Originaltitel: The Usual Suspects
USA 1995
Stephen Baldwin
Gabriel Byrne
Chazz Palminteri
Regie: Bryan Singer
Verleih: Columbia Tristar
Ein Quintett stadtbekannter Ganoven steht im Mittelpunkt eines mißlungenen Drogendeals und der Entlarvung zweier korrupter Polizeibeamter. Alle Spuren führen zum gefürchteten Gangsterboß Keyser Soze, den noch nie jemand gesehen hat, dessen Name aber selbst die gewieftesten Gangster erschaudern läßt.

Die "Pulp Fiction"-Entzugserscheinungen werden bald gelindert: Mit dem cleversten Zelluloidvergnügen seit Tarantinos Meisterwerk liefert US-Indie-Kollege Bryan Singer in seinem ebenfalls zweiten Film, "The Usual Suspects", eine Achterbahn für Auge, Ohr und Kopf. In Singers Sundance-Hit gibt es zwar wenig zu lachen, aber die mehrschichtige Intelligenz seiner Gangstergeschichte steht "Pulp Fiction" keine Sekunde nach. Wenn in einem relativ kleinen Film eines relativ unbekannten Regisseurs ein Haufen namhafter, erstklassiger Schauspieler auftaucht, darf man auf Qualität hoffen. Wie Tarantino bei "Reservoir Dogs" hat es Singer bei "The Usual Suspects" geschafft, exzellente Mimen für sich zu gewinnen: Chazz Palminteri, Gabriel Byrne, Giancarlo Esposito, Kevin Pollak, Stephen Baldwin, Kevin Spacey, Pete Postlethwaite und - Entdeckung! - Benicio Del Toro liefern Schauspielkunst der seltenen Güte. Allein sie zu beobachten, macht Singers Film zum Erlebnis. Aber damit fängt der Spaß erst an: Newton Thomas Sigels geheimnisvoll-brodelnde Widescreen-Bilder, die Film Noir in Farbe zelebrieren, John Ottmans atmosphärisch und dramaturgisch punktgenaue Musik sowie natürlich Christopher McQuarries elegant-ominös verschachteltes Drehbuch (mit den geschliffensten Dialogen seit "Pulp Fiction") machen aus "The Usual Suspects" ein rechtes Cineasten-Vergnügen. Die restrospektiv aufgerollte Geschichte eines klassischen deal gone bad, bei dem zwei Cops (Palminteri und Esposito), fünf Gangster (Byrne, Pollak, Baldwin, Spacey und Del Toro) sowie diverse Schergen (vor allem der satanisch anmutende Postlethwaite) mit der Wahrheit ringen, ist die Art von Film, dessen dramaturgisches und visuelles Echo einen lange verfolgt. "The Usual Suspects" erzählt nicht nur eine spannende Geschichte, er thematisiert auch gekonnt das Ur-Thema Realität und Fiktion. Dieser Film schafft es im Verlauf der vertrackten Hinführung zu seinem explosiven Ende, den Zuschauer in die vollkommene Abhängigkeit seines narrativen Spiels zu führen, um ihn am Ende in die totale kognitive Verunsicherung zu entlassen. Nichts ist, wie es scheint - diese Wahrheit des Lebens und des Films zieht "The Usual Suspects" konsequent durch: Gemeinsam mit den männlich-hilflosen Film-Opfern von Logik, Macht und Gewalt (Shakespeare läßt grüßen) verheddert der Zuschauer sich in die Sucht nach Eindeutigkeit. Nur einer, der vermeintlich im Nachteil ist und am wenigsten versteht (nochmal Shakespeare), hat am Ende allein die Fäden in der Hand - und selbst dann ist nicht sicher, ob überhaupt irgendetwas stimmt von dem, was an verschiedenen Turning Points so plausibel erschien. Eine Portion Aufmerksamkeit und Nerven sowie ein bißchen Toleranz für Gewalt braucht man für diesen Film, aber den Machern (Executive Producers: Francois Duplat und Hans Brockmann) wird klar gewesen sein, daß dies Unterhaltung für ein Publikum ist, das mehr als Gumpismus oder Van Damme vom Kinobesuch erwartet. dd.
| Darsteller: | Stephen Baldwin | ||
|---|---|---|---|
| Gabriel Byrne | |||
| Chazz Palminteri | |||
| Kevin Pollak | |||
| Pete Postlethwaite | |||
| Kevin Spacey | |||
| Suzy Amis | |||
| Giancarlo Esposito | |||
| Benicio Del Toro | |||
| Dan Hedaya | |||
| Paul Bartel | |||
| Regie: | Bryan Singer | ||
| Drehbuch: | Christopher McQuarrie | ||
| Produzent: | Bryan Singer | ||
| Michael McDonnell | |||
| Ausf. Produzent: | Robert Jones | ||
| Hans Brockmann | |||
| Art Horan | |||
| François Duplat | |||
| Kamera: | Newton Thomas Sigel | ||
| Schnitt: | John Ottman | ||
| Musik: | John Ottman | ||
In "Goldeneye" nahm sie Pierce Brosnan in die Beinschere, aktuell verdreht sie Eddie Murphy und Owen Wilson in der Agentenkomödie "I Spy" nicht nur den Kopf. Hollands Hollywood-Export Nr. 1 über Powerfrauen, Augenspiele, Ladendiebstahl und Lakritz.
» Eddie Murphy und Owen Wilson sind in "I Spy" die großen Sprücheklopfer und Witzbolde. Wie war es, neben den beiden die taffe Rachel zu spielen?
FAMKE JANSSEN: Ich bin ja im Film der Mann - ich meine die Frau - fürs Grobe. Einem Film die komische Note zu verleihen, ist wohl generell eher Sache der Jungs. Aber es war schon großartig, zwei derart brillianten Komödianten bei der Arbeit zuzusehen. Nachdem auch die Regisseurin Betty Thomas sehr locker drauf war, hatte ich bei den Dreharbeiten jede Menge Spaß.
» Sie sind für ihren elektrisierenden Blick bekannt: Erst ist ihnen Pierce Brosnan in "Goldeneye" verfallen und jetzt wickeln sie damit Owen Wilson in "I Spy" um den Finger. Haben sie da einen besonderen Trick?
Eigentlich nicht. Wenn man Augenkontakt sucht und Menschen intensiv ansieht, reicht das meistens schon - denn das macht im Alltag kaum jemand. Wenn man sich also wirklich auf das Gegenüber konzentriert, es ganz bewusst und offen fixiert, macht das viele schon ziemlich nervös.
» Der Trick ist also, sich auf den anderen einzulassen?
Klar, das ist für einen Schauspieler das Wichtigste.
» Was ist ihre Lieblingsszene in "I Spy"?
Als Owen mir den Text von "Sexual Healing" vorträgt, während Eddie ihm über einen Knopf im Ohr vorsingt.
Dabei waren wir nicht mal sicher, ob wir die Szene überhaupt drehen sollten, weil Eddie sich nicht an diesen Klassiker heranwagen wollte und Owen nicht tanzen wollte. Aber schon als ich das Drehbuch das erste mal las, war mir klar, dass das die beste Szene im Film wird. Und als ich Eddie dann am Set Marvin Gaye imitieren sah, dachte ich mir nur: "Mein Gott, das wird ein Riesenlacher!"
» Sie spielen häufig sehr entschlossene Frauen. Bietet man ihnen solche Rollen an, weil Sie in "Goldeneye" Xenia Onatopp gespielt haben, oder suchen Sie sich diese Figuren selbst aus?
Powerfrauen zu spielen macht einfach mehr Spaß. Und auch die Leute sehen im Kino gerne Menschen, die ein Ziel vor Augen haben.
Besonders für die weiblichen Zuschauer ist es interessant, wenn eine Frau ihre eigenen Regeln aufstellt und ihre Ziele verfolgt.
Sicher nimmt man mir nach "Goldeneye" einen zerbrechlichen Charakter auch nicht so leicht ab. Aber eine Frau, die keine Ahnung hat, was sie will, und auf der alle nur herumtrampeln, das würde sowieso nicht zu mir passen.
» Rachel kann sich wie Xenia auch körperlich bestens durchsetzen. Mögen Sie das besonders?
Nicht unbedingt. Jean Grey in "X-Men" ist beispielsweise eine Superheldin ohne diese physische Komponente. Ich liebe Filme, die vor allem von ihren Charakteren leben: Menschen, die man als Schauspieler von A bis Z ausloten kann - egal ob wie bei "Love and Sex" in einer Komödie oder wie bei "Sag kein Wort" in einem Drama.
» Ist Rachel in "I Spy" eine Karikatur von Xenia aus "Goldeneye"?
Nein, gar nicht. Ich habe die Rolle angenommen, weil ich Betty Thomas für eine ausgezeichnete Regisseurin halte - sie war ja selbst Schauspielerin und für mich eine echte Inspiration. Ich hatte wirklich nicht vor, mit "I Spy" die Bond-Franchise oder Xenia Onatopp nachträglich zu veräppeln. Immerhin verdanke ich der Rolle einiges.
» Sie sind Holländerin, leben aber in New York. Haben Sie jemals in ihrer Heimat gearbeitet?
Nein, außerdem ist New York für mich meine Heimat. Ich hatte zwar mal ein Angebot von Dick Maas, aber ich habe bisher immer auf Englisch gespielt. Es wäre seltsam gewesen, plötzlich auf Holländisch zu drehen. Ich habe mir meine Karriere halt in den Staaten erarbeitet.
Das heißt aber nicht, dass ich ein Drehbuch ablehnen würde, nur weil es eine europäische Produktion ist. Mein Kriterium ist da ganz einfach: Es muss ein guter Film sein.
» Sie haben Literatur studiert. Was lesen Sie?
Drehbücher - für etwas anderes habe ich kaum Zeit. Aber ich mag Nabokov und Hemingway.
Zur Zeit lese ich das Skript zu "Exposure", mein nächster Film. Es ist ein ganz kleines Independent-Projekt in Amerika, ich wäre schockiert, wenn er in Deutschland gezeigt würde. Es ist ein sehr düsterer Film über eine drogensüchtige, psychisch kranke Ladendiebin - eine große Herausforderung für mich.
» Es heißt, Sie können ganz gut Deutsch. Können Sie sich hier durchschlagen?
Leider nicht mehr. Ich dachte, ich könnte es noch - aber als ich mit meinen Schwestern beim Essen war, wollte ich ein bisschen glänzen und auf Deutsch bestellen. Gut, dass der Kellner von der geduldigen Sorte war, denn ich brauchte Stunden. Das einzige, was ich nämlich noch auf Deutsch sagen kann, ist "Wiener Schnitzel mit Kartoffeln". Blöderweise wollte das aber keiner von uns...
» Sie spielen in großen kommerziellen Filmen wie "X-Men" oder "Goldeneye", aber Sie haben auch schon mit Robert Altman und Woody Allen gearbeitet. Welche Art Filme machen Sie lieber?
"Gingerbread Man", "Celebrity" und "X-Men" haben eins gemeinsam: hervorragende Regisseure, mit denen ich unbedingt mal arbeiten wollte. Dass es im Fall von Bryan Singer halt nicht "Die üblichen Verdächtigen", sondern "X-Men" wurde, ist reiner Zufall. Ich suche mir Rollen häufig nach dem Regisseur aus, manchmal nach dem Drehbuch oder auch, weil ich eine bestimmte Figur spielen will - und, klar, manchmal geht's auch einfach darum, die Miete zu zahlen.
Ich hoffe, dass ich in Zukunft möglichst viele dieser Faktoren kombinieren kann: Der beste Regisseur, ein tolles Drehbuch, eine interessante Figur...
»...und das am besten in einem Blockbuster...
Ja, wenn das alles zusammenkäme, wäre ich im Himmel.
» Was tun Sie, wenn Sie nicht vor der Kamera stehen?
Ich gehe ins Kino. Und ich schreibe. Momentan adaptiere ich einen Roman fürs Kino. Außer dass ich selbst mitspielen werde, wird aber noch nichts verraten...
» Wenn Sie wie in "X-Men" Gedanken lesen könnten, in wessen Kopf würden Sie gerne hinein schauen?
Also zuerst mal würde ich sicher nicht wissen wollen, was die Leute über MICH denken. Aber was im Kopf so mancher Politiker vorgeht, wäre schon mal interessant.
» Verraten Sie, wen Sie da genau meinen?
Lieber nicht.
» Was wird denn mit Jean Grey in "X-Men 2" passieren?
Das ist natürlich alles streng geheim. Nur so viel: Die Dreiecksgeschichte zwischen mir, Cyclops und Wolverine wird intensiver. Und es zeigt sich, dass ich Schwierigkeiten habe, meine Kräfte zu kontrollieren.
» Haben Sie sich auf die Fortsetzung gefreut?
Na ja, wir hatten keine Wahl, weil wir uns alle schon mit dem Vertrag zum ersten Teil für "X-Men 2" verpflichtet hatten - Halle Berry, Patrick Stewart und Hugh Jackman. Ich bin sicher, dass einige lieber auf eine Fortsetzung verzichtet hätten, weil sie jetzt an einem ganz anderen Punkt ihrer Karriere sind, als damals, als sie den Vertrag unterschrieben haben.
» Was haben Sie sich für 2003 vorgenommen?
Weniger Zucker. Ich bin süchtig danach, vor allem nach Lakritz. Das Problem dabei ist, dass ich dann völlig aufgedreht bin. Aber ich hatte schon immer einen sehr hohen Grundumsatz an Nahrung.
Am Set, bei 16 bis 20 Stunden Arbeit am Tag, brauche ich alle 2 Stunden etwas zu essen. Also ist der Catering-Service hauptsächlich mit mir beschäftigt...
» Weniger Zucker, das ist alles?
Nein, ich habe auch beschlossen, mich nicht mehr so viel um die Zukunft zu sorgen und mehr im Hier und Jetzt zu leben.
» Das klingt recht fernöstlich...
Keine Ahnung, ich bin nicht religiös. Für mich hat es vor allem mit Schauspielerei zu tun: Wenn man sich in einen Menschen in einer bestimmten Situation versetzen will, muss man absolut in diesem einen Moment sein, um den es gerade geht. Dass mir das auch privat weiterhilft, ist ein schöner Nebeneffekt.
Seine Charaktere sind charismatisch, geheimnisvoll und ambivalent, und von ihren Entscheidungen hängt oft das Leben anderer ab. So auch in...
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