Originaltitel: The Discovery of Heaven
Niederlande 2001
Stephen Fry
Greg Wise
Flora Montgomery
Regie: Jeroen Krabbé
Verleih: Schwarz-Weiss
Gott hat die Nase voll von der üblen Menschheit und beschließt, seinen mit Moses geschlossenen Bund zu brechen und die auf zwei Steintafeln verewigten zehn Gebote von den Menschen zurück zu holen. Da er oder seine Engel aber nicht zur Erde gehen und die Dinger einfach einkassieren dürfen, gestaltet sich das Vorhaben diffizil. Ein von Menschen erzeugter "Auserwählter" soll den Job erledigen, zwei Freunde (Stephen Fry & Greg Wise), die sich in die gleiche Frau verlieben, dessen Erzeuger sein.
Jeroen Krabbé, als Schauspieler bekannt aus Edeltrash wie "Gnadenlos" und "The Punisher", in seiner Funktion als Regisseur im heimischen Holland jedoch zuständig für Kunst & Philosophie, knöpft sich nach "Kalmans Geheimnis" Harry Mulisch s literarisches Meisterwerk vor und strickt daraus einen theologischen Thriller von gediegenem Schauwert.

Großes europäisches Kino bietet Jeroen Krabbé mit seiner zweiten Regiearbeit. Der international renommierte niederländische Schauspieler verfilmte drei Jahre nach "Left Luggage" erneut einen Romanstoff, diesmal den Bestseller "Die Entdeckung des Himmels" des niederländischen Autors Harry Mulisch. Herausgekommen ist eine hochwertige Literaturadaption, die gleichzeitig als kapriziöse Liebesgeschichte, surrealer Philosophieexkurs und märchenhaftes Historiendrama angelegt ist.
Krabbé ist mit der rund 9,1 Mio. Euro teuren, bislang als teuerste niederländische Filmproduktion geltenden Romanverfilmung (Drehbuch: Edwin de Vries) der Spagat gelungen, eine vielschichtige Romanhandlung in 132 Minuten zu fassen, ohne auf wichtige Elemente der Vorlage zu verzichten. Im Mittelpunkt stehen der Altphilologe Onno Quist (Stephen Fry) und der Astrophysiker Max Delius (Greg Wise), die sich in den Niederlanden der Siebziger Jahre über den Weg laufen. Zwischen beiden bewegt sich Cellistin Ada Brons (Flora Montgomery), die von den Freunden à la "Jules et Jim" gleichermaßen verehrt wird. Die Geburt ihres auf geheimnisvolle - weil von Engeln inszenierte - Weise gezeugten Sohnes Quinten (Neil Newbon) aber wird Ada nicht mehr erleben: Nach einem Autounfall im Koma liegend, erziehen die Männer-Freunde das seltsame Kind. Im Laufe seiner Reifung zeichnet sich Quintens himmlische Bestimmung immer stärker ab. Am Ende reist Onno mit dem halbwüchsigen Sohn zunächst nach Rom, wo sie die verschollenen Steintafeln mit den Zehn Geboten finden, um diese dann nach Jerusalem zu schmuggeln, wo alles in einer irrwitzigen Apotheose endet.
Gerade im Mainstream-verwöhnten Deutschland ist "Die Entdeckung des Himmels" sicherlich kein einfacher Stoff, wenngleich allein bei uns die gleichnamige Romanvorlage bis heute über 450.000 Mal über die Ladentische gewandert ist. Somit werden ab 19. Dezember besonders die deutschen Mulisch-Fans in die Arthäuser pilgern, um sich zehn Jahre nach dem ersten Erscheinen des Romans die opulente Leinwand-Illustration anzuschauen, die an Originalschauplätzen in Amsterdam, Rom, Jerusalem und auf Kuba gedreht worden sind. Die inneren und äußeren Welten eines Kafka und Kubrick wechseln sich hier ab; weitere Paten sind die Renaissance-Architektur, die klassische europäische Musik und der Antichrist Hitler. Ein wenig enttäuschend wirkt das Messias-Kind Quinten, das zu blond, zu dumpfbackig daherkommt und mehr wie ein adoleszenter Bodybuilder denn unschuldiges Engelskind ausschaut. Auch erweist sich das esoterische Ende nach all den geistig-moralischen Fragestellungen als allzu oberflächlich, da es zu demonstrativ und tricklastig in Szene gesetzt wurde. Und trotzdem: Gerade das mit viel Ironie und Freigeist inszenierte Wechselspiel der erwachsenen Darsteller Stephen Fry, Greg Wise und Flora Montgomery wischt jegliche kitschkritischen Befürchtungen beiseite. Die phantastische Beziehungskiste biegt die großen Mulisch-Themen europäische Philosophie, Kunstgeschichte und Vergangenheitsbewältigung auf eine menschelnde Ebene herunter, die genauso lachhaft wie lebensvoll erscheint. aw.
| Darsteller: | Stephen Fry | als Onno Quist | |
|---|---|---|---|
| Greg Wise | als Max Delius | ||
| Flora Montgomery | als Ada Brons | ||
| Neil Newbon | als Quinten Quist (16 Jahre) | ||
| Emma Fielding | als Helga | ||
| Diana Quick | als Sophia Brons | ||
| Maureen Lipman | als weiblicher Engel | ||
| Viv Weatherall | als ausführender Engel | ||
| Jeroen Krabbé | als Gabriel (Engel) | ||
| Gillian Barge | als Onnos Mutter | ||
| John Franklyn-Robbins | als Onnos Vater | ||
| Sean Harris | als Bart Bork | ||
| Molly Hallam | als rothaarige Demonstrantin | ||
| Inday Ba | als Maria | ||
| Dimitris Philippou | als Quinten Quist (5 Jahre) | ||
| Nettie Blanken | als Coba | ||
| Victoria Carling | als Margareth Quist | ||
| Lois de Jong | als Enkelin Quist | ||
| Geraldine Alexander | als Trees Quist | ||
| Nicholas Palliser | als Diederik Quist | ||
| Rob van de Meeberg | als Oswald Brons | ||
| Timothy Bateson | als Mr. Keller | ||
| Sheila Shand Gibbs | als Mrs. Keller | ||
| Marjolein Sligte | als Selma Kern | ||
| Clive Merrison | als Theo Kern | ||
| Harry Landis | als Ibrahim | ||
| Sarah Winman | als Ankie | ||
| Regie: | Jeroen Krabbé | ||
| Drehbuch: | Edwin de Vries | ||
| Produzent: | Ate de Jong | ||
| Ausf. Produzent: | Ate de Jong | ||
| Arnold Heslenfeld | |||
| Buchvorlage: | Harry Mulisch | ||
| Kamera: | Theo Bierkens | ||
| Schnitt: | Nigel Galt | ||
| Kant Pan | |||
| Musik: | Henny Vrienten | ||
| Produktionsdesign: | Benedict Schillemans | ||
| Jaap Verburg | |||
| Kostüme: | Yan Tax | ||
| Ton: | Roberto van Eyden | ||
| Casting: | Beatrice Kurger | ||
Nein, ein Weihnachtsfilm ist das eigentlich nicht - auch wenn von Engeln und himmlischen Fügungen erzählt wird. Denn der Herr hat die Nase voll von der missratenen Menschheit: Er kündigt und will die zehn Gebote zurückhaben. Egal wie.
Kultautor Harry Mulisch hatte einen großen Plan: Er wollte das wichtigste Buch der westlichen Zeitgeschichte zu Ende schreiben - die Bibel. Das Ergebnis: Der Bestseller "Die Entdeckung des Himmels", der in Deutschland eine halbe Million Mal über die Ladentheke gewandert ist.
Regisseur Jeroen Krabbé hatte eine große Mission: Er wollte dieses Buch ins Kino bringen - ein Buch, das die Fans einhellig als wunderbar tiefsinnig und extrem unterhaltsam bezeichneten, aber vor allem als: unverfilmbar.
Heraus kam schließlich die mitreißende cineastische Antwort auf Fragen wie:
Was ist der Sinn des Lebens? Was ist Schicksal? Wieso tun wir eigentlich, was wir tun? Und was hat ein Coitus Interruptus auf einer Waschmaschine mit dem christlichen Heilsgedanken zu tun?
Fiese Engel
Gott gibt's dabei zwar nicht zu sehen - dafür aber Regisseur Krabbé in einer Rolle als Erzengel Gabriel: Der treibt seine geflügelten Helfer im Auftrag des enttäuschten Herrn zur Manipulation der missratenen Schäflein auf Erden: Ein junger Engel (Viv Weatherall) soll durch geschickte Eingriffe in den Lauf der Welt einen Menschen entstehen lassen, der die Steintafeln des Moses zurück in den Himmel bringt.
Dabei ist jedes Mittel recht: Erstmal inszeniert man gemütlich einen Weltkrieg und den Holocaust, um die richtige Großelternkombination zueinanderzuführen. Dann stiftet man in der Elterngeneration eine Männerfreundschaft zwischen dem hochgebildeten Politiker-Sonderling Onno (Stephen Fry) und dem Casanova Max (Greg Wise) und verwickelt beide in eine Dreiecksbeziehung mit der schönen Cellistin Ada (Flora Montgomery).
Einmal um die Welt...
Dazu Unfälle mit Komafolge, Herzinfarkte, Morde, Ehebruch, politische Intrigen, und ein heimlicher Doppelbeischlaf - das Ganze vor den Schauplätzen Holland, Rom und Kuba - schon ist der Auserwählte namens Quinten (Neil Newbon) geboren.
Dessen Weg über das Allerheiligste in Rom bis zum Tempelberg in Israel zu filmen, stellte das Team um Regisseur Krabbé schon wegen der Brisanz der Drehorte vor gehörige Schwierigkeiten.
Ich bin rein zufällig hier!
Genehmigungen für die Aufnahmen im Lateranpalast und im Pantheon zu Rom zu bekommen, war kitzlig genug. Doch der Dreh der Schlussszenen in Israel, wo Quinten in einer Traumsequenz samt Gottes Geboten in den Himmel auffährt, war ein echter Drahtseilakt, wie sich Krabbé erinnert:
"Wir hatten am Tempelberg lediglich die Genehmigung für Architekturaufnahmen. Die uns zugeteilten Polizisten durften also nicht bemerken, dass die Menschen, die wie zufällig im Bild standen, in Wirklichkeit unsere Darsteller waren. Daher gaben wir die Regieanweisungen über Handy. Sehen konnte ich die Schauspieler nur in den Gläsern der Sonnenbrillen der Beamten - nur so wusste ich auch, wann es kritisch wurde und ich die Polizisten ablenken musste."
Pfennigfuchser
Klar, dass ein derartiges Mammutprojekt nicht leicht zu finanzieren war. Dass es aber so weit kommen würde, dass die Regieassistentin am Ende zum Kopieren der Drehberichte das Studiogelände verließ, weil es im nächsten Copy-Shop zwei Cent billiger war, damit hatte auch Krabbé nicht gerechnet:
"Wenn es so weit ist, wird's ernst. Ich fühlte mich am Schluss wie bei einer Low-Low-Budget-Produktion."
Das ist dem Film aber mitnichten anzumerken - was vor allem an den hochklassigen Darstellern liegt, die ihre Figuren zielsicher durch den an tragischen Wendungen und Wirrungen reichen Plot steuern: Greg Wise ist als romantischer Schwerenöter auf Sinnsuche ebenso anrührend wie Flora Montgomery als moderne Maria - Regiseur Krabbe schreibt der Britin "etwas von der Ausstrahlung von Lady Di" zu.
Ja zum Leben
Und als Stephen Fry im Vorfeld der Produktion als Onno zusagte, notierte Krabbé in sein Tagebuch: "Ein Grund zum Singen und Tanzen!"
Zurecht, denn das britische Enfant Terrible ("Wilde") ist der faszinierende Angelpunkt des Films: ein behäbiger Adeliger, bis zur Lebensunfähigkeit gebildet und doch voll brennender Lebenslust. Und genau die ist der Motor von Jeroen Krabbés Groteske um Kultur, Religion und Werteverlust - die bei allem Zynismus letztlich die Liebe als heilende Kraft benennt.
Friede, Freude, Weihnachtsgans
Denn am Ende der "Entdeckung des Himmels" steht die Erkenntnis, dass dieser wenn, dann auf Erden stattfindet: Menschen sind eben menschlicher als alle Religionen, Wertesysteme und der Streit um selbige.
Eigentlich eine höchst erwärmende Botschaft, die dann doch wieder zum Geist der anstehenden Weihnacht passt.
Und falls Sie noch auf die Antwort zum Thema Sex auf der Waschmaschine warten - da müssen Sie sich schon ins Kino bemühen.
Frohes Fest allerseits!
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