Originaltitel: Le chiavi di casa
Italien/Deutschland/Frankreich 2004
Kim Rossi Stuart
Charlotte Rampling
Andrea Rossi
Regie: Gianni Amelio
Verleih: Kairos
Vor 15 Jahren scheute Gianni (Kim Rossi Stuart) die Verantwortung und verschwand. Jetzt ist er wieder da und will einen Neustart wagen mit seinem Sohn, dem 15-jährigen, schwer behinderten Paolo (Andrea Rossi). Der Sohn benötigt eine Spezialbehandlung in Deutschland, die Reise wird zum großen Kennenlernen, nach anfänglichem Misstrauen bricht das Eis. In Berlin trifft Gianni auch Nicole (Charlotte Rampling), ihrerseits Mutter einer behinderten Tochter. Von ihr kann er noch eine Menge lernen.
Dokumentar- und Spielfilm verschmelzen in Gianni Amelios ("Lamerica") Familiendrama und Verfilmung eines Romans von Giuseppe Pontiggia.

Eine Vater-Sohn-Geschichte der schwierigen Art erzählt der vielfach ausgezeichnete Gianni Amelio ("Lamerica") in seinem Behinderten-Drama, das bereits 2004 auf den Filmfestspielen von Venedig seine Uraufführung erlebte.
Auf dem Münchener Hauptbahnhof trifft Gianni (recht blass: Kim Rossi Stuart aus "Pinocchio") erstmals nach 15 Jahren seinen Sohn Paolo (Andrea Rossi) wieder. Gleich nach der Geburt hat er ihn verlassen, als die Ärzte "gewisse Probleme" diagnostizierten. Der geistig behinderte, einseitig gelähmte Junge ist bei einem Onkel aufgewachsen, der Papa hat in der Zwischenzeit eine neue Familie gegründet. Nun fahren die beiden Fremden gemeinsam nach Berlin, wo der Junge in der Charité behandelt werden soll. Der Kranke als Held - "Rain Man" kommt einem sofort in den Sinn und auch "Gilbert Grape" oder "Forrest Gump". Aber damit enden auch schon sämtliche Parallelen. Denn Amelio, wie immer kämpferisch und vom sozialen Gewissen getrieben, sieht "Die Hausschlüssel" nicht als einen Film über Behinderung, sondern über die Unfähigkeit der Umwelt damit umzugehen - und gibt mutig seinem (möglichen) Film-Alter Ego den eigenen Vornamen.
Wie sich das ungleiche Paar annähert, wie Vater und Sohn beginnen miteinander zu kommunizieren, anfangen füreinander Verständnis aufzubringen, davon handelt diese sorgfältig gestaltete, manchmal etwas umständlich erzählte italienisch-deutsch-französische Koproduktion. Auf ein Minimum reduziert der Filmemacher sein Figuren-Ensemble, etabliert als positiven Gegenpol zu Gianni die tieftraurige Nicole, aufopferungsvolle Mutter einer spastisch gelähmten Tochter. Die spielt die überzeugende Charlotte Rampling ("Swimming Pool") mit viel Einfühlungsvermögen, wobei sogar sie schwer mit der Präsenz des auch in Wirklichkeit behinderten Andrea Rossi zu kämpfen hat. Dabei bleibt Amelio, Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion, auch in seinen filmischen Mitteln spartanisch, verweigert sich nach eigener Aussage dem "Narzissmus" der Kamera. Nichts darf hier von der Wirklichkeit, von der menschlichen Wahrheit ablenken. Die Dinge sollen gezeigt werden wie sie sind, aufbereitet als leicht nachvollziehbares Lehrstück.
Und am Ende steht dann das mögliche Glück, eine klassische Roadmovie-Flucht nach Norwegen, zu einem Brieffreund Paolos. Das graue, enge Beton-Berlin weicht der weiten skandinavischen Landschaft. Das böse Krankenhaus-Personal ist vergessen, ebenso wie tumbe Regeln und rigide Bestimmungen. Es gibt also noch Hoffnung. geh.
| Darsteller: | Kim Rossi Stuart | als Gianni | |
|---|---|---|---|
| Charlotte Rampling | als Nicole | ||
| Andrea Rossi | als Paolo | ||
| Alla Faerovich | als Nadine | ||
| Pierfrancesco Favino | als Alberto | ||
| Manuel Katzy | als Taxifahrer | ||
| Michael Weiss | als Andreas | ||
| Ingrid Appenroth | als Krankenschwester | ||
| Dimitri Süsin | als Junge | ||
| Thorsten Schwarz | als Krankenpfleger | ||
| Regie: | Gianni Amelio | ||
| Drehbuch: | Gianni Amelio | ||
| Sandro Petraglia | |||
| Stefano Rulli | |||
| Produzent: | Enzo Porcelli | ||
| Koproduzent: | Karl Baumgartner | ||
| Bruno Pésery | |||
| Buchvorlage: | Giuseppe Pontiggia | ||
| Kamera: | Luca Bigazzi | ||
| Schnitt: | Simona Paggi | ||
| Musik: | Franco Piersanti | ||
| Produktionsdesign: | Giancarlo Basili | ||
| Kostüme: | Piero Tosi | ||
| Ton: | Alessandro Zanon | ||
Auf den ersten Blick unnahbar und kühl wirkend, hat Charlotte Rampling eines der interessantesten Gesichter im Film. Stets...
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