Vincent Cassel
Monica Bellucci
Tchéky Karyo
Regie: Jan Kounen
Verleih: Senator
Dobermann und seine fünfköpfige Gang sind von Beruf Bankräuber. Keiner konnte die schrillen sechs je dingfest machen, auch wenn sie ihre Freizeit in einem angesagten Pariser Techno-Tempel verbringen. Da wird Inspektor Christini, ein echter Bluthund, auf sie angesetzt. Nicht eben zimperlich zwingt er einen mit Dobermann befreundeten Transvestiten, ihn zu verraten...

Kein Tierhorrorfilm aus dem "Anaconda"-Kielwasser, und auch kein
weiteres Beziehungsdrama aus den Hinterhöfen von Paris erwartet den Zuschauer im Kinodebüt des jungen Franzosen Jan Kounen. Statt dessen
wirft der freche Neuling einen Molotowcocktail aus bluttriefender Popcorngewalt, plakativer Gesellschaftssatire und triefendem gallischen
Zynismus auf die Leinwand. Und im Gegensatz zu den Gehversuchen anderer Tarantino-Epigonen hat er damit sogar Erfolg.
Dobermann, bürgerlicherseits Yann Lepentrec, hat es für seine jungen Jahre weit gebracht. Sein Unternehmen ernährt fünf Mitarbeiter, setzt jährlich etliche Millionen um und beschäftigt praktisch alleine eine komplette staatliche Behörde. Dobermann ist nämlich von Beruf
Bankräuber und als solcher sehr erfolgreich. So erfolgreich, daß ihm die Polizei immer noch keine Handschellen anlegen konnte, obwohl sein
Anwesen rund um die Uhr aus allen Perspektiven beobachtet wird und der
gesuchte Staatsfeind numero uno für jeden Szenegänger offenkundig im schrillsten Techno-Bunker zu Paris residiert. Das kann natürlich auf Dauer nicht gut gehen, zumal Vater Staat soeben den rechten Mann zum
Ermittlungsleiter im Fall Dobermann beordert hat: Inspektor Christini, ein wahrer Terminator in Polizeiuniform, der verdächtigen Familienvätern
zur Beschleunigung der Aussage schon mal mit plötzlichem Kindstod droht, nimmt den Verdächtigen ins Visier und verspricht binnen kürzester Zeit Nägel mit Köpfen. Ein Bankraub, von dem die Fahnder wissen, daß er stattfinden wird (nur wo, wissen sie leider nicht), entpuppt sich erst einmal als verheerender Fehlschlag. Dobermann und seine Gang drehen den Flics mit der Beute eine lange Nase, während mehrere tote Kollegen buchstäblich auf der Strecke bleiben. Von nun an werden keine Gefangenen
mehr gemacht: Mit Brachialgewalt foltert sich Christini quer durch Dobermanns polizeibekannten Freundeskreis, bis das Versteck endlich herausgequetscht ist und mitten im buntesten Pariser Nachtleben das
blutigste Feuergefecht seinen Lauf nimmt, das die französische Filmgeschichte trotz vereinzelter Abstecher in den Splatterfilm je
gesehen hat. Inhaltlich hat Jan Kounen mit seinem Erstling gewiß nicht das Rad erfunden, aber das erwartet von einem Genrefilm mit dem
Exploitationquotienten von "Dobermann" ja auch keiner. Daß es nach "Love and a 45", "True Romance" und "Natural Born Killers" trotzdem soviel Spaß macht, nun auch noch diese Meditation zum strapazierten Thema
amoklaufendes Gangsterpärchen anzusehen, liegt nicht nur an den engagierten Darstellern und der technischen Klasse, die für ein Debüt
geradezu erschreckend gelackt wirkt. Vielmehr sind es die vielen kleinen Abweichungen von der amerikanischen Schablone, die "Dobermann" erst zu jenem Erfolgsgemisch veredeln, das ein eingeschworenes Genrepublikum alle Contenance vergessen und mitten im dunklen Saal lauthals losjubeln läßt (so geschehen zuletzt beim Fantasy Filmfest in München). Für jeden Geschmack ist das freilich nicht. Die FSK-Dame, die sich bei "Mann beißt Hund" übergeben mußte, darf die Papiertaschentücher schon einmal in Reichweite legen. ab.
| Darsteller: | Vincent Cassel | als Dobermann | |
|---|---|---|---|
| Monica Bellucci | als Nat la Gitane | ||
| Tchéky Karyo | als Christini | ||
| Antoine Basler | als Moustique | ||
| Dominique Bettenfeld | als Abbe | ||
| Chick Ortega | als Pitbull | ||
| Stéphane Metzger | als Sonia | ||
| Marc Duret | als Inspecteur Baumann | ||
| Romain Duris | |||
| Patrick Rocca | |||
| François Levantal | |||
| Ivan Merat-Barboff | |||
| Roland Amstutz | |||
| Pascal Demolon | |||
| Florence Thomassin | |||
| Jean Lescot | |||
| Regie: | Jan Kounen | ||
| Drehbuch: | Joel Houssin | ||
| Produzent: | Frédérique Dumas-Zajdela | ||
| Éric Névé | |||
| Ausf. Produzent: | Marc Baschet | ||
| Kamera: | Michel Amathieu | ||
| Schnitt: | Bénédicte Brunet | ||
| Musik: | Schyzomaniac | ||
| Produktionsdesign: | Michel Barthélémy | ||
Nach ihrem beeindruckenden Auftritt in "Gosford Park" kehrt Kristin Scott Thomas wieder auf die große Kinoleinwand zurück. In "Arsene Lupin" stiehlt sie einem waschechten Meisterdieb das Herz.
Kristin Scott Thomas spielt in der französischen Actionkomödie "Arsene Lupin" die verführerische Gräfin Cagliostro, in die sich der Titelheld verliebt. Natürlich hat es die durchtriebene Adelige nicht auf eine gemeinsame Zukunft mit Lupin abgesehen. Sie will sich nur der einzigartigen Fähigkeiten des Langfingers bedienen, um einen wertvollen Kunstschatz in ihre Gewalt zu bringen.
In die Rolle des Arsene Lupin schlüpft Romain Duris ("Dobermann"). Die Chance für den französischen Leinwand-Star, auch international auf sich aufmerksam zu machen. Er wirkte bereits in "Le Divorce" von James Ivory mit - allerdings hatte er neben Stars wie Kate Hudson, Glenn Close und Naomi Watts nur in einen Mini-Auftritt.
Um sich für größere Projekte zu empfehlen, ist "Arsene Lupin" sicherlich ein gutes Karriere-Sprungbrett: Denn der geniale Verbrecher wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Maurice Leblanc erfunden und erfreut sich seitdem größter Beliebtheit. Über die Figur existieren bereits mehrere Fernsehserien, Comics und sogar ein Kinofilm ("Gezeichnet: Arsène Lupin" von Yves Robert).
Jetzt muss also nur noch Regisseur Stephane Marsil ganze Arbeit leisten. Denn falls die Actionkomödie ein Erfolg wird, kann sich Romain Duris auf rosige Zeiten freuen.
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