Doppelbödige Tragikomödie, in der sich angesichts des nahenden Tods eines Professors dessen Familie zusammenfindet. http://images.kino.de/flbilder/max03/mbiz03/mbiz42/z0342500/b150x150.jpg Die Invasion der Barbaren

Filmdetails

Die Invasion der Barbaren

Doppelbödige Tragikomödie, in der sich angesichts des nahenden Tods eines Professors dessen Familie zusammenfindet.


Die Invasion der Barbaren
Start: 27.11.2003

Originaltitel: Les invasions barbares

Drama / Komödie

Kanada/Frankreich 2003
Laufzeit: 99 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Rémy Girard
Stéphane Rousseau
Marie-Josée Croze

Regie: Denys Arcand
Verleih: Prokino (Fox)

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Inhalt

Der pensionierte Geschichtsprofessor, begeisterte Marxist und Pater Familias Rémy (Remy Girard) liegt mit unheilbarem Krebs auf dem Sterbebett. Neben Freunden und Kollegen eilen auch Ex-Frau, Ex-Geliebte und reicher Broker-Sohn an, um dem Alten die letzten Tage so erträglich wie möglich zu machen - und sich ansonsten in alter Tradition zu streiten, dass die Fetzen fliegen.

Fast zwanzig Jahre nach seinem Kultfilm "Der Untergang des amerikanischen Imperiums" zieht der franko-kanadische Regisseur Denys Arcand erneut alle Register der beschwingt-wortwitzigen Tragikomödie. Ausgezeichnet in Cannes für das beste Drehbuch und die beste Darstellerin.


Kritik

Doppelbödige Tragikomödie, in der sich angesichts des nahenden Todes eines Professors dessen Familie zusammenfindet.

Großansicht Noch ein letztes Mal kommt der Freundeskreis zusammen (Foto: Prokino (Fox))

Noch ein letztes Mal kommt der Freundeskreis zusammen (Foto: Prokino (Fox))

Sogar am Sterbebett fliegen noch die Fetzen zwischen dem pensionierten Geschichtsprofessor und seinem Sohn. Doch immerhin sorgt der Filius und erfolgreiche Broker für Luxus im Krankenzimmer, lässt Freunde einfliegen und versucht, dem Vater die letzten Tage erträglich zu machen, inklusive Heroin-Dosis zur Linderung der Schmerzen. Ein letztes Mal plaudert der angereiste Freundeskreis über vergangene Liebschaften, über die kleine und große Politik.

Die in Cannes ausgezeichnete Tragikomödie ist das späte Sequel zu dem skurrilen "Untergang des amerikanischen Imperiums" aus dem Jahr 1986, für den ebenfalls der preisgekrönte franko-kanadische Regisseur Denys Arcand als Autor und Regisseur verantwortlich zeichnet.

Großansicht Vater und Sohn finden wieder zueinander (Foto: Prokino (Fox))

Vater und Sohn finden wieder zueinander (Foto: Prokino (Fox))

Familienbande

Fast zwei Jahre arbeitete Arcand am Skript. Beschwingt und dennoch mit Tiefgang präsentiert sich dieses konventionelle und doch unterhaltsame Drama und betrachtet seine manchmal müden Helden wie unter einem Brennglas.

Vor allem der Vater-Sohn-Konflikt überzeugt durch Vielschichtigkeit. Der Junge gilt für den Erzeuger als Speerspitze der Barbaren, die die intellektuelle Welt überrennen und nur mit dem Scheck arbeiten, nicht mit den grauen Zellen. Um so schöner die Versöhnung zwischen den beiden.

Die Invasion der Barbaren

Darsteller:  Rémy Girard   als Rémy
  Stéphane Rousseau   als Sébastien
  Marie-Josée Croze   als Nathalie
  Marina Hands   als Gaëlle
  Dorothée Berryman   als Louise
  Johanne-Marie Tremblay   als Schwester Constance
  Pierre Curzi   als Pierre
  Yves Jacques   als Claude
  Dominique Michel   als Dominique
  Sophie Lorain   als Erste Geliebte
  Antonio Cecchinato   als Alessandro
  Mitsou Gélinas   als Ghislaine
  Isabelle Blais   als Sylvaine
  Markita Boies   als Suzanne
  Micheline Lanctôt   als Carole
  Denis Bouchard   als Duhamel
  Sylvie Drapeau   als Zweite Geliebte
  Jean-Marc Parent   als Gewerkschaftssprecher
  Dominic Darceuil   als Maxime
  Yves Desgagnés   als Oleg
  Gilles Pelletier   als Leclerc
  Jean-René Ouellet   als Arzt
  Lise Roy   als Mrs. Joncas Pelletier
  Macha Grenon   als Arielle
  Gaston Lepage   als Aufseher
  Daniel Brière   als Alain
  Sébastien Huberdeau   als Vincent
  Rose-Maité Erkoreka   als Gabrielle
  Roy Dupuis   als Levac
 
Regie:  Denys Arcand  
Drehbuch:  Denys Arcand  
Produzent:  Denise Robert  
  Daniel Louis  
Koproduzent:  Fabienne Vonier  
Kamera:  Guy Dufaux  
Schnitt:  Isabelle Dedieu  
Musik:  Pierre Aviat  
Produktionsdesign:  François Séguin  
Kostüme:  Denis Sperdouklis  
Ton:  Patrick Rousseau  
  Marie-Claude Gagné  
  Michel Descombes  
  Gavin Fernandes  
Casting:  Lucie Robitaille  

Goldene Palme für Skandalfilm "Elephant"

Die gegenseitigen Anfeindungen zwischen Franzosen und Amerikanern waren dieses Jahr ein großes Thema an der Côte d'Azur. Trotzdem zeigte sich die Jury um Thierry Fremaux mutig.

Großansicht Von der Jury mit Siegerküsschen bedacht: "Elephant"

Von der Jury mit Siegerküsschen bedacht: "Elephant"

Denn mit "Elephant" sprach man einem Film die zwei wichtigsten Preise zu - die Goldene Palme und den Regiepreis - der noch Öl ins Feuer der nationalen Empfindlichkeiten bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes gießt.

Gus van Sants Drama wirft nämlich ein äußerst kritisches Licht auf die Zustände an amerikanischen Schulen und reiht sich ziemlich nahtlos in Michael Moores Waffen-Doku "Bowling for Columbine" ein. Und Moore ist in den USA nicht erst seit seiner Oscar-Rede ("Shame on you, Mr. Bush!") DIE Persona non grata.

Diese Entscheidung mag Menschen wie Harvey Weinstein, der im Vorfeld lautstark das fehlende Interesse der US-Filmer an den Festspielen von Cannes verkündete, ein Dorn im Auge sein. Dabei saß mit Meg Ryan immerhin auch ein Lieblingskind Hollywoods in der Jury.

Man darf jedenfalls ziemlich sicher sein, dass die Wellen der Entrüstung von der anderen Seite des Atlantiks bald mit gewohnter Heftigkeit an die Strände der Côte d'Azur branden werden.

Neben "Elephant" war der von der Arthouse-Kritik favorisierte türkische Beitrag "Uzak" von Nuri Bilge Ceylan ein weiterer großer Gewinner: Er wurde mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, zudem wurden die beiden Hauptdarsteller Muzaffer Ozdemir und Mehmet Emin Toprak mit dem Schauspielerpreis bedacht.

Durchsetzen konnte sich auch Denys Arcands Sterbehilfe-Drama "The Barbarian Invasion", das den Drehbuchpreis und den Darstellerinnenpreis für Marie-Josée Croze erhielt.

Die Camera d'Or für den besten Erstlingsfilm sicherte sich "Reconstruction", eine rauschhafte Parabel über die Folgen einer bedingungslosen Liebe.

Die von der Berlinale und den Oscars erfolgsverwöhnte Nicole Kidman musste diesmal dagegen völlig überraschend mit leeren Händen die Heimreise antreten: Der allgemein als Favorit gewertete "Dogville" von Lars von Trier konnte die Jury nicht überzeugen.

» Alle Preisträger

» Zum Special: Cannes 2003

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