Hannelore Elsner
Tonio Arango
Michael Gwisdek
Regie: Oskar Roehler
Verleih: Advanced (Filmwelt)
Hanna war eine berühmte Schriftstellerin, einstmals von der Kulturschickeria geliebt und hochgelobt. Sie träumte von geistiger und sozialer Utopie in der DDR. Als die Mauer fällt, bricht ihre Traumwelt, in die sie sich zurückgezogen hatte, langsam zusammen. Als sie auch ihre geheuchelte Souveränität nicht mehr aufrechterhalten kann, ihre Verzweiflung durchbricht, bringt sie sich um.

Szene-Regisseur Oskar Roehler legt die Rolle des "agent provocateur" ab. Nach den schrillen Filmen "Silvester Countdown" und "Gierig" zeigt er sich jetzt verhalten. Zärtlich und gleichzeitig distanziert porträtiert er eine Frau, die auf eine persönliche Katastrophe zusteuert: Gisela Elsner, die 1992 Selbstmord beging, war eine der renommiertesten Schriftstellerinnen der 60er Jahren. Und Oskar Roehlers Mutter.
Der Roman "Riesenzwerge" macht Gisela Elsner 1964 berühmt, ihrem Leben mit Höhen und Tiefen setzte die kompromisslose Starautorin 1992 ein Ende. Sie stürzte sich aus dem vierten Stock eines Krankenhauses. Die Tochter eines Siemens-Managers verweigerte sich der großbürgerlichen Sicherheit, träumte von geistiger und persönlicher Freiheit und einer sozialen Utopie, die sie in der DDR verwirklicht glaubte. Oskar Roehler verfilmt die letzten Monate seiner Mutter als psychologisches Drama über einen Menschen, der sich nicht selber lieben kann und deshalb auch nicht geliebt wird, sich im Unglück wie ein Tier zurückzieht und leidet. Die Hanna Flanders alias Gisela Elsner, für die mit dem Mauerfall eine Welt zusammenbricht, spielt Hannelore Elsner (nicht mit der Schriftstellerin verwandt). Auf ihr emotionsstarkes Gesicht, ihre fahrigen Gesten, ihre tieftraurigen Augen fokussiert sich die Kamera in schmerzender schwarz-weiss-Optik. Das Psychogramm einer am Unverständnis der Gesellschaft und sich zerbrechenden Frau wird zum Erklärungsversuch darüber, wie ein Mensch den Halt verliert, keine Kraft mehr für einen neuen Anfang findet. Fast brutal zeichnet der Film die Stationen der Ausweglosigkeit einer alternden Intellektuellen, die am Anfang noch Souveränität heuchelt, und dann in ihrer seelischen Dünnhäutigkeit angreifbar und verletzbar ist, eine Frau, die sich gegen das Erwachsensein sträubte, die Scheinwelt der Realität vorzog. "Die Unberührbare" (der Arbeitstitel "Umnachtung" traf besser auf den Punkt) ist ein Nachruf auf eine Generation, die den Paradigmenwandel nicht verstehen wollte und sich an Ideologien festklammert. Gleichzeitig auch eine Abrechnung mit der Kulturschickeria und ihrer Oberflächlichkeit, in der nur der Erfolg von Heute zählt. Hannelore Elsner, die man leider zu wenig auf der großen Leinwand sieht, trägt den Film durch ihre starke Präsenz. Auch wenn manche experimentellen Kamerabewegungen irritieren, gehört dieses subtil inszenierte Drama zum Besten, was der deutsche Film derzeit bietet. mk.
| Darsteller: | Hannelore Elsner | als Hanna | |
|---|---|---|---|
| Tonio Arango | als Ronald | ||
| Michael Gwisdek | als Joachim | ||
| Jasmin Tabatabai | als Meret | ||
| Nina Petri | als Grete | ||
| Lars Rudolph | als Viktor | ||
| Claudia Geisler | als Carmen | ||
| Mathieu Carrière | als Niels | ||
| Helga Göring | als Mutter | ||
| Charles Régnier | als Vater | ||
| Regie: | Oskar Roehler | ||
| Drehbuch: | Oskar Roehler | ||
| Produzent: | Käte Ehrmann | ||
| Ulrich Caspar | |||
| Kamera: | Hagen Bogdanski | ||
| Schnitt: | Isabel Meier | ||
| Produktionsdesign: | Birgit Kniep | ||
| Kostüme: | Tabea Braun | ||
| Ton: | Ehud Banai | ||
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