Originaltitel: Avant l'oubli
Frankreich 2003
Sami Bouajila
Nieve de Medina
Frédéric Pierrot
Regie: Augustin Burger
Marseille 1957. In der Stadt, in der viele Algerier leben, brodelt es: Die algerische Befreiungsfront fordert die Unabhängigkeit ihres Landes gegen den Widerstand der französischen Kolonialmacht und den der Frankreich-treuen politischen Gegner.
Die Fabrikarbeiterin Jeanne, die mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter ein beschauliches Leben führt, willigt ein, heimlich Flugblätter an die algerischen Kollegen zu verteilen. Ein kleiner Schritt mit großen Folgen.
Jeanne ist als kleines Mädchen mit ihren Eltern vor der Franco-Diktatur aus Spanien nach Frankreich geflüchtet. Die Fabrikarbeiterin hat einen liebevollen französischen Mann und eine reizende kleine Tochter.
Doch in der Seifenfabrik, wie in der ganzen Stadt, wie im ganzen Land, brodelt es: Algerische Einwanderer fordern in Frankreich den Abzug der französischen Besatzer aus ihrem Vaterland. Sie wollen für ein unabhängiges Algerien kämpfen, in Frankreich sowie in Algerien. Jeanne hat nur allzu viel Verständnis für diese Forderung. Sie fühlt sich an ihre eigene Geschichte erinnert: die Diktatur unter Franco, ihre Flucht. Sie weiß, was es heißt, sein Land aus der Ferne betrachten zu müssen.
Alles beginnt mit dem harmlosen Austeilen von Flugblättern. Sie lässt sich von Ali Redjala rekrutieren, einem führenden Mitglied des radikalen "FLN" ("Nationale Befreiungsfront"), wird zu seiner Liebhaberin und zur Aktivistin. Als der politische Konflikt zwischen Algerien und Frankreich sich verschärft, wird auch Jeanne und Alis heimliches Verhältnis immer komplizierter. Sie muss sich zwischen ihrer Familie und dem FLN entscheiden, mit tragischen Folgen.
Ihr Mann Pierre, ein kommunistischer Lehrer, verlässt sie und zieht mit ihrer kleinen Tochter zu seinen Eltern. Er ist nicht nur verletzt, weil Jeanne ihn betrogen hat; er bekommt auch Druck von seiner Partei, die den FLN politisch bekämpft. Er bricht allen Kontakt zu Jeanne ab, die ihr Kind nun nicht mehr sehen kann.
Eines Tages wird Ali unter Jeannes Augen von Handlangern der politischen Gegner des FLN, von Algeriern also, brutal ermordet. Kurz darauf wird Jeanne von der französischen Polizei verhaftet.
Nach einigen Monaten im Gefängnis wird sie entlassen. Ihr Mann Pierre, mittlerweile aus der KP ausgeschlossen, holt sie gemeinsam mit ihrer Tochter ab.
Die Geschichte der "Sympathisantin" hat sich viele Male so ereignet, es ist eine wahre Geschichte. Die in der Widmung genannte Frau, das Vorbild für die Jeanne, hat sie Regisseur Augustin Burger so erzählt. Der algerisch-französische Interessenkonflikt, der in einen grausamen Krieg münden sollte, ist hier die Folie für einen innergesellschaftlichen Skandal: Zu einem Zeitpunkt, wo gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen französischer Polizei und militanten FLN-Aktivisten an der Tagesordnung waren, lässt sich eine verheiratete Französin mit einem Algerier ein - und wird fast zum Paria.
Zum politischen Hintergrund: Der "Front de libération nationale" verfolgte seine bewaffnete Mission, Algerien von den französischen Kolonialmächten zu befreien. Andererseits thematisiert der Film auch den äußerst brutalen Bruderkampf zwischen dem FLN und den Anhängern des Führers Messali Hadj, der den sozialistisch orientierten MNA (Mouvement National Algérien) als Gegenentwurf zum FLN gründete. Zwischen den Anhängern Messalis und dem FLN kam es zu heftigen Zusammenstößen, da der FLN die MNA der Kollaboration mit der französischen Kolonialmacht beschuldigte. In Frankreich entstanden sogenannte Café-Kriege über die Kontrolle der expatriierten Gemeinde. Zwischen 1954 und 1962 haben die Auseinandersetzungen um Algerien insgesamt 13.000 Opfer gefordert.
Der Film verlagert den politischen Konflikt ins Private und lässt seine weibliche Protagonistin nach Melodram-Manier in einer Männerwelt für ihre unmögliche Liebe kämpfen, eine Liebe, die sich sowohl über gesellschaftliche Normen als auch über kulturelle und politische Distanzen hinwegsetzen muss.
Augustin Burger verbrachte seine Kindheit und Jugend zwischen Algerien, Korsika und Marseille. "Die Sympathisantin" ist nach seinen Kurzfilmen "Cours Belsunce" (1999) und "Sarah et Djemila" (1997) sein erster Spielfilm. An seiner Seite hatte er den erfahrenen Kameramann Bruno de Keyzer, der Filme wie "Alles über Adam" mit Kate Hudson (2000) und "Ein Sonntag auf dem Lande" (1984) drehte.
Quelle: ARTE, www.arte.tv
| Darsteller: | Sami Bouajila | als Ali Redjala | |
|---|---|---|---|
| Nieve de Medina | als Jeanne | ||
| Frédéric Pierrot | als Pierre | ||
| Maria Vialle | als Marie-Louise | ||
| Hammou Graïa | als Bouziane | ||
| Abel Jafry | als Abdallah | ||
| Zakariya Gouram | als Salah | ||
| Catherine Salviat | als Jeannes Mutter | ||
| Karim Belkhadra | als Ahmed Djellouli | ||
| Regie: | Augustin Burger | ||
| Drehbuch: | Augustin Burger | ||
| Produzent: | Jacques-Henri Bronckart | ||
| Jerôme Vidal | |||
| Olivier Bronckart | |||
| Kamera: | Bruno de Keyzer | ||
| Schnitt: | Khadicha Bariha | ||
| Musik: | Hugues Tabar-Nouval | ||
| Produktionsdesign: | André Fonsny | ||
| Kostüme: | Pascaline Chavanne | ||
| Ton: | Olivier Hespel | ||
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