ihre Familie erstickt und als kalt-konservative Provinzhexe den Zuschauer in die Armee der Sympathiefiguren treiben soll. Larita, die in den Augen von Mrs. Whittaker Klasse nicht, dank Jessica Biel aber doch hat, gehört dazu, wie auch Firths Figur und schließlich auch ein entnervter Butler, der sich den Landadel sicher unter die englische Erde wünscht. Während die versteckten Spitzen fliegen, einem Chihuahua das Genick gebrochen und bei einem Can-Can Natur pur enthüllt wird, sorgen neben Evergreens auch altmodisch arrangierte moderne Chartbreaker für eine Brücke zwischen den Zeiten. Ein gelungenes, federleicht unterhaltsames Comeback von Regisseur Stephan Elliott ("Das Auge") nach zehnjähriger Leinwandpause. kob.

Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau

Darsteller:  Jessica Biel   als Larita Huntington
  Colin Firth   als Mr. Whittaker
  Kristin Scott Thomas   als Mrs. Whittaker
  Ben Barnes   als John Whittaker
  Kris Marshall   als Furber
  Kimberley Nixon   als Hilda
  Katherine Parkinson   als Marion Whittaker
  Pip Torrens   als Lord Hurst
  Christian Brassington   als Phillip
  Charlotte Riley   als Sarah
 
Regie:  Stephan Elliott  
Drehbuch:  Stephan Elliott  
  Sheridan Jobbins  
Produzent:  Joseph Abrams  
  James D. Stern  
  Barnaby Thompson  
Koproduzent:  Alexandra Ferguson  
Ausf. Produzent:  Douglas Hansen  
  James Spring  
  Cindy Wilkinson Kirven  
  George McGhee  
  Ralph Kamp  
  Louise Goodsill  
  Paul Brett  
  Peter Nichols  
  Tim Smith  
Buchvorlage:  Sir Noel Coward  
Kamera:  Martin Kenzie  
Schnitt:  Sue Blainey  
Musik:  Marius Di Vries  
Produktionsdesign:  John Beard  
Kostüme:  Charlotte Walter  
Casting:  Celestia Fox  

Die Lieblingsfilme der Redaktion 2010

Die Redaktion hegt einen bösen Verdacht...

Großansicht Erhielt von uns im Schnitt die besten Platzierungen im Jahres-Ranking: "Inception" (Foto: Warner)

Erhielt von uns im Schnitt die besten Platzierungen im Jahres-Ranking: "Inception" (Foto: Warner)

Bestimmt hat uns Christopher Nolan eine "Inception" verpasst, damit wir sein SciFi-Meisterwerk an die Spitze unserer kino.de-internen Jahrescharts befördern. Besonders anfällig war dafür Kollege Alex Jodl, der das Hirnexperiment mit einem groß aufspielenden Leonardo DiCaprio auf seiner Liste sogar ganz oben führt. Alle anderen sahen "Inception" zwar eher im Mittelfeld, aber es ist der einzige Film, den ausnahmslos alle Redakteure in ihre Top Ten nahmen.

Das zeigt, wie vielseitig das Kinojahr 2010 war: Ob George Clooney über den Wolken und vor allem darunter den Sinn des Lebens haschte, Sam Rockwell auf dem Mond einer grausigen Selbtserkenntnis gewahr wurde, Harry Potter sich poetisch dem finalen Kampf gegen Voldemort entgegenzeltete oder 9 Häkelhelden der Postapokalypse trotzten - jeder fand in seinem Lieblingsgenre echte Kinojuwelen. Hier die komplette Liste unserer Topfilme 2010:

REDAKTIONSFAVORITEN: DIE BESTEN KINOFILME 2010
 

Boris Sunjic<br />Redaktionsleiter kino.de

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Matthias Ott<br />Redaktionsleiter Publikumsmagazine

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