Geniale Verfilmung des literarischen Meisterwerks von Harry Mulisch, in dem Gott beschließt, die Zehn Gebote in den Himmel zurück zu holen. http://images.kino.de/flbilder/max02/mbiz02/mbiz44/z0244505/b150x150.jpg Die Entdeckung des Himmels

Filmdetails

Die Entdeckung des Himmels

Geniale Verfilmung des literarischen Meisterwerks von Harry Mulisch, in dem Gott beschließt, die Zehn Gebote in den Himmel zurück zu holen.


Die Entdeckung des Himmels
Start: 19.12.2002

Originaltitel: The Discovery of Heaven

Drama / Thriller

Niederlande 2001
Laufzeit: 133 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Stephen Fry
Greg Wise
Flora Montgomery

Regie: Jeroen Krabbé
Verleih: Schwarz-Weiss

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Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
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Inhalt

Gott hat die Nase voll von der üblen Menschheit und beschließt, seinen mit Moses geschlossenen Bund zu brechen und die auf zwei Steintafeln verewigten zehn Gebote von den Menschen zurück zu holen. Da er oder seine Engel aber nicht zur Erde gehen und die Dinger einfach einkassieren dürfen, gestaltet sich das Vorhaben diffizil. Ein von Menschen erzeugter "Auserwählter" soll den Job erledigen, zwei Freunde (Stephen Fry & Greg Wise), die sich in die gleiche Frau verlieben, dessen Erzeuger sein.

Jeroen Krabbé, als Schauspieler bekannt aus Edeltrash wie "Gnadenlos" und "The Punisher", in seiner Funktion als Regisseur im heimischen Holland jedoch zuständig für Kunst & Philosophie, knöpft sich nach "Kalmans Geheimnis" Harry Mulisch s literarisches Meisterwerk vor und strickt daraus einen theologischen Thriller von gediegenem Schauwert.


Kritik

Die Entdeckung des Himmels

Großes europäisches Kino bietet Jeroen Krabbé mit seiner zweiten Regiearbeit. Der international renommierte niederländische Schauspieler verfilmte drei Jahre nach "Left Luggage" erneut einen Romanstoff, diesmal den Bestseller "Die Entdeckung des Himmels" des niederländischen Autors Harry Mulisch. Herausgekommen ist eine hochwertige Literaturadaption, die gleichzeitig als kapriziöse Liebesgeschichte, surrealer Philosophieexkurs und märchenhaftes Historiendrama angelegt ist.

Krabbé ist mit der rund 9,1 Mio. Euro teuren, bislang als teuerste niederländische Filmproduktion geltenden Romanverfilmung (Drehbuch: Edwin de Vries) der Spagat gelungen, eine vielschichtige Romanhandlung in 132 Minuten zu fassen, ohne auf wichtige Elemente der Vorlage zu verzichten. Im Mittelpunkt stehen der Altphilologe Onno Quist (Stephen Fry) und der Astrophysiker Max Delius (Greg Wise), die sich in den Niederlanden der Siebziger Jahre über den Weg laufen. Zwischen beiden bewegt sich Cellistin Ada Brons (Flora Montgomery), die von den Freunden à la "Jules et Jim" gleichermaßen verehrt wird. Die Geburt ihres auf geheimnisvolle - weil von Engeln inszenierte - Weise gezeugten Sohnes Quinten (Neil Newbon) aber wird Ada nicht mehr erleben: Nach einem Autounfall im Koma liegend, erziehen die Männer-Freunde das seltsame Kind. Im Laufe seiner Reifung zeichnet sich Quintens himmlische Bestimmung immer stärker ab. Am Ende reist Onno mit dem halbwüchsigen Sohn zunächst nach Rom, wo sie die verschollenen Steintafeln mit den Zehn Geboten finden, um diese dann nach Jerusalem zu schmuggeln, wo alles in einer irrwitzigen Apotheose endet.

Gerade im Mainstream-verwöhnten Deutschland ist "Die Entdeckung des Himmels" sicherlich kein einfacher Stoff, wenngleich allein bei uns die gleichnamige Romanvorlage bis heute über 450.000 Mal über die Ladentische gewandert ist. Somit werden ab 19. Dezember besonders die deutschen Mulisch-Fans in die Arthäuser pilgern, um sich zehn Jahre nach dem ersten Erscheinen des Romans die opulente Leinwand-Illustration anzuschauen, die an Originalschauplätzen in Amsterdam, Rom, Jerusalem und auf Kuba gedreht worden sind. Die inneren und äußeren Welten eines Kafka und Kubrick wechseln sich hier ab; weitere Paten sind die Renaissance-Architektur, die klassische europäische Musik und der Antichrist Hitler. Ein wenig enttäuschend wirkt das Messias-Kind Quinten, das zu blond, zu dumpfbackig daherkommt und mehr wie ein adoleszenter Bodybuilder denn unschuldiges Engelskind ausschaut. Auch erweist sich das esoterische Ende nach all den geistig-moralischen Fragestellungen als allzu oberflächlich, da es zu demonstrativ und tricklastig in Szene gesetzt wurde. Und trotzdem: Gerade das mit viel Ironie und Freigeist inszenierte Wechselspiel der erwachsenen Darsteller Stephen Fry, Greg Wise und Flora Montgomery wischt jegliche kitschkritischen Befürchtungen beiseite. Die phantastische Beziehungskiste biegt die großen Mulisch-Themen europäische Philosophie, Kunstgeschichte und Vergangenheitsbewältigung auf eine menschelnde Ebene herunter, die genauso lachhaft wie lebensvoll erscheint. aw.

Die Entdeckung des Himmels

Darsteller:  Stephen Fry   als Onno Quist
  Greg Wise   als Max Delius
  Flora Montgomery   als Ada Brons
  Neil Newbon   als Quinten Quist (16 Jahre)
  Emma Fielding   als Helga
  Diana Quick   als Sophia Brons
  Maureen Lipman   als weiblicher Engel
  Viv Weatherall   als ausführender Engel
  Jeroen Krabbé   als Gabriel (Engel)
  Gillian Barge   als Onnos Mutter
  John Franklyn-Robbins   als Onnos Vater
  Sean Harris   als Bart Bork
  Molly Hallam   als rothaarige Demonstrantin
  Inday Ba   als Maria
  Dimitris Philippou   als Quinten Quist (5 Jahre)
  Nettie Blanken   als Coba
  Victoria Carling   als Margareth Quist
  Lois de Jong   als Enkelin Quist
  Geraldine Alexander   als Trees Quist
  Nicholas Palliser   als Diederik Quist
  Rob van de Meeberg   als Oswald Brons
  Timothy Bateson   als Mr. Keller
  Sheila Shand Gibbs   als Mrs. Keller
  Marjolein Sligte   als Selma Kern
  Clive Merrison   als Theo Kern
  Harry Landis   als Ibrahim
  Sarah Winman   als Ankie
 
Regie:  Jeroen Krabbé  
Drehbuch:  Edwin de Vries  
Produzent:  Ate de Jong  
Ausf. Produzent:  Ate de Jong  
  Arnold Heslenfeld  
Buchvorlage:  Harry Mulisch  
Kamera:  Theo Bierkens  
Schnitt:  Nigel Galt  
  Kant Pan  
Musik:  Henny Vrienten  
Produktionsdesign:  Benedict Schillemans  
  Jaap Verburg  
Kostüme:  Yan Tax  
Ton:  Roberto van Eyden  
Casting:  Beatrice Kurger  

Hinter den Kulissen: "Die Entdeckung des Himmels"

Nein, ein Weihnachtsfilm ist das eigentlich nicht - auch wenn von Engeln und himmlischen Fügungen erzählt wird. Denn der Herr hat die Nase voll von der missratenen Menschheit: Er kündigt und will die zehn Gebote zurückhaben. Egal wie.

Großansicht Neil Newbon als Gottes Kündigungs-Vollstrecker

Neil Newbon als Gottes Kündigungs-Vollstrecker

Kultautor Harry Mulisch hatte einen großen Plan: Er wollte das wichtigste Buch der westlichen Zeitgeschichte zu Ende schreiben - die Bibel. Das Ergebnis: Der Bestseller "Die Entdeckung des Himmels", der in Deutschland eine halbe Million Mal über die Ladentheke gewandert ist.

Regisseur Jeroen Krabbé hatte eine große Mission: Er wollte dieses Buch ins Kino bringen - ein Buch, das die Fans einhellig als wunderbar tiefsinnig und extrem unterhaltsam bezeichneten, aber vor allem als: unverfilmbar.

Heraus kam schließlich die mitreißende cineastische Antwort auf Fragen wie:

Was ist der Sinn des Lebens? Was ist Schicksal? Wieso tun wir eigentlich, was wir tun? Und was hat ein Coitus Interruptus auf einer Waschmaschine mit dem christlichen Heilsgedanken zu tun?

Max, Ada und Onno nebenbei auf <br />Che Guevaras Spuren in Kuba

Max, Ada und Onno nebenbei auf
Che Guevaras Spuren in Kuba

Fiese Engel

Gott gibt's dabei zwar nicht zu sehen - dafür aber Regisseur Krabbé in einer Rolle als Erzengel Gabriel: Der treibt seine geflügelten Helfer im Auftrag des enttäuschten Herrn zur Manipulation der missratenen Schäflein auf Erden: Ein junger Engel (Viv Weatherall) soll durch geschickte Eingriffe in den Lauf der Welt einen Menschen entstehen lassen, der die Steintafeln des Moses zurück in den Himmel bringt.

Dabei ist jedes Mittel recht: Erstmal inszeniert man gemütlich einen Weltkrieg und den Holocaust, um die richtige Großelternkombination zueinanderzuführen. Dann stiftet man in der Elterngeneration eine Männerfreundschaft zwischen dem hochgebildeten Politiker-Sonderling Onno (Stephen Fry) und dem Casanova Max (Greg Wise) und verwickelt beide in eine Dreiecksbeziehung mit der schönen Cellistin Ada (Flora Montgomery).

Quinten und Onno im Allerheiligsten des r&ouml;mischen Lateranpalasts

Quinten und Onno im Allerheiligsten des römischen Lateranpalasts

Einmal um die Welt...

Dazu Unfälle mit Komafolge, Herzinfarkte, Morde, Ehebruch, politische Intrigen, und ein heimlicher Doppelbeischlaf - das Ganze vor den Schauplätzen Holland, Rom und Kuba - schon ist der Auserwählte namens Quinten (Neil Newbon) geboren.

Dessen Weg über das Allerheiligste in Rom bis zum Tempelberg in Israel zu filmen, stellte das Team um Regisseur Krabbé schon wegen der Brisanz der Drehorte vor gehörige Schwierigkeiten.

Per Teleskop und Astrophysik entdeckt Max tats&auml;chlich den Himmel...

Per Teleskop und Astrophysik entdeckt Max tatsächlich den Himmel...

Ich bin rein zufällig hier!

Genehmigungen für die Aufnahmen im Lateranpalast und im Pantheon zu Rom zu bekommen, war kitzlig genug. Doch der Dreh der Schlussszenen in Israel, wo Quinten in einer Traumsequenz samt Gottes Geboten in den Himmel auffährt, war ein echter Drahtseilakt, wie sich Krabbé erinnert:

"Wir hatten am Tempelberg lediglich die Genehmigung für Architekturaufnahmen. Die uns zugeteilten Polizisten durften also nicht bemerken, dass die Menschen, die wie zufällig im Bild standen, in Wirklichkeit unsere Darsteller waren. Daher gaben wir die Regieanweisungen über Handy. Sehen konnte ich die Schauspieler nur in den Gläsern der Sonnenbrillen der Beamten - nur so wusste ich auch, wann es kritisch wurde und ich die Polizisten ablenken musste."

Flora Montgomery verzaubert als Ada nicht nur Onno und Max

Flora Montgomery verzaubert als Ada nicht nur Onno und Max

Pfennigfuchser

Klar, dass ein derartiges Mammutprojekt nicht leicht zu finanzieren war. Dass es aber so weit kommen würde, dass die Regieassistentin am Ende zum Kopieren der Drehberichte das Studiogelände verließ, weil es im nächsten Copy-Shop zwei Cent billiger war, damit hatte auch Krabbé nicht gerechnet:

"Wenn es so weit ist, wird's ernst. Ich fühlte mich am Schluss wie bei einer Low-Low-Budget-Produktion."

Das ist dem Film aber mitnichten anzumerken - was vor allem an den hochklassigen Darstellern liegt, die ihre Figuren zielsicher durch den an tragischen Wendungen und Wirrungen reichen Plot steuern: Greg Wise ist als romantischer Schwerenöter auf Sinnsuche ebenso anrührend wie Flora Montgomery als moderne Maria - Regiseur Krabbe schreibt der Britin "etwas von der Ausstrahlung von Lady Di" zu.

Die kosmischen Zwillinge lassen sich schon mal gemeinsam verhaften

Die kosmischen Zwillinge lassen sich schon mal gemeinsam verhaften

Ja zum Leben

Und als Stephen Fry im Vorfeld der Produktion als Onno zusagte, notierte Krabbé in sein Tagebuch: "Ein Grund zum Singen und Tanzen!"

Zurecht, denn das britische Enfant Terrible ("Wilde") ist der faszinierende Angelpunkt des Films: ein behäbiger Adeliger, bis zur Lebensunfähigkeit gebildet und doch voll brennender Lebenslust. Und genau die ist der Motor von Jeroen Krabbés Groteske um Kultur, Religion und Werteverlust - die bei allem Zynismus letztlich die Liebe als heilende Kraft benennt.

Vom Schicksal gezeichnet, zum Sterben sch&ouml;n: Stephen Fry und Neil Newbon

Vom Schicksal gezeichnet, zum Sterben schön: Stephen Fry und Neil Newbon

Friede, Freude, Weihnachtsgans

Denn am Ende der "Entdeckung des Himmels" steht die Erkenntnis, dass dieser wenn, dann auf Erden stattfindet: Menschen sind eben menschlicher als alle Religionen, Wertesysteme und der Streit um selbige.

Eigentlich eine höchst erwärmende Botschaft, die dann doch wieder zum Geist der anstehenden Weihnacht passt.

Und falls Sie noch auf die Antwort zum Thema Sex auf der Waschmaschine warten - da müssen Sie sich schon ins Kino bemühen.

Frohes Fest allerseits!

Star

Stephen Fry

* 24.08.1957

Star

Jeroen Krabbé

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