Originaltitel: Trilogia II: I skoni tou hronou
Deutschland/Italien/Griechenland 2009
Willem Dafoe
Bruno Ganz
Michel Piccoli
Regie: Theodoros Angelopoulos
Verleih: NFP (Filmwelt)
A. (Willem Dafoe) ist ein Regisseur griechischer Abstammung und kehrt nach Rom zurück, um sein Werk fortzusetzen: Die Verfilmung der eigenen Familiengeschichte, besonders der seiner Eltern Spyros (Michel Piccoli) und Eleni (Irène Jacob). Der Zweite Weltkrieg trennte die Liebenden, Spyros emigrierte in die USA, Eleni floh vor dem griechischen Bürgerkrieg in die Sowjetunion. Jahrzehnte lang versuchte Spyros, Kontakt zu seiner innig Geliebten herzustellen.
Sechs Jahre nach "Die Erde weint" setzt der griechische Meisterregisseur Theodoros Angelopoulos seine episch angelegte Trilogie über das Schicksal seiner Heimat im 20. Jahrhundert fort. Seine komplexe Handlung umfasst Jahrzehnte und Kontinente, überwindet mühelos Zeit und Raum.

Mit seinem zweiten Teil der "Trilogie des Exils" über politische Unterdrückung, Vertreibung aber auch Versöhnung im 20. Jahrhundert wartet Theo Angelopoulos mit einem fantastischen Schauspielensemble auf.
Die Filme des großen Griechen sind Reisen durch die Zeit, auf denen die Menschen rastlos auf der Suche nach Heimat sind, getrieben von der Sehnsucht nach einem Ort, wo sie sich zu Hause fühlen. Ein Ziel, das bei Angelopoulos nur schwer oder gar nicht zu erreichen ist, nur eine Chimäre, eine Utopie, ein Stück Hoffnung. Die innere Unruhe bedeutet für ihn etwas zutiefst Menschliches, schon seit der Irrfahrt des Odysseus in der griechischen Mythologie.
"Dust of Time" erzählt von den letzten Tagen vor der Jahrtausendwende, vom griechisch stämmigen US-Regisseur A. (Willem Dafoe), der an einem Film über seine persönliche Familiengeschichte arbeitet und seine Eltern auf dem Weg nach Griechenland in Berlin erwartet. Irène Jacob und Michel Piccoli spielen das ergraute Paar Spyros und Eleni. Die beiden wurden durch den Zweiten Weltkrieg getrennt, er schaffte es nach New York, sie durchlitt Stalins Lager in Sibirien. In Berlin treffen sie auf Elenis Weggefährten Jakob Levy (Bruno Ganz) aus der Zeit des Grauens.
Der 73jährige Regisseur jongliert mit verschiedenen Zeitebenen, wechselt sie abrupt, um sie ebenso plötzlich wieder in einen kurzen ruhigen Fluss münden zu lassen. Schon der Blick eines Protagonisten aus dem Fenster kann übergangslos in ein anderes Land und eine andere Zeit führen, einzelne Lebensstationen werden durcheinandergewirbelt, wie auch Fantasie und Wirklichkeit. Das Puzzle verlangt Konzentration, und selbst die nützt wenig, wenn bei dieser Verrätselung lose Enden den Zuschauer ratlos machen und ermüden. Aber Angelopoulos hat sich noch nie um Sehgewohnheiten geschert. Seine Kraft liegt in den oft hypnotischen Bildern, die Kameramann Andreas Sinanos erneut zaubert, allerdings nicht durchgehend. Während bei den Rückblenden in die Sowjetunion eine visuelle Wucht die Leinwand erobert, scheint ihm bei den Berliner Aufnahmen in ihrer Alltäglichkeit die Imagination abhanden gekommen zu sein. Der historische Bogen spannt sich über Exil, Trennung und Aufenthalte in der Fremde bis zum Zusammenbruch von Ideologien - von Stalins Tod, dem Watergate-Skandal und dem Vietnamkrieg bis zum Fall der Berliner Mauer und dem noch nicht eingelösten Traum von einer besseren Welt im 21. Jahrhundert. Die Menschen sind ihrer Wurzeln beraubt und immer unterwegs. Abschied nehmen heißt auch, ein wenig zu sterben. Aber ganz kann man die Vergangenheit nicht auslöschen, meint Angelopoulos, diese für ihn "historische und dialektische Beziehung zwischen Gestern und Heute". mk.
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