Johanna Wokalek
David Wenham
John Goodman
Regie: Sönke Wortmann
Verleih: Constantin
Im Jahr 814 wird Johanna geboren und lehnt sich bald auf gegen den ihr vorbestimmten und eingeschränkten Weg als Frau. Sie ist davon überzeugt, dass Gott für sie etwas anderes vorgesehen hat. Als junge Frau verliebt sie sich in den Edelmann Gerold. Während er in den Krieg zieht, besinnt sie sich ihrer Bestimmung und tritt unter dem Namen Johannes als Mann verkleidet ins Benediktinerkloster ein. Sie wird Arzt, geht nach Rom und steigt in der kirchlichen Hierarchie immer weiter auf.

Sönke Wortmanns Bestsellerverfilmung mit internationaler Starbesetzung und Johanna Wokalek als kraftvolle Frau in finstrer Männerwelt des Mittelalters.
Dass dieses Historienepos nach allen Querelen und Stolpersteinen überhaupt zustande kam, ist schon ein kleines Wunder. Volker Schlöndorff versuchte über Jahre hinweg, die Literaturverfilmung zu realisieren, die schließlich federführend von Constantin produziert wurde, die richtige Adresse für die Großproduktion. Das öffentliche Lästern des renommierten Regisseurs über den "Amphibienfilm" führte zu seiner Kündigung, John Goodman wollte eigentlich auch nicht mehr, kehrte aber zurück, Johanna Wokalek ersetzte Franka Potente und Sönke Wortmann übernahm beherzt die Regie.
Er nähert sich vorsichtig, manchmal vielleicht zu vorsichtig dem internationalen Bestseller von Donna Woolfolk Cross, wenn es tief hineingeht ins finstre und dreckige Mittelalter, ins Jahr 815 nach Christi. In ärmlichen Verhältnissen wird Johanna zur Welt gebracht, ein "gesundes und starkes" Mädchen. Gegen den Willen des Vaters, einem religiösen Frömmler, der der heidnischen Mutter den Teufel aus dem Leib prügelt, lernt sie heimlich Lesen, Schreiben und Latein, begeistert den reisenden Lehrer der Domschule durch ihre Klugheit. Sie verlässt die Familie und darf, nachdem sie sogar den ausschweifenden Bischof überzeugt, sich in der Schule weiterbilden. Trotz exzellenter Leistungen leidet sie unter Schikanen, Mädchen gelten als minderwertig und unfähig zur Logik. Wortmann legt den Schwerpunkt auf Kindheit und Jugend, zeigt Stationen eines Lebens auf - sie geht als Mann verkleidet ins Benediktinerkloster, erlangt Berühmtheit durch ihre Heilkunde, flieht aus Angst vor Entdeckung nach Rom, heilt dort den kranken Papst und steigt in der Hierarchie des Vatikans auf, wird nach dessen Tod durch Vergiftung ohne ihr Wissen zum neuen Pontifex gewählt.
Gab es sie wirklich diese Frau, die als Papst Johannes Anglicus im 9. Jahrhundert die Geschicke der katholischen Kirche lenkt und Reformen einleitet? Und wenn es sie gab, warum wurde ihr Name aus den Geschichtsbüchern getilgt? Bei der Antwort verlässt sich Wortmann auf die Regeln konventionellen Filmemachens, alles geht solide und trotz aller Blutrünstigkeit etwas blutleer seinen Gang. An Ausstattung und technischem Aufwand wurde nicht gespart, die Kamera verbringt manchmal kleine Wunderwerke, entwirft Bilder wie Gemälde, aber man hätte sich ein letztes Quentchen Mut und Radikalität gewünscht bei dieser Ausnahmepersönlichkeit, von der noch Claudia Roth etwas lernen könnte. Dafür entschädigt bei 70 Sprechrollen ein brillantes Cast: Johanna Wokalek, die als Päpstin ironisch das Argument zerpflückt, bei lernfreudigen Frauen schrumpfe die Gebärmutter und männlichen Überheblichkeitswahn entlarvt, John Goodman sorgt als Papst und lebenslustiger Bonvivant für Lacher, ein nicht alternder David Wenham macht aus ihrem Liebhaber Graf Gerold eine ambivalente Männerfigur, das intrigante Vatikan-Patriarchat ist bis auf wenige Ausnahmen zutiefst verdorben. Ob es nun "Die Päpstin" gab oder nicht, ist egal, auch die Artus-Runde ist nicht verbürgt. Für die fünf Mio. Leser des Buches allein in Deutschland könnte die sich stark an die Vorlage anlehnende Verfilmung mit ihrem Schauwert trotz allem zum "Kinoereignis des Jahres" werden. mk.
| Darsteller: | Johanna Wokalek | als Johanna von Ingelheim | |
|---|---|---|---|
| David Wenham | als Ritter Gerold | ||
| John Goodman | als Papst Sergius | ||
| Iain Glen | als Dorfpriester | ||
| Edward Petherbridge | als Aesculapius | ||
| Anatole Taubman | als Bischof Anastasius | ||
| Lotte Flack | als Johanna, 10-14 Jahre | ||
| Tigerlily Hutchinson | als Johanna, 6-9 Jahre | ||
| Jördis Triebel | als Gudrun | ||
| Alexander Held | als Kaiser Lothar | ||
| Oliver Cotton | als Arsenius | ||
| Nicholas Woodeson | als Arighis | ||
| Claudia Michelsen | als Richild | ||
| Oliver Nägele | als Bischof Fulgentius | ||
| Christian Redl | als Abt von Fulda | ||
| Marc Bischoff | als Odo | ||
| Suzanne Bertish | als Bischof Arnaldo | ||
| Tom Strauss | als Benjamin | ||
| Ian Gelder | als Aio | ||
| Jan-Hendrik Kiefer | als Johannes, 13-19 Jahre | ||
| Sandro Lohmann | als Matthias, 12 Jahre | ||
| Regie: | Sönke Wortmann | ||
| Drehbuch: | Sönke Wortmann | ||
| Heinrich Hadding | |||
| Produzent: | Martin Moszkowicz | ||
| Oliver Berben | |||
| Koproduzent: | Norbert Sauer | ||
| Herman Weigel | |||
| Faruk Alatan | |||
| Edmon Roch | |||
| Buchvorlage: | Donna W. Cross | ||
| Kamera: | Tom Fährmann | ||
| Schnitt: | Hans Funck | ||
| Musik: | Marcel Barsotti | ||
| Produktionsdesign: | Bernd Lepel | ||
| Kostüme: | Esther Walz | ||
| Maske: | Hasso von Hugo | ||
| Casting: | Anja Dihrberg | ||
Die Kirche bestreitet vehement, dass es gegen alle Regeln einmal eine weibliche Päpstin gegeben hat - vergeblich!
Schon seit fast tausend Jahren ranken sich die wildesten Theorien um Johanna von Ingelheim, die von 953-955 in Männerkleidern als Heiliger Vater regiert haben soll. Mit dem Weltbestseller "Die Päpstin" von Donna W. Cross wurde die Legende 1996 wieder hochaktuell.
Nun findet der brisante Stoff den Weg ins Kino - mit Deutschlands Top-Darstellerin Franka Potente in der Hauptrolle. Hinter der Kamera steht dazu mit Volker Schlöndorff einer der größten deutschen Regisseure.
Die Autorin der Buchvorlage ist dabei zwar Amerikanerin, aber die Geschichte nimmt ihren Ursprung in Deutschland: Johanna stammte aus Ingelheim bei Mainz und war die Tochter eines fanatischen Dorfpriesters. Ihre Mutter, eine gewaltsam zum Christentum bekehrte Normannin, rät Johanna, keinesfalls zu heiraten und sich irgendwie der damaligen Rolle der rechtelosen Frau zu entziehen.
Johanna reißt von zu Hause aus und studiert mit ihrem Bruder Johannes in einem Benediktinerkloster. Als dieser von Wikingern getötet wird, nimmt sie seine Identität an - die einzige Chance, ihr Studium auch abzuschließen. Johannas Kenntnisse in Theologie und Heilkunst bringen sie schließlich nach Rom. Sie wird Leibarzt des Papstes und schließlich überraschend dessen Nachfolgerin - immer noch als Mann verkleidet. Doch unter der ständigen Gefahr, dass Johannas wahre Identität und ihre heimliche Liebe zu einem Adligen aufgedeckt werden könnte, währt ihr Pontifikat nicht lange und die Päpstin findet ein tragisches Ende...
Für Franka Potente ist die Rolle der streitbaren Jungfer natürlich ein Hauptgewinn. Nach ihrem Erfolg in den beiden Bourne-Blockbustern und einem Auftritt in der Bestseller-Verfilmung "Elementarteilchen" könnte sich Potente damit endgültig als internationaler Star etablieren - zumal nach dem weltweiten Hype um "Sakrileg" historische Stoffe mit einer Prise Kirchenskandal hoch im Kurs stehen.
So bietet sich vielleicht auch für Regisseur Volker Schlöndorff die Chance, nach dem Auslands-Oscar 1980 für "Die Blechtrommel" erneut ins Rennen um die Goldjungen einzugreifen. Bis dahin wird es allerdings noch ein Weilchen dauern, denn die Dreharbeiten können erst im Mai nächsten Jahres beginnen.
Massiv, übergewichtig und mit der wuchtigen Durchsetzungskraft einer Dampfwalze spielt der dabei äußerst bewegliche John Goodman in seinen...
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