Andreas Kiendl
Andrea Wenzl
Emily Cox
Regie: Marie Kreutzer
Verleih: ThimFilm (24 Bilder)
Als ihr Vater Hans stirbt, versammeln sich im halbverfallenen Landhaus in einem österreichischen Tal die vier (Halb-)Geschwister. Zusammen übernachten sie samt Anhang bei Hans' jüngerer Lebensgefährtin in der heruntergekommenen Kindheitsstätte - und schnell brechen alte Wunden wieder auf. Die Geschwister, die sich seit Langem aus den Augen verloren haben, erinnern sich an die gemeinsamen Kindertage, die nach außen hin wie ein 68er-Paradies wirkten, in Wirklichkeit aber mehr einer Hippie-Hölle glichen.

Marie Kreutzer begutachtet das Erbe der 68er, indem sie vier (Halb)Geschwister nach dem Tod des Erzeugers über ihre Kindheit in einer Kommune nachsinnen und damit abrechnen lässt.
Hans liegt im Sterben, doch freundliche Worte für seinen Sohn Niki hat er keine übrig. In den Stunden nach seinem Ableben finden sich die anderen drei erwachsenen Geschwister in dem halbverfallenen Landhaus in einem idyllischen Tal irgendwo in Österreich ein. Sie sind nun offiziell vaterlos, aber vielleicht waren sie das auch schon lange zuvor: Vito und die neurophysisch beeinträchtigte jüngste Tochter Mizzi staunen über das Erscheinen der vor 20 Jahren aus der WG verstoßenen Kyra, haben sich aber selbst längst aus den Augen verloren. Während der Vorbereitungen zur Beerdigung nächtigen sie samt Anhang bei Hans' jüngerer Lebensgefährtin in der heruntergekommenen Kindheitsstätte; jeder bockt gehörig und trägt seine Vorwürfe mit sich herum - eine gefährliche Gemengelage, die Züge von Vinterbergs "Das Fest" und erst recht Steinbichlers "Hierankl" trägt. Die Abrechnung kann beginnen.
Es obliegt - der als einzigen wirklich sympathisch gezeichneten - Mizzi, die das Herz auf der Zunge trägt, die schwierige Familienhistorie zu ergründen. Denn die schwierigen Blutsverwandten geben sich maulfaul. Fragen sind unerwünscht, es wird verdrängt und vertuscht. Ein alternatives 68er-Paradies, wie die goldgelben Rückblenden zunächst suggerieren, war die Vergangenheit nicht. Schon mehr eine Art Hippie-Hölle, in der sich ein Kollektiv um den rücksichtslosen Selbstverwirklicher Hans gruppierte. Die emotional verheerenden Folgen dieses regellosen Miteinanders trägt die Nachfolgegeneration, die das verantwortungslose Verhalten ihrer Eltern ausbaden muss.
Die verkorkste Familienbande scheitert nun selbst, diese Kommunen-Utopie wieder aufleben zu lassen, derweil Spielfilmdebütantin Kreutzer viele aufwühlende Geheimnisse aus lauter kleinen Puzzlestücken zusammensetzt. Dass sie kein Traktat im Sinn hat, sondern ein sehr menschlich nachvollziehbares Drama, das von den Charakteren angetrieben wird, ermöglicht ein Psychogramm um Schuld und Niedertracht, was andernfalls zur Kommunen-Seifenoper verkommen wäre. Wie sich die Erbengemeinschaft gegenseitig piesackt und so manche böse Überraschung erlebt, daran arbeitet sich Kreutzer mitunter etwas zu verbissen ab, im Schlussakt droht die Groteske. Aber ihre genau beobachtete Geschwisterstudie kennt jede Tücke des Miteinanders und das spielwütige Ensemble entlarvt alle Unverfänglichkeiten als pure Illusion. tk.
Die Schauspielerin Emily Cox gilt als Schauspiel-Shootingstar. Die zierliche Britin machte unter anderem im Fernseh-Doku-Drama "Dutschke" und im...
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