Moritz Bleibtreu
Kasia Smutniak
Max Riemelt
Regie: Dennis Gansel
Verleih: Universal
Paul Jensen heuert bei einer Moskauer Zeitschrift für die Party- und People-Seiten an. Kaum hat der Berliner dort angefangen zu arbeiten, wird er Zeuge eines Mordes an einem Politjournalisten und weil er sich in seine Kollegin Katja verliebt hat, druckt er einen von ihr vorgeschlagenen und vom Chefredakteur abgelehnten Nachruf auf den Verfechter der Wahrheit auf seinen Seiten ab. Katja nimmt Paul mit zu einer Demo, stellt ihm ihre politisch engagierten Freunde vor. Da wird Paul nach einem Bombenanschlag in der U-Bahn als Verdächtiger festgenommen.

Der Politthriller zur Präsidentschaftswahl in Russland sozusagen: Der in Moskau angesiedelte "Die vierte Macht", mit dem der Regisseur und Drehbuchautor Dennis Gansel ("Die Welle", "Napola") zu den Anfängen seiner Karriere zurückkehrt, als er mit "Das Phantom" auf sich aufmerskam machte, schildert u. a., wie der Wahlkampf mit Meldungen zum Antiterrorkampf befeuert wird. Das ist einer von mehreren Handlungsfäden und Genreversatzstücken, die Gansel aufgreift und über seine Hauptfigur verbindet. Moritz Bleibtreu spielt den Journalisten Paul Jensen aus Berlin,
dessen Perspektive auch der Zuschauer einnimmt und der in Moskau bei einer renommierten Zeitung die Peopleseiten übernimmt. Doch der Blick ins ausschweifende Partyleben der Neureichen ist nur eine Ouvertüre. Nachdem Paul Zeuge eines Mordes an einem Politjournalisten wird, druckt er,
aufgestachelt von einer attraktiven Kollegin (Kasia Smutniak), der er imponieren will, einen wenig opportunen Nachruf und sticht in ein Wespennest. Nach einem Bombenanschlag in der U-Bahn wird er als Terrorverdächtiger festgenommen. An dieser Stelle wandelt sich der Film zum harten Knastthriller, in dem sich Paul mit Wärtern, aggressiven Mitinsassen (charismatisch: Mark Ivanir) und seiner Panik arrangieren muss, bevor Flucht und der Versuch der Aufklärung der Hintergründe folgen und parallel die Geschichte von Pauls Vater, eines aufrechten DDR-Journalisten, aufgerollt wird.
Das sind vielleicht etwas zu viele Handlungsstränge, um sie alle konsequent zu Ende und ganz ohne Reibungen zu erzählen. Doch das Genrestück ist spannend, souverän
erzählt und zugkräftig besetzt - neben Bleibtreu sind etwa Max Riemelt und kurz Stipe Erceg zu sehen- und hervorragend ausgestattet von Matthias Müsse und seinem
Team, die gleichermaßen hippe und puliserende Partylocations wie klaustrophobisch düstere Knastzellen bestücken und greifbar echt wirken lassen. hai.
| Darsteller: | Moritz Bleibtreu | als Paul Jensen | |
|---|---|---|---|
| Kasia Smutniak | als Katja | ||
| Max Riemelt | als Dima | ||
| Rade Serbedzija | als Onjegin | ||
| Stipe Erceg | als Vladimir | ||
| Mark Ivanir | als Aslan | ||
| Cosima Shaw | als Andrea Berger | ||
| Michael Ihnow | als FSB Officer | ||
| Regie: | Dennis Gansel | ||
| Drehbuch: | Dennis Gansel | ||
| Produzent: | Thomas Peter Friedl | ||
| Nina Maag | |||
| Prof. Nico Hofmann | |||
| Kamera: | Daniel Gottschalk | ||
| Schnitt: | Jochen Retter | ||
| Musik: | Heiko Maile | ||
| Produktionsdesign: | Matthias Müsse | ||
| Kostüme: | Natascha Curtius-Noss | ||
| Maske: | Jeanette Latzelsberger | ||
| Ton: | Patrick Veigel | ||
| Casting: | Nessie Nesslauer | ||
| Nina Haun | |||
Nach dem Vampirfilm "Wir sind die Nacht" inszenierte Dennis Gansel mit "Die vierte Macht" einen Polit-Thriller fürs Kino und schätzt sich glücklich als einer der wenigen Regisseure in Deutschland überhaupt Genre-Filme machen zu dürfen.
Moritz Bleibtreu gerät in Dennis Gansels Thriller "Die vierte Macht" in die tödlichen Wirren der russischen Politik (Foto: Kurt Krieger)
Wie war es, in Englisch zu drehen und inwieweit hat es sich auf den Verkauf ausgewirkt?
DENNIS GANSEL: Es lag auf der Hand, "Die vierte Macht" in Englisch zu drehen nachdem nur Moritz Bleibtreu einen Deutschen spielte. Ich hatte am Anfang zwar ein bisschen Angst davor, nicht in meiner Muttersprache zu drehen, aber es war erstaunlich einfach. Wir hatten Sprachcoaches vor Ort - für Russisch und Englisch - und außerdem konnte ich mich zur Not mit dem Hauptdarsteller ja auf Deutsch verständigen.
Wie sind Sie an die internationalen Schauspieler herangekommen?
Über das Buch. Und bei Schauspielern wie Rade Serbedzija, die viel beschäftigt sind, hatten wir einfach Glück, dass sie neben der Lust auch die Zeit hatten. Bei Stoffen wie diesen stößt man bei Schauspielern auf größtes Interesse.
Warum haben Sie in Kiew statt in Moskau gedreht?
Moskau ist einfach zu teuer. Die großzügige Unterstützung durch die Förderer hat uns ermöglicht auf hohem Niveau in Deutschland zu drehen. Hätte mir jemand 30 Mio. Euro Budget in die Hand gedrückt, hätte ich auch in Russland gedreht. So hatten wir nur drei Tage in Moskau, und einen Tag davon hat uns Moritz geschenkt.
Wie sind die Drehbedingungen in der Ukraine?
Ähnlich wie in Deutschland. Aber bekommt man es mit der ukrainischen Mafia zu tun, dann verteuert sich plötzlich ein Drehort um das Zehnfache. Sonst kann ich fast nur Positives berichten. Die Crews sind unglaublich gut, die Menschen offen und lebenslustig. Schade, dass die Chancen der orangenen Revolution so vertan wurden.
Wie in "Wir sind die Nacht" gibt es einige tolle Locations, wie etwa den Nachtclub.
Der Club war das Motiv, bei dem es die gerade genannten Probleme gab. Wir drehten die Szenen schließlich in einer leer stehenden Kirche in Friedrichshain. Produktionsdesigner Matthias Müsse und sein Team haben sich selbst übertroffen. Ihr Budget musste vor Dreh noch mal stark gekürzt werden und trotzdem haben sie Berlin als Moskau überzeugend hinbekommen.
Musste im Schnitt viel gekürzt werden?
Wir hatten erst 150 Minuten. Auf der DVD wird also viel mehr zu sehen sein. Es ging vor allem darum, einen Unterhaltungsfilm zu machen und die Spannung zu halten. So haben wir etwa am Detailreichtum bei der Schilderung der Mechanismen des internationalen Terrorismus gespart und beim Anfang gekürzt.
Einen Genrefilm zu machen, ist in Deutschland ein Wagnis. Auch Ihr "Wir sind die Nacht" blieb unter den Erwartungen.
"Wir sind die Nacht" war ein Flop. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich überlege, wie viel Arbeit wir hineingesteckt haben und wenn man auf der anderen Seite sieht, welch Chance man gehabt hätte wäre das Timing nicht so unglücklich gewesen. Der Stoff war ja deutlich älter als "Twilight". Es muss doch im deutschen Kino noch etwas anderes geben außer Komödien! Umso glücklicher war ich, als Nina Maag und UFA Cinema "Die vierte Macht" machen wollten. Ich wünsche mir eine Kinotradition wie in Frankreich, wo es von der Klamotte über den Thriller bis zu "The Artist" alles gibt. In Deutschland ist das nicht so. Ich gehöre zu den wenigen Glücklichen, die überhaupt Genrefilme fürs Kino drehen dürfen. Tolle Thrillerideen scheitern oft schon bei der Drehbuchförderung. Für einen Film wie "Die vierte Macht" muss man marketingtechnisch viel mehr machen als z.B. für eine Schweighöfer-Komödie. Da gibt es ja bereits ein Grundpublikum, was perfekt beworben wird. Bei Thrillern fängt man bei null an.
Welches Filmprojekt gehen Sie in diesem Jahr an?
Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Die Verfilmung von Todd Strassers "Give a Boy a Gun" treiben wir voran. Es gibt auch noch andere Ideen und Projekte. Eines davon sollte sich im Laufe des Frühjahrs konkretisieren. Ich würde jedenfalls ungern dieses Jahr pausieren.
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