
Am 23. Juli wird Götz George 70. Zum Geburtstag schenkt ihm die ARD eine Neuverfilmung des klassischen Ehedramas "Die Katze".
Georges Simenons Erzählung "Die Katze" ist ein zutiefst pessimistischer Abgesang auf die Ehe. Die Verfilmung mit Jean Gabin und Simone Signoret aus dem Jahr 1970 galt bislang als unerreicht, doch Daniel Nocke (Buch) und Kaspar Heidelbach (Regie) setzen neue Maßstäbe: Nocke, weil er Simenon einerseits beim Wort genommen, andererseits neu interpretiert hat; und Heidelbach, weil er der Geschichte eine fesselnde Struktur gegeben hat. Außerdem konnte er mit Darstellern arbeiten, die der Leistung Gabins und Signorets in Nichts nachstehen.
Während Pierre Granier-Deferre die Handlung in seinem Klassiker linear erzählt, verschachteln Nocke und Heidelbach das Ehedrama als Rückblendenkonstrukt, in dessen Rahmen der Film mal in die ältere, mal in die jüngere Vergangenheit springt. Auf ihren Kern reduziert ist die Geschichte ganz einfach: Der frühere Polier Siegmar (Götz George) imponiert der großbürgerlichen Fabrikantentochter Margret (Hannelore Hoger). Sie bietet ihm an, bei ihr einzuziehen. Einigermaßen entsetzt erkennt Margret, dass Siegmar neben allerlei hässlichem Mobiliar auch seine Katze mit in die Ehe bringt. Das Tier ist ihr auf Anhieb unsympathisch. Als Siegmar die Katze eines Tages neben einer Packung Rattengift tot im Keller findet, wandelt sich der Waffenstillstand in einen schweigend geführten Ehekrieg.
Die Neuverfilmung orientiert sich ungleich enger an Simenons Vorlage. Siegmars Geliebte (Catrin Striebeck) zum Beispiel taucht im Klassiker gar nicht auf, obwohl sie eine wichtige dramaturgische Rolle spielt. Anders als bei Granier-Deferre ist zudem völlig unklar, ob Margret wirklich die Schuld am Tod der Katze trägt. Allerdings hat Nocke auch darauf verzichtet, dass der Mann den Papagei seiner Frau zu Tode quält. Auf diese Weise bleiben beide Figuren in der Schwebe. Man kann für die eine wie für die andere Partei ergreifen oder mit neutraler Neugier verfolgen, wie sie sich gegenseitig zu Grunde richten. Und natürlich hat man Muße, das vorzügliche Spiel zweier Ausnahmeschauspieler zu bewundern.
Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Musik (Arno Steffen), von Heidelbach mit Bedacht so bestellt, dass man sich als Zuschauer stets unbehaglich fühlt. Die Zeitsprünge hingegen wirken mitunter unmotiviert und allzu mutwillig, weil auch die Rückblende nicht linear strukturiert ist; das lässt die Erzählweise sehr episodisch erscheinen. Der Film ist also alles andere als leicht konsumierbar und somit ein würdiges Geschenk der ARD für Götz George, der am Tag der Ausstrahlung siebzig wird. tpg.
| Darsteller: | Götz George | als Siegmar | |
|---|---|---|---|
| Hannelore Hoger | als Margret | ||
| Catrin Striebeck | als Annie | ||
| Thomas Thieme | als Hans Dunke | ||
| Regie: | Kaspar Heidelbach | ||
| Drehbuch: | Daniel Nocke | ||
| Produzent: | Gerhard Schmidt | ||
| Buchvorlage: | Georges Simenon | ||
| Kamera: | Achim Poulheim | ||
| Schnitt: | Hedy Altschiller | ||
| Musik: | Arno Steffen | ||
| Produktionsdesign: | Frank Godt | ||
| Kostüme: | Regine Bätz | ||
| Ton: | Heinz Gunther Türksch | ||
| Casting: | Gitta Uhlig | ||
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