
In der grauen Vorzeit des Kinderfernsehens, also bis etwa Mitte der Neunziger, waren die öffentlich-rechtlichen Eigenproduktionen stets geprägt vom pädagogischen Anspruch ihrer Redakteurinnen. Einer Krimiserie wie den 1999 gestarteten Hamburger "Pfefferkörnern" ist diese Haltung noch heute anzumerken. Die Geschichten sollen zwar in erster Linie spannend und unterhaltsam sein, aber ein gewisser Mehrwert kann ja nicht schaden. Deshalb kommen die Hauptfiguren bildlich gesprochen gern mal nach vorn zum Rand der Bühne und versichern ihrem Publikum, dass Mobbing "immer Scheiße" und "noch übler als Schulhofterror" sei.
Um diese Bezüge zum Kinderalltag glaubhaft hinzubekommen, sind die Geschichten eine gelungene Mischung aus echten Verbrechen und typischen aktuellen Vergehen Jugendlicher. Beispielhaft dafür ist die Folge "Gemobbt", in der ausgerechnet das moralische Vorbild Yeliz (Mira Lieb) als Schurkin dasteht. Das Mädchen setzt sich an seiner Schule für die Unterdrückten ein, hat aber anscheinend einen Mitschüler dank einer ins Internet gestellten Animation als "Bettnässer" dem allgemeinen Spott preisgegeben. Natürlich war sie's nicht, auch wenn die Spuren, die das Video im Netz hinterlassen hat, eindeutig zu ihrem Laptop führen. Doch dass ihr von der Rektorin bis hin zur eigenen Mutter alle Erwachsenen die Schandtat zutrauen, greift ein typisches Thema aus dem Kinderalltag auf: Die Großen haben sich gegen einen verschworen, und man kann nichts dagegen tun. Aber auch ihre Clique kommt nicht ungeschoren davon: Erst verdächtigen die Pfefferkörner den Schulhof-Rowdy, der allen Grund hätte, sich an Yeliz zu rächen, dann ihre Konkurrentin um den Job der Stufensprecherin.
Auch technisch ist die Serie voll auf der Höhe ihrer Zielgruppe. Ohne ihre Mobiltelefone wären die Kinderdetektive ohnehin aufgeschmissen. Kommunikation findet auch mal per Web-Cam statt, und das Komplott war nur möglich, weil sich ein kleiner Technik-Freak über Yeliz' W-Lan-Port ins Internet einwählen konnte. Plausibel erzählt ist auch die Folge mit der Gören-Gang ("Falsche Freunde"): Die weiblichen Halbstarken erpressen ein Mädchen mit Fotos, die sie per mobilem Telefon aufgenommenen haben, und zwingen sie dazu, im Lokal der Eltern von Karol (Moritz Glaser) in die Kasse zu greifen. Technik-Genie Laurenz (Tim Tiedemann) gelingt es, die Bilder mit einem cleveren Trick zu löschen.
Das Thema "Schuldlos schuldig" zieht sich wie ein roter Faden durch die Staffel: In der heutigen Auftaktfolge zur sechsten Staffel ("Unschuldig") wird der Vater von Laurenz und Marie (Nina Flynn) des Cannabis-Anbaus bezichtigt, in "Kirchenklau" hat ein resozialisierter junger Ex-Knacki angeblich in den Opferstock gegriffen. Aber es gibt auch echte Verbrechen: Ein Schiffseigner will sein Boot in die Luft sprengen, um die Versicherung zu betrügen ("Schiffe versenken"), und in der Folge "Schutzgeld" bekommen es Karols Eltern mit der chinesischen Mafia zu tun.
Mindestens so eindrucksvoll wie die zum Teil überraschend komplexen Geschichten ist die Umsetzung. Die Jugendlichen sind ausnahmslos ausgezeichnet geführt, die Dialoge klingen authentisch. Größere Herausforderung für die Autoren war aber vermutlich die sinnvolle Integration der Erwachsenen: Wegen der Beschränkungen beim Drehen mit Kindern wäre eine reine Kinderserie ungleich teurer, weil man doppelt so viele Drehtage bräuchte. tpg.
| Darsteller: | Tim Tiedemann | als Laurenz Krogmann | |
|---|---|---|---|
| Nina Flynn | als Marie Krogmann | ||
| Laura Gabriel | als Lilly Theede | ||
| Mira Lieb | als Yeliz Surat | ||
| Moritz Jahn | als Karol Adamek | ||
| Katharina Spiering | als Rika Krogmann | ||
| Samuel Weiss | als Thomas Krogmann | ||
| Steffen Groth | als Roman Che Theede | ||
| Barbara Nüsse | als Inga Theede | ||
| Sascha Ö. Soydan | als Hatice Surat | ||
| Marek Gierszal | als Tadeusz Adamek | ||
| Katerina Poladjan | als Janina Adamek | ||
| Sven Waasner | als Waschpo Nils | ||
| Regie: | Andrea Katzenberger | ||
| Klaus Wirbitzky | |||
| Miko Zeuschner | |||
| Drehbuch: | Anja Jabs | ||
| Andrea Katzenberger | |||
| Katja Kittendorf | |||
| Katharina Mestre | |||
| Dr. Jörg Reiter | |||
| Produzent: | Kerstin Ramcke | ||
| Ausf. Produzent: | Holger Ellermann | ||
| Angelika Paetow | |||
| Kamera: | Klaus Brix | ||
| Felix Cramer | |||
| Schnitt: | Johanna Dahl | ||
| Sebastian Thümler | |||
| Musik: | Mario Schneider | ||
| Produktionsdesign: | Nils Tünnermann | ||
| Kostüme: | Beate Pohl | ||
| Ton: | Siegfried Sellentin | ||
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