Als die studierte Medizinerin Dr. Gretchen Haase kurz vor der Hochzeit von ihrem Bräutigam betrogen wird, kehrt sie zurück zu ihren Eltern. Als sie sich bei ihrer patenten Übermutter und Papa, dem arbeitswütigen Chefarzt, in ihrem rose Zimmer wieder findet, ist schnell klar: Ihr Leben muss sich ändern: Gretchen beschließt ihren Facharzt für Chirurgie zu machen. Doch so ein Krankenhaus ist ein Haifischbecken und ehe sie sich versieht, befindet sich Gretchen in einer romantischen Dreiecksgeschichte mit zwei Kollegen...

Die Liste deutscher Fernsehserien, die beim Publikum auf mittleres bis völliges Desinteresse gestoßen sind, hat in letzter Zeit einen eindrucksvollen Umfang erreicht. Den Tiefpunkt markierte zuletzt die Juristenserie "Die Anwälte" (RTL): abgesetzt schon nach der ersten Folge. Trotzdem lassen die Sender nicht locker: weil Serien wichtig für die Zuschauerbindung sind. Deshalb zeigt RTL ab dem 23. Juni "Doctor's Diary", dem englischen Titel zum Trotz eine Eigenproduktion. Und nicht nur das: Bora Dagtekin, für seine Drehbücher zur völkerverbindenden ARD-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger" mit dem Adolf Grimme Preis ausgezeichnet, legt ausdrücklich Wert auf die Feststellung, dass es anders als etwa bei "Post Mortem" (RTL) oder "Deadline" (Sat.1) keine amerikanischen Vorbilder gebe.
Im Gegensatz zu den üblichen Arztserien steht hier eine Figur im Mittelpunkt, die alles andere als perfekt ist: Gretchen Haase, Doktor der Allgemeinmedizin, ist ein bisschen pummelig und macht auch mal Fehler. Sie ist also alles andere als ein Halbgott in Weiß, aber trotzdem keine Witzfigur. In dieser Mischung liegt der Reiz dieser Rolle und damit auch der Serie: Gretchen Haase ist außen Arzt und innen Frau.
Dagtekin hatte Hauptdarstellerin Diana Amft ("Mädchen, Mädchen") schon vor Augen, als er die Drehbücher schrieb. Aber auch die weiteren Rollen sind bestens besetzt. Florian David Fitz, der in "Meine verrückte türkische Hochzeit" (ebenfalls Grimme-Preis) noch einen hoffnungslosen Romantiker spielte, beeindruckt in "Doctor's Diary" als unglaublich selbstverliebter Oberarzt, für den Gretchen schon zu Schulzeiten schwärmte; und daran hat sich bis heute nichts geändert. Einen nicht minder hübschen Gynäkologen verkörpert Kai Schumann. Abgerundet wird das Ensemble durch Peter Prager als Gretchens Vater, der ihre Karriere befördert, und Ursela Monn als ihre Mutter, die das genaue Gegenteil im Sinn hat.
Mitunter könnte das Tempo der Inszenierung (Oliver Schmitz, Christian Ditter, Sophie Allet-Coche) etwas flotter sein, doch Dagtekin ist sehr zufrieden: Die Umsetzung entspricht zu 98 Prozent der Vision, die ihm beim Verfassen der Drehbücher vorschwebte. Das ist nicht zuletzt sein eigenes Verdienst, weil der Autor auch an der Auswahl der Darsteller beteiligt war, mit den Schauspielern das Skript durchgesprochen und anschließend Änderungen vorgenommen hat.
Aus Zuschauersicht aber ist es natürlich viel wichtiger, dass "Doctor's Diary" einerseits pointiert, anspielungsreich und witzig ist, andererseits trotzdem lebensnah. RTL hat offenbar eingesehen, dass man mit Kopien amerikanischer Erfolgsserien nicht weiterkommt. "Doctor's Diary" ist ein vielversprechender Neubeginn. tpg.
| Darsteller: | Diana Amft | als Dr. med. Gretchen Haase | |
|---|---|---|---|
| Florian David Fitz | als Dr. Marc Meier | ||
| Kai Schumann | als Dr. Mehdi Kaan | ||
| Ursela Monn | als Bärbel Haase | ||
| Peter Prager | als Dr. med. Franz Haase | ||
| Laura Osswald | als Schwester Gabi | ||
| Annette Strasser | als Schwester Sabine | ||
| Adele Neuhauser | als Elke Fischer | ||
| Julia Koschitz | als Dr. Hassmann | ||
| Fabian Oscar Wien | als Jochen Haase | ||
| Zsa Zsa Inci Bürkle | als Gretchen, jung | ||
| Antoine Brison | als Marc, jung | ||
| Philipp Sonntag | |||
| Bo Hansen | |||
| Regie: | Oliver Schmitz | ||
| Christian Ditter | |||
| Sophie Allet-Coche | |||
| Drehbuch: | Bora Dagtekin | ||
| Produzent: | Dr. Beatrice Kramm | ||
| Kamera: | Bernhard Jasper | ||
| Christoph Chassée | |||
| Eckhard Jansen | |||
| Christian Rein | |||
| Schnitt: | Mona Bräuer | ||
| Cornelia Strecker | |||
| Regina Bärtschi | |||
| Günter Schultens | |||
| Musik: | Biber Gullatz | ||
| Andreas Schäfer | |||
| Produktionsdesign: | Florian Lutz | ||
| Thilo Mengler | |||
| Kostüme: | Friederike von Wedel | ||
| Regina Tiedeken | |||
| Ton: | Max Meindl | ||
| André Zacher | |||
| Casting: | Daniela Tolkien | ||
| Nessie Nesslauer | |||
Cannes - In einer Woche startet das 63. Festival de Cannes (12. bis 23. Mai) und damit das Schaulaufen auf dem wohl prestigeträchtigsten roten Teppich jenseits der Oscarverleihung. In diesem Jahr präsentiert das Festival einen Mix aus Veteranen und Newcomern.
Das diesjährige Festivalprogramm zeige, dass Kino nicht nur ein Dialog zwischen Europa und Amerika sei, sondern eine globale Kunstform, erklärte Festivalchef Thierry Frémaux auf der großen Festival-Pressekonferenz. Eine elegante Umschreibung der Tatsache, dass die USA in diesem Jahr an der Croisette ungewohnt unterrepräsentiert sind.
Lange hatte das Festival gehofft, den neuen Film von Kritikerliebling Terrence Malick ("Der schmale Grat") zu zeigen. "The Tree of Life" war dem Festival bereits in einer Work-in-Progress-Fassung gezeigt worden. Doch der Publicity-scheue Regisseur hat sich dann doch dazu entschlossen, in den Schneideraum zurückzukehren und seine Teilnahme abgesagt. Im Wettbewerb läuft nun nur eine einzige US-Produktion - "Fair Game" von "Bourne Identität"-Regisseur Doug Liman. Ein Politthriller mit Naomi Watts als CIA-Agentin, der die dunklen Seiten der Macht beleuchtet.
Statt amerikanischer finden sich im Wettbewerb nun vor allem Regisseure aus Europa und Nordafrika, aus dem nahen und fernen Osten, so zum Beispiel Takeshi Kitano, der mit "Outrage" zu seinen Yakuza-Thriller-Wurzeln zurückkehrt. Das Gastgeberland Frankreich ist wieder prominent vertreten. So unternimmt Starschauspieler Mathieu Amalric mit "Tournée" seinen dritten Ausflug ins Regiefach und spielt in der Komödie auch gleich die Hauptrolle: einen Theaterproduzenten, der ein Comeback mit einer Burlesque Show feiert.
Als Geheimtipp wird "Des Hommes et des Dieux" gehandelt, der neue Film von Xavier Beauvois über eine Gruppe von christlichen Mönchen im Maghreb, die nach Jahrzehnten des friedvollen Miteinanders mit der muslimischen Bevölkerung eines Tages unverhofft in den Konflikt mit islamischen Fundamentalisten gerät.
Alejandro González Iñárritu, der mexikanische Meister des kunstvoll verschachtelten Episodenkinos, holte mit "Babel" vor vier Jahren den Regiepreis. Jetzt ist er mit "Biutiful" erneut im Rennen um die Goldene Palme. Spaniens Superstar Javier Bardem glänzt als Drogendealer in Barcelona, der einen alten Freund wieder trifft, der inzwischen - so will es das Schicksal - Polizist geworden ist. Mike Leigh ist ein langjähriger Cannes-Gast. Mit "Lügen und Geheimnisse" gewann er 1996 die Goldene Palme. Jetzt kehrt er mit "Another Year" zurück - ein leises Drama, das ein Jahr im Leben eines älteren Paares (Lesley Manville und Jim Broadbent) erzählt.
Die wunderbare Charlotte Gainsbourg, die im Vorjahr für ihre waghalsige Rolle in "Antichrist" ausgezeichnet wurde, ist in diesem Jahr mit "The Tree" mit von der Partie. In der Verfilmung von Judy Pascoes Roman "Die Geschichte vom großen Baum" spielt Gainsbourg eine Frau und Mutter einer kleinen Tochter, die mit dem Tod ihres Mannes fertig werden muss. Regisseurin Julie Bertuccelli ist in diesem Jahr die einzige Frau im Wettbewerb - ihr Werk läuft als Abschlussfilm jedoch außer Konkurrenz.
Außer Konkurrenz präsentiert das Festival drei prominente US-Produktionen: "Robin Hood", der das Erfolgsduo Ridley Scott und Russell Crowe nach "Gladiator" erneut für ein historisches Abenteuer vereint, wurde als Eröffnungsfilm ausgewählt. Eine beeindruckend düstere Neuerzählung der klassischen Geschichte um den legendären Bogenschützen aus dem Sherwood Forest - der nur einen Tag nach der Cannes-Premiere offiziell anläuft.
Während Robin Hood sich für die Armen einsetzt, geht es den Protagonisten in Oliver Stones "Wall Street - Geld schläft nicht" dagegen um den schnellen Reichtum ohne Rücksicht auf Verluste. Michael Douglas kehrt 22 Jahre nach dem ersten "Wall Street"-Film in den Börsen-Kosmos zurück mit seiner Paraderolle als Gordon Gecko, der mächtig Eindruck auf den ambitionierten Börsen-Neuling Jacob (Shia LaBeouf) macht.
Eine Rückkehr an die Croisette gibt es auch für einen weiteren New Yorker Regisseur: Altmeister Woody Allen präsentiert seinen in London angesiedelten Beziehungsreigen "You Will Meet a Tall Dark Stranger", eine starbesetzte Komödie mit Antonio Banderas, Naomi Watts, Josh Brolin, Sir Anthony Hopkins und Freida Pinto (der schönen Latika aus "Slumdog Millionär").
Ein Ereignis der besonderen Art wird die Vorführung von "Carlos - Der Schakal" - der in der vollen Länge von über fünf Stunden außer Konkurrenz gezeigt wird. Regisseur Olivier Assayas hat jahrelang für den Politthriller über den Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, genannt "Carlos, der Schakal" recherchiert, der in den 70er Jahren zu den meistgesuchtesten Terroristen gehörte und u. a. Drahtzieher des Anschlag auf das OPEC-Hauptquartier in Wien war und seit 1994 in Haft sitzt. Da der Film als deutsche Koproduktion entstand, gehören zum internationalen Cast rund um Edgar Ramirez auch namhafte deutsche Jungschauspieler wie Christoph Bach, Nora von Waldstätten und Julia Hummer.
Apropos Deutsche: In diesem Jahr ist zwar kein deutscher Regisseur im Wettbewerb vertreten. Doch "Mein Glück" des Weißrussen Sergei Loznitsa ist eine multinationale Koproduktion, an der die Leipziger Firma ma.ja.de federführend beteiligt ist. Erzählt wird die Geschichte eines Fernfahrers, der auf seiner Reise durch Russland in eine Spirale der Gewalt und Willkür gerät.
Darüber hinaus sind deutsche Firmen bei diversen weiteren Wettbewerbstiteln als Koproduktionspartner in Cannes dabei. In die offiziellen Nebenreihe Un Certain Regard wiederum wurden mit Christoph Hochhäusler und Oliver Schmitz zwei deutsche Regisseure eingeladen. Hochhäusler wurde mit seinen ersten beiden Filmen der sogenannten Berliner Schule zugerechnet, deren Werke eine formale Strenge verband. In seinem dritten, in Frankfurt gedrehten Spielfilm "Unter dir die Stadt" entspinnt sich eine Menage-à-Trois zwischen Nicolette Krebitz, Robert Hunger-Bühler und Mark Waschke.
Oliver Schmitz, der sich mit den Komödien-Serien "Türkisch für Anfänger" und "Doctor's Diary" einen Namen gemacht hat, kehrt für "Life, Above All" in sein Geburtsland Südafrika zurück und erzählt die Geschichte einer Zwölfjährigen, die in einem kleinen Dorf mit einem dunklen Geheimnis konfrontiert wird.
So fügt sich das Programm also tatsächlich zum globalen Dialog, den Festivalchef Frémaux sich für die diesjährige Cannes-Ausgabe ja ausdrücklich wünscht.
Sie sorgte für die deutsche Version des berühmten Diner-Orgasmus von Meg Ryan in "Harry & Sally", als sie sich in "Mädchen Mädchen", auf dem...
Deutscher Schauspieler und Drehbuchautor, der sich 2011 an sein Regiedebüt wagt. Sympathisch, smart und gutaussehend, hat sich der...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.