Wim Wenders' in Cannes gefeiertes Western-Roadmovie um einen gealterten Filmstar, der sich den Konsequenzen seines bewegten Lebens stellt. http://images.kino.de/flbilder/max05/mbiz05/mbiz30/z0530502/b150x150.jpg Don't Come Knocking

Filmdetails

Don't Come Knocking

Wim Wenders' in Cannes gefeiertes Western-Roadmovie um einen gealterten Filmstar, der sich den Konsequenzen seines bewegten Lebens stellt.


Don't Come Knocking
Start: 25.08.2005

Drama

Deutschland/Frankreich 2005
Laufzeit: 123 Min.
FSK: ab 6 Jahre

Sam Shepard
Jessica Lange
Tim Roth

Regie: Wim Wenders
Verleih: Reverse Angle (UIP)

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Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
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Inhalt

Hollywoodschauspieler Howard Spence (Sam Shepard) hat schon bessere Zeiten gesehen. Eines Tages ereilt den prototypischen Kino-Cowboy in seinem Trailer die Nachricht von der Existenz eines Sohnes, von dem er bisher nichts wusste. Kurzentschlossen steigt Spence auf's Pferd und reitet in den Sonnenuntergang, um der wenig begeisterten Mutter (Jessica Lange) seine Aufwartung zu machen und jenen Teil des Lebens nachzuholen, den er zwischen Sex, Drugs und Glittertand ganz vergessen hatte.

Beim Heimspiel in Cannes gab's für den Abgesang auf den amerikanischen Mythos für den erfolgreichen deutschen Autorenfilmer Wim Wenders und die überwältigenden Bilder seines Kameramannes Franz Lustig Standing Ovations.


Kritik

Die ewigen Mythen des amerikanischen Westens: Keiner beschwört sie so fulminant wie Meisterregisseur Wim Wenders.

Großansicht Ein Mann muss tun, was er tun muss: Howard Spencer (Foto: Reverse Angle (UIP))

Ein Mann muss tun, was er tun muss: Howard Spencer (Foto: Reverse Angle (UIP))

Sex, Drugs and Rock'n'Roll - Hollywoodstar Howard Spence (Sam Shepard) macht auf jung und merkt nicht, dass seine Zeit schon lange vorbei ist. Er lebt von seinem früheren Ruhm und hangelt sich von einem One-Night-Stand zum nächsten.

Nach einer durchzechten Nacht hat er die Schnauze voll und haut vom Set ab, ganz stilvoll auf dem Rücken des Pferdes, dahin, wo die Freiheit einfach grenzenlos ist. Als er erfährt, dass er ein fast erwachsenes Kind haben soll, macht er sich auf in die Bergwelt von Butte, Montana. Und dort erlebt er die Überraschung seines Lebens.

Großansicht Westerndarsteller Howard auf der Flucht - wie einer seiner Helden (Foto: Reverse Angle (UIP))

Westerndarsteller Howard auf der Flucht - wie einer seiner Helden (Foto: Reverse Angle (UIP))

Held mit Schwächen

Romantische Liebesgeschichte und großes Gefühlskino - grandios beschwört Wim Wenders wie in "Paris, Texas" den Mythos Amerika, erzählt von schwachen Männern, die Helden sein möchten und von starken Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen. Bei dieser Wahnsinnsreise in die Vergangenheit geht's an ganz tiefe und verborgene Emotionen.

Und wenn der Lonesome Rider (Shepard) seine frühere Liebe wiedertrifft (Jessica Lange) und die Scherben seiner Existenz zusammenkittet, keimt für einen Moment die Hoffnung auf das Glück. An diesem bildgewaltigen Meisterwerk des Kinosommers kommt niemand vorbei.

Don't Come Knocking

Darsteller:  Sam Shepard   als Howard Spence
  Jessica Lange   als Doreen
  Tim Roth   als Sutter
  Sarah Polley   als Sky
  Gabriel Mann   als Earl
  Eva Marie Saint   als Howards Mutter
  Fairuza Balk   als Amber
  George Kennedy   als Director
  James Gammon   als Alter Farmarbeiter
  Marley Shelton   als Starlet
  Rodney A. Grant   als Wild Eye
  Tim Matheson   als Produzent
  Julia Sweeney   als Produzentin
  Kurt Fuller   als Mr. Daily
  James Roday   als First A.D.
  Majandra Delfino   als First Girl
  Marieh Delfino   als Second Girl
 
Regie:  Wim Wenders  
Drehbuch:  Sam Shepard  
Produzent:  Peter Schwartzkopff  
Koproduzent:  Carsten H. W. Lorenz  
Ausf. Produzent:  Jeremy Thomas  
Buchvorlage:  Wim Wenders  
  Sam Shepard  
Kamera:  Franz Lustig  
Schnitt:  Peter Przygodda  
  Oli Weiss  
Musik:  T-Bone Burnett  
Produktionsdesign:  Nathan Amondson  
Kostüme:  Caroline Eselin  
Maske:  Barbara Lamelza  
Ton:  Matthew Nicolay  
Casting:  Heidi Levitt  

"Von den Frauen zurechtgestutzt"

Western, Roadmovie und großes Gefühlskino - all das ist Wim Wenders' neuer Film "Don't come knocking", der in Cannes vom Publikum mit 20 Minuten langen Standing Ovations gefeiert wurde. Das Werk knüpft an Wenders' großen Erfolg "Paris, Texas" an und überzeugt vor allem durch tragikomische Zwischentöne und beeindruckende Bilder.

Großansicht Publikum und Kritiker lieben ihn: der deutsche Star-Regisseur Wim Wenders (Foto: Kurt Krieger)

Publikum und Kritiker lieben ihn: der deutsche Star-Regisseur Wim Wenders (Foto: Kurt Krieger)

» In "Don't Come Knocking" heißt es: "Ich ziehe das Leben im Film dem wahren Leben vor." Wie steht es mit Ihnen?

WIM WENDERS: Wir tun alle so, als könnten wir Kino und Leben so fein unterscheiden. Die größten Probleme haben die Schauspieler, die ständig in Rollen rein- und wieder rausschlüpfen.

Wir sind alle von den Bildern aus Film und Fernsehen und dem Mythos Kino beeinflusst. Da ist es kein Wunder, dass viele von uns neben dem eigenen Leben stehen und darin nicht die Haupt-, sondern nur die Nebenrolle spielen.

Großansicht Jessica Lange als Ex-Geliebte, die keine Leidenschaft mehr empfindet (Foto: UIP)

Jessica Lange als Ex-Geliebte, die keine Leidenschaft mehr empfindet (Foto: UIP)

» Sie nennen "Don't Come Knocking" Ihren besten Film.

Ich habe leichtsinnigerweise gesagt, dass ich nicht weiß, was ich an Don't Come Knocking noch besser machen soll. Da ist was dran. Ich habe nie länger an einem Drehbuch gearbeitet, fast vier Jahre. Dadurch, dass wir den Film zweimal - 2002 und 2003 - verschieben mussten und erst 2004 drehten, ist er wie ein guter Wein gealtert und richtig gereift.

Nur weil wir so lange warten mussten, bekam ich die Besetzung, die ich von Anfang an wollte. 2003 hätte ich Jessica Lange nicht gehabt. Sam Shepard und ich tüftelten noch einiges am Drehbuch und verbesserten es um Klassen.

Dreharbeiten sind oft mit Stress und Angstzuständen verbunden. Ich sitze jeden Abend in meinem Hotelzimmer und mache mir Sorgen über den nächsten Drehtag, entwerfe Zeichnungen und überlege, wie löse ich diese oder jene Szene morgen auf, oder ich beschäftige mich mit dem Drehplan. Bei "Don't come knocking" bin ich jeden Abend ins Bett gefallen und habe wunderbar geschlafen. Das ist mir noch nie passiert.

Großansicht Der alternde Western-Star merkt, dass Drugs, Sex and Rock 'n' Roll für ihn vorbei sind (Foto: UIP)

Der alternde Western-Star merkt, dass Drugs, Sex and Rock 'n' Roll für ihn vorbei sind (Foto: UIP)

» Woher nahmen Sie die Sicherheit?

Ich wusste, ich habe einen Dialog, an dem ich nicht mehr viel verbessern kann, und Schauspieler, die sich alles abverlangen lassen. Die Orte waren die, an denen ich von Anfang an die Geschichte spielen lassen wollte.

» Wieso wurde die Produktion immer wieder verschoben?

Unser ursprünglicher Finanzplan hat sich als nicht realisierbar erwiesen, und so mussten wir den Drehplan bei einem geplanten Budget von elf Millionen Dollar runterschrauben.

Ich konnte den Film aber trotzdem in großer Freiheit drehen. 36 Drehtage sind für so einen komplizierten Film mit so vielen Schauplätzen schon sehr wenig. Das ist der Preis, den man zahlen muss.

Ich bin es außerdem gewohnt, schnell zu drehen. Zeit ist das teuerste. Wir konnten uns nie erlauben, irgendwo einen Tag festzuhängen. Zwei-, dreimal kriegte ich Muffensausen, weil das Wetter nicht mitspielte.

Großansicht Sie sind ohne Vater aufgewachsen: Howards Kinder (Foto: UIP)

Sie sind ohne Vater aufgewachsen: Howards Kinder (Foto: UIP)

» Drängt sich bei der Konstellation Wenders/Shepard nicht ein Vergleich zu "Paris, Texas" auf?

Wir hatten uns an eine Art Pakt gehalten, nicht an "Paris, Texas" zu rühren und uns nicht zu wiederholen. Nach 20 Jahren durften wir die Selbstbeschränkung aufheben, finde ich. Und Howard Spence ist kein Travis, das Tempo der Geschichte ein anderes.

In meinem ersten Vorschlag war Howard ein erfolgreicher Börsenspekulant, der schmerzhaft realisierte, dass er sein Leben verpasst hat. Sam hat einfach keinen Zugang zu dieser Figur gefunden. Wir haben alles Mögliche ausprobiert und uns am Ende auf den abgehalfterten Western-Darsteller geeinigt, der sozusagen aus seinem eigenen Leben ausgestiegen ist und sich fragt, wo er hingehört.

Sam Shepard hat die erste Szene geschrieben. Das Drehbuch haben wir chronologisch entwickelt und uns zum Schreiben an den verschiedensten Orten Amerikas getroffen.

Großansicht Ein verpasstes Leben kann man nicht nachholen: bittere Erkenntnis für Sam Shepard (Foto: UIP)

Ein verpasstes Leben kann man nicht nachholen: bittere Erkenntnis für Sam Shepard (Foto: UIP)

» Ein Cowboy, der am Ende des Films in die Abendsonne reitet - das erwartet man nicht von Ihnen.

Der Film ist von Anfang an ironisch. Selbst der Titel. Auf dem Schild am Trailer steht "Don't come knocking", darunter "if the Trailer is rocking", schon eine ziemlich anzügliche Bemerkung. Diese tragikomische Figur kann man doch nicht so richtig ernst nehmen. Ein Typ, der 30 Jahre zu spät einer Frau einen Heiratsantrag macht, ist nicht ganz dicht. Es sind die Frauen, die ihn zurechtstutzen.

Star

Sam Shepard

Verschlossen bis zum Stehkragen - wenn der amerikanische Cowboy einen hätte - sind die einsamen, grüblerischen, harten, asketischen und niemals...

Star

Jessica Lange

Ihr Debüt neben dem Riesenaffen in dem 1976er Remake von "King Kong" brachte der 1949 geborenen Jessica Lange zwar einen Sieben-Jahres-...

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