Originaltitel: The Magdalene Sisters
Großbritannien 2002
Geraldine McEwan
Dorothy Duffy
Anne-Marie Duff
Regie: Peter Mullan
Verleih: Concorde
Irland 1964. Weil sie angeblich gesündigt haben, landen drei junge Frauen hinter den düsteren Mauern des Magdalenen-Heims für "gefallene Mädchen" in Dublin. Rose (Dorothy Duffy) brachte ein uneheliches Kind zur Welt, die attraktive Bernadette (Nora-Jane Noone) wagte einen Flirt auf dem Schulhof und Margaret (Anne-Marie Duff) hat nichts anderes verbrochen, als von ihrem Cousin vergewaltigt zu werden. Nun sind die drei auf Gedeih und Verderb einem unmenschlichen Terrorregime sadistischer Betschwestern ausgeliefert.
Noch bis in die 90er Jahre betrieb die katholische Kirche mit Billigung der Regierung in Irland Folteranstalten zum Lobe des Herren, aber für die dafür verantwortlichen Herrschaften im Talar ist natürlich nicht die Kirche, sondern Regisseur Peter Mullan der Bösewicht. In Venedig ausgezeichneter Pflichtfilm für Christenmenschen aller Couleur.

Als glorreicher Sieger der 59. Biennale von Venedig ging etwas überraschend Peter Mullans "The Magdalene Sisters" hervor. Die erschütternde Geschichte um vier irische Mädchen, die von ihren Familien auf Lebenszeit in eine von Nonnen geführte Wäscherei abgeschoben werden, erhielt auf dem Lido den Goldenen Löwen. Damit setzte sich das mitreißende Werk, das wegen seiner offenherzigen Kritik an der katholischen Kirche prompt mit einem Rüffel aus dem Vatikan abgemahnt wurde, gegen Favoriten wie Takeshi Kitanos "Dolls" oder Patrice Lecontes "L'homme du train" durch. Dank dieser hohen Auszeichnung dürfte es nun ein Leichtes sein, einen deutschen Verleih dazu zu bewegen, sich dieser zwar schwierigen, aber um so bedeutungsvolleren Thematik anzunehmen.
"The Magdalene Sisters" markiert die zweite Regiearbeit des schottischen Schauspielers Peter Mullan, der als Anti-Held von Ken Loachs "My Name Is Joe" 1998 in Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet und durch Parts in Danny Boyles "Trainspotting" oder Mel Gibsons "Braveheart" auch international bekannt wurde. Er entführt den Zuschauer ins bigotte Irland der frühen sechziger Jahre, wo Mädchen von ihren Angehörigen in von Schwestern betriebene Klosterwäschereien gesteckt wurden. Dort sollten sie, unter erbärmlichsten Bedingungen, den Schikanen, Schlägen und sexuellen Übergriffen von Nonnen und Priestern schutzlos ausgesetzt, meist bis ans Ende ihres Lebens für ihre Sünden büßen. Die "Vergehen" der Mädchen bestanden zumeist darin, unverheiratet schwanger oder vergewaltigt geworden zu sein. Aber es gab auch andere "triftige" Gründe, wie etwa zu gutes oder zu schlechtes Aussehen, zu viel oder zu wenig Intelligenz. Im Zentrum der Story stehen vier Frauenschicksale: Margaret (Anne-Marie Duff), die sich geweigert hatte, ihrem Cousin gegenüber "gefügig" zu sein, Rose (Dorothy Duffy), deren gerade geborenes, uneheliches Kind zur Adoption freigegeben wurde, Bernadette (Nora-Jane Noone), die durch ihr apartes Äußeres die Jungs im Waisenhaus kirre gemacht hatte und schließlich die etwas unterbelichtete Crispina (Eileen Walsh), die von ihrem Sohn getrennt wurde und nun für die sexuelle Befriedigung des örtlichen Priesters zuständig ist. Letzterer wird in einer unglaublich nahegehenden Sequenz entlarvt: Darin entledigt sich der Geistliche bei einer Freiluftmesse panikartig sämtlicher Kleider, da diese zuvor von den Mädchen mit giftigem Efeu behandelt worden waren. Und Crispina brüllt dem Gottesmann dabei immer wieder entgegen: You are not a man of God, You are not a man of God... Am Ende des Films, das ein wenig an Milos Formans Meilenstein "Einer flog über das Kuckucksnest" erinnert, wird es lediglich zwei jungen Frauen gelingen, aus diesem Vorhof zur Hölle zu fliehen...
Mullan, der seinen formal äußerst sorgfältig gestalteten Film bewusst wie eine Dokumentation aufbaut und sich dabei auf das Schicksal dieser vier grundverschiedenen Mädchen konzentriert, betont, dass sein Werk "zwar fiktiv ist, leider aber eine wahre Geschichte erzählt." Von einem vorzüglichen Ensemble, das allein schon preiswürdig gewesen wäre, getragen, hat man in den letzten Jahren selten eine derartige aufrüttelnde, auf den Magen schlagende true story gesehen, die sich ob ihrer inhaltlichen Sprengkraft eigentlich einer "normalen" Kritik verweigert. Lichtblick: Das letzte der Magdalene-Klöster wurde 1996 (!) geschlossen. lasso.
| Darsteller: | Geraldine McEwan | als Schwester Bridget | |
|---|---|---|---|
| Dorothy Duffy | als Patricia/Rose | ||
| Anne-Marie Duff | als Margaret Maguire | ||
| Eileen Walsh | als Crispina | ||
| Nora Jane Noone | als Bernadette | ||
| Daniel Costello | als Pater Fitzroy | ||
| Mary Murray | als Una | ||
| Britta Smith | als Katy | ||
| Frances Healy | als Schwester Jude | ||
| Eithne McGuinness | als Schwester Clementine | ||
| Phyllis McMahon | als Schwester Augusta | ||
| Rebecca Walsh | |||
| Eamonn Owens | |||
| Chris Simpson | als Brendan | ||
| Sean Colgan | |||
| Regie: | Peter Mullan | ||
| Drehbuch: | Peter Mullan | ||
| Produzent: | Frances Higson | ||
| Koproduzent: | Alan J. Wands | ||
| Ausf. Produzent: | Ed Guiney | ||
| Paul Trijbits | |||
| Kamera: | Nigel Willoughby | ||
| Schnitt: | Colin Monie | ||
| Musik: | Craig Armstrong | ||
| Produktionsdesign: | Mark Leese | ||
| Jean Kerr | |||
| Caroline Grebbell | |||
| Kostüme: | Trisha Biggar | ||
| Ton: | Colin Nicholson | ||
| Casting: | Lenny Mullan | ||
Das letzte Champagnerglas war noch nicht geleert, da verwandelte sich der große Triumph in einen handfesten Skandal: Der britische Regisseur Peter Mullan schildert in seinem "Magdalene Sisters" das Leiden junger Mädchen in einem katholischen Erziehungsheim - und das derart kunstvoll und eindringlich, dass ihn die Jury der 59. Filmfestspiele in Venedig dafür mit dem Goldenen Löwen für den besten Film auszeichnete.
Doch im Vatikan gehen die Wächter der abendländischen Moral deswegen auf die Barrikaden: Der Film sei "historisch nicht korrekt". Die Jury der Biennale setze mit dieser Entscheidung ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel und riskiere den Status der gesamten Festspiele.
Mullan wies diese Drohung zurück: Nicht der Film sei ein Skandal, sondern das, was die katholische Kirche in Irland getan hat. Auch Festival-Direktor Moritz de Hadeln schloss sich Mullans Meinung an: Schon die Boxofficezahlen von "Magdalene Sisters" zeigten, dass das italienische Kinopublikum genauso denke.
Der Film stellt dar, wie ein katholisches Konvent auf die schiefe Bahn geratene Mädchen und Frauen mit höchst zweifelhaften Methoden "wieder auf den rechten Weg bringt."
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.