Originaltitel: 3
Deutschland 2010
Sophie Rois
Sebastian Schipper
Devid Striesow
Regie: Tom Tykwer
Verleih: X Verleih (Warner)
Fernsehmoderatorin Hanna und Bauzeichner Simon sind beide um die 40 Jahre alt und seit 20 Jahren ein Paar. Die Lust kocht auf Sparflamme. Da verlieben sich die beiden neu, ohne dass der jeweils andere etwas davon weiß: Adam strahlt eine Faszination aus, derer sich weder Hanna noch Simon entziehen können. Auf einmal sehen sie ihr Leben und ihre Beziehung mit ganz anderen Augen. Und fühlen sich merkwürdig ermutigt dadurch.

Ein großstädtisches und modernes Hetero-Paar verliebt sich unabhängig voneinander in denselben Mann und erlebt einen neuen Kick im Sexleben.
Zufall oder Schicksal? Tom Tykwers romantische Komödie wirbelt die Existenz dreier Menschen ziemlich durcheinander, ihm geht es um die Sinnfrage in der Mitte des Lebens und den Komplex der Zeit, wann trifft er oder sie jemand anders und in welcher Situation? Seine Helden sind über die Jahre mit ihm reifer geworden, gehören zu seiner Generation, dennoch weist er jeglichen autobiografischen Bezug von "Drei" zurück. Stattdessen spielt Tykwer in seinem ersten deutschsprachigen Film seit zehn Jahren souverän mit Beziehungsmustern.
Ein bisschen Midlife-Crisis schwingt schon mit, wenn zwischen Fernsehmoderatorin Hanna mit Sitz im nationalen Ethikrat (Sophie Rois) und Baukünstler Simon (Sebastian Schipper) 20 Jahre nach dem ersten Kuss die Lust auf Sparflamme köchelt. Zwei Menschen, die sich arrangiert haben, freundlich miteinander umgehen, ähnliche Interessen teilen und mit gebremster Leidenschaft das Bett. Dass sich dann beide in ein- und denselben Mann verlieben, gibt ihrem Liebesleben neuen Schwung und Devid Striesow als Adam (nomen est omen!) die Gelegenheit, als harmlos aussehender Stammzellenforscher mit Verführungspotenzial zu glänzen. Ein tolles Trio.
Die Öffnung der Zweierbeziehung hin zur Dreierbeziehung ist eine experimentelle und künstlerische Versuchsanordnung, die sehr langsam in Schwung kommt, aber dann in der zweiten Hälfte einen unwiderstehlichen Sog entwickelt. Wunderschön die Situationskomik, wenn das Paar auf einer Ausstellung den gemeinsamen Lover ortet und unter seltsamen Ausreden in die nächst gelegene Toilette flüchtet oder Hanna ihren Sebastian nur mit Handtuch bekleidet beim Objekt der Begierde quasi in flagranti erwischt. Mit 40 hat man schon viel hinter sich, aber wie viel hat man noch vor sich? Krankheiten und Tod kommen näher, Hodenkrebs bei Simon oder Tod der Mama (Angela Winkler), die bei Gunther von Hagen in Plastilin weiter lebt, sind unübersehbare Warnzeichen und Aufforderung zum "carpe diem", jetzt zu leben, nichts mehr aufzuschieben.
Warmherzig zeichnet der Film die Sehnsuchtsprojektion des irritierten Simon, der an seiner sexuellen Identität zweifelt und dem der coole Liebhaber den "Abschied vom deterministischen Biologieverständnis" lächelnd nahe legt. Anything goes! Manchmal leicht verkopft und mit Splitscreen irritierend, trotzdem immer amüsant, mit großer Leichtigkeit und witzigen Dialogen schlagen sich die Protagonisten durch Irrungen und Wirrungen dieser etwas anderen Dreiecksgeschichte. Und dass sie eigentlich schrecklich normal sind, macht sie liebenswert. mk.
| Darsteller: | Sophie Rois | als Hanna | |
|---|---|---|---|
| Sebastian Schipper | als Simon | ||
| Devid Striesow | als Adam | ||
| Annedore Kleist | als Lotte | ||
| Angela Winkler | als Hildegard | ||
| Alexander Hörbe | als Dirk | ||
| Winnie Böwe | als Petra | ||
| Hans-Uwe Bauer | als Dr. Wissmer | ||
| Senta Dorothea Kirschner | als Katrin | ||
| Gotthard Lange | als Udo | ||
| Alexander Yassin | als Alexander | ||
| Karl Hemeyer | als Dr. Hubert Zimmer | ||
| Martina Ysker | als Martina | ||
| Regie: | Tom Tykwer | ||
| Drehbuch: | Tom Tykwer | ||
| Produzent: | Stefan Arndt | ||
| Koproduzent: | Dr. Barbara Buhl | ||
| Prof. Gebhard Henke | |||
| Jörn Klamroth | |||
| Prof. Dr. Andreas Schreitmüller | |||
| Kamera: | Frank Griebe | ||
| Schnitt: | Mathilde Bonnefoy | ||
| Musik: | Tom Tykwer | ||
| Reinhold Heil | |||
| Johnny Klimek | |||
| Gabriel Isaac Mounsey | |||
| Kostüme: | Polly Matthies | ||
| Maske: | Katharina Nädelin | ||
| Adella Selzer | |||
| Ton: | Arno Wilms | ||
| Casting: | Simone Bär | ||
Abgeräumt: Chris Kraus' "Poll" erhielt bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises vier Lolas, der sechs Mal nominierte "Drei" wurde drei Mal ausgezeichnet. Der Deutsche Filmpreis in Gold ging an "vincent will meer".
Ausgezeichnet: "vincent will meer" erhielt den Deutschen Filmpreis in Gold, Hauptdarsteller Florian David Fitz bekam ebenfalls eine Lola (Foto: Constantin)
"Vincent will meer" ist mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet worden. Hauptdarsteller Florian David Fitz erhielt darüber hinaus die Lola für die beste männliche Hauptrolle. Die Lola in Silber ging an "Almanya - Willkommen in Deutschland", dessen Drehbuchautorinnen Nesrin und Yasemin Samdereli in der entsprechenden Kategorie mit einer Lola geehrt wurden.
Den Deutschen Filmpreis in Bronze erhielt "Wer wenn nicht wir". Über die Regie-Lola durfte sich Tom Tykwer für den sechs Mal nominierten "Drei" freuen, der insgesamt drei Deutsche Filmpreise erhielt. Vier mal ausgezeichnet wurde Chris Kraus' "Poll", u.a. für die beste männliche Nebenrolle (Richy Müller). Als beste Hauptdarstellerin erhielt Sophie Rois die Lola für ihre Leistung in "Drei".
In seiner Eröffnungsrede gedachte Kulturstaatsminister Bernd Neumann dem verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger: "Mit dem Tod von Bernd Eichinger verloren wir eine Legende des deutschen Films. Ihm ist es gelungen, mit Filmen wie "Der Name der Rose", "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" oder "Der Untergang" das deutsche Kino weit hinaus in die Welt zu tragen. Erinnern wir uns an die Filmpreisverleihung hier vor einem Jahr und den sichtlich gerührten Bernd Eichinger, der an dieser Stelle den Ehrenpreis für sein Filmschaffen entgegennahm. Damals dachte ich, das ist doch viel zu früh, weil sein Lebenswerk noch längst nicht beendet schien."
Im Rahmen der Verleihung wurde auch bekannt gegeben, dass künftig alle drei Jahre der Bernd Eichinger Preis an Persönlichkeiten oder Teams, deren Arbeit sich durch kreative und leidenschaftliche Interaktion auszeichnet, vergeben werden soll.
Deutscher Filmpreis 2011 - alle Gewinner im Überblick:
Bester Spielfilm:
Deutscher Filmpreis in Gold: "Vincent will meer"
Deutscher Filmpreis in Silber: "Almanya - Willkommen in Deutschland"
Deutscher Filmpreis in Bronze: "Wer wenn nicht wir"
Bester Kinder- und Jugendfilm: "Chandani und ihr Elefant"
Bester Dokumentarfilm: "Pina"
Beste Hauptdarstellerin: Sophie Rois ("Drei")
Bester Hauptdarsteller: Florian David Fitz ("Vincent will meer")
Beste Nebendarstellerin: Beatriz Spelzini ("Das Lied in mir")
Bester Nebendarsteller: Richy Müller ("Poll")
Beste Regie: Tom Tykwer ("Drei")
Bestes Drehbuch: Nesrin und Yasemin Samdereli ("Almanya - Willkommen in Deutschland")
Beste Kamera/Bildgestaltung: Daniela Knapp ("Poll")
Bester Schnitt: Mathilde Bonnefoy ("Drei")
Bestes Szenenbild: Silke Buhr ("Poll")
Bestes Kostümbild: Gioia Raspé ("Poll")
Bestes Maskenbild: Kitty Kratschke, Heike Merker ("Goethe!")
Beste Filmmusik: Matthias Klein ("Das Lied in mir")
Beste Tongestaltung: Ansgar Frerich, Sabine Panossian, Niklas Kammertöns ("PianoMania")
Ehrenpreis: Wolfgang Kohlhaase
Österreichische Schauspielerin und Sängerin. Unverkennbar mit ihrer heiseren rauen "Reibeisenstimme", hat Sophie Rois, hauptsächlich als...
Ein Kickerspiel in einer Kneipe, bei dem es um alles oder nichts geht, gehörte 1999 zu den szenischen Höhepunkten des deutschen...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.