Originaltitel: The Iron Lady
Großbritannien 2011
Meryl Streep
Jim Broadbent
Alexandra Roach
Regie: Phyllida Lloyd
Verleih: Concorde
Die Anfänge als Lokalpolitikerin in einem Bezirk Nordlondons sind für Margaret Thatcher schwer. Die männlichen Kollegen nehmen sie nicht ernst, erste politische Gehversuche scheitern. Doch dann wird sie 1961 Parlamentssekretärin, ein Posten als Ministerin folgt. 1979 avanciert sie zur ersten weiblichen Ministerpräsidentin Großbritanniens, ein Amt, das sie bis 1990 bekleidet. An ihrer Seite steht Ehemann Denis, Vater ihrer Zwillinge, Liebhaber, Berater und Stütze. Als sie 1982 Argentinien nach der Besetzung der Falklandinseln den Krieg erklärt, erhöht sich der politische Druck auf sie.

Meryl Streep brilliert als Ex-Premierministerin Margaret Thatcher in Phyllida Lloyds elegant gestaltetem Biopic, das den Menschen hinter der Politikerin sichtbar macht.
"Über den Hut könnte man eventuell sprechen, die Perlenkette werde ich aber sicherlich nicht ablegen..." Legendär wie dieser Spruch ist auch "Die Eiserne Lady" selbst, Margaret Thatcher, erster weiblicher Premier Großbritanniens und (politisch) höchst umstritten - für die einen wirtschaftlicher Heilsbringer, für die anderen rücksichtsloser Machtmensch, der mit der Politik der Deregulierung den "Casino Kapitalismus" förderte und so der britischen Mittelklasse den Todesstoß versetzte. Meryl Streep leiht ihr in Phyllida Lloyds Biopic Gesicht und Stimme, ihren Ehemann spielt Jim Broadbent. Auf das berühmte Paar legt die Regisseurin ihren Fokus, alle anderen Mitspieler fungieren vornehmlich als Stichwortgeber.
Im Hier und Jetzt setzt der Film ein. Die hoch betagte Ms. Thatcher ist ihren Bewachern entschlüpft. Im Haus fehlt die Milch zum Tee. Unerkannt betritt sie ein kleines Lebensmittelgeschäft, ersteht das Molkereiprodukt und beschwert sich anschließend beim Ehemann über den hohen Preis. Eine ganz normale Unterhaltung, die jedes Paar führen könnte. Aber Gatte Denis lebt nicht mehr, Margaret führt Zwiegespräche mit einem Geist. Die Frau ist verwirrt, vielleicht sogar schon etwas dement. Das Prinzip von Regisseurin Lloyd ("Mamma Mia!") und ihrer Drehbuchautorin Abi Morgan ("Shame") ist ebenso einfach wie effizient: Die Story springt in der Zeit hin und her. Der gebrechlichen alten Dame bringt man leicht Sympathie und Verständnis entgegen, den homo politicus hasst oder bewundert man - je nach Geisteshaltung und politischer Gesinnung.
Eine 30-jährige Karriere wird in 105 Minuten "durchgespielt". Ende der 1950er Jahre ist Thatcher Kandidatin der Konservativen in einem Nordlondoner Wahlkreis. 1961 Parlamentssekretärin, 1970 Kultus- und Wissenschaftsministerin, nach der Wahlschlappe der Konservativen wird sie 1974 nach einer Kampfabstimmung gegen Amtsinhaber Edward Heath Parteivorsitzende und 1979 schließlich erster weiblicher Premierminister, ein Amt, das sie bis 1990 bekleidet. Ein paar kleine Niederlagen, viele große Siege. Denis, ein erfolgreicher Geschäftsmann, ist ihr Freund, Liebhaber, Berater und Stütze. Radio Moskau gibt ihr 1976 ihren Spitznamen "Iron Lady", nachdem sie in einer Ansprache die "bolschewistische Sowjetunion" attackiert hat - ein Ehrentitel findet sie und macht dann 1982 als Argentinien die britischen Falklandinseln besetzt, diesem Namen alle Ehre. Sie erklärt den Krieg und findet in US-Präsident Reagan einen mächtigen Verbündeten.
Nostalgische Sepiabilder für das Gestern, verwaschene, kalte Aufnahmen für das Heute. Dazu Wochenschauclips, verwegene Kamerawinkel, hohes Tempo, eine furiose Montage und mittendrin die zweifache Oscar-Preisträgerin Meryl Streep ("Sophies Entscheidung", "Kramer gegen Kramer"), die einmal mehr ganz in ihrer Rolle aufgeht. Nicht zu Unrecht ist sie wieder für einen Golden Globe nominiert, sie spielt Thatcher nicht, sie ist Thatcher. In Mimik, Gestik und Ton - und genauso überzeugend agiert Partner Broadbent ("Another Year"). Großes Schauspielerkino, das streckenweise wie ein Dokudrama anmutet - erstklassiges Produktionsdesign von Simon Elliott ("Eine zauberhafte Nanny"), perfekte (schreckliche) Kostüme von Consolata Boyle ("Immer Drama um Tamara") und ein treibender Score von Thomas Newman ("The Help") inklusive. Ms. Thatcher muss man nicht mögen, diesen Film schon. geh.
| Darsteller: | Meryl Streep | als Margaret Thatcher | |
|---|---|---|---|
| Jim Broadbent | als Denis Thatcher | ||
| Alexandra Roach | als Margaret Thatcher, jung | ||
| Olivia Colman | als Carol Thatcher | ||
| Harry Lloyd | als Denis Thatcher, jung | ||
| Iain Glen | als Alfred Roberts | ||
| Anthony Head | als Geoffrey Howe | ||
| Richard E. Grant | als Michael Heseltine | ||
| Roger Allam | als Gordon Reece | ||
| Julian Wadham | als Francis Pym | ||
| Susan Brown | als June | ||
| Nick Dunning | als James Prior | ||
| Hugh Ross | als Christopher Soames | ||
| Regie: | Phyllida Lloyd | ||
| Drehbuch: | Abi Morgan | ||
| Produzent: | Damian Jones | ||
| Koproduzent: | Anita Overland | ||
| Colleen Woodcock | |||
| Ausf. Produzent: | Tessa Ross | ||
| François Ivernel | |||
| Adam Kulick | |||
| Kamera: | Elliot Davis | ||
| Schnitt: | Justine Wright | ||
| Musik: | Thomas Newman | ||
| Produktionsdesign: | Simon Elliott | ||
| Kostüme: | Consolata Boyle | ||
| Maske: | Marese Langan | ||
| Mark Coulier | |||
| J. Roy Helland | |||
| Casting: | Nina Gold | ||
Der Film "Die Eiserne Lady" zeuge sowieso von schlechtem Geschmack und überhaupt hätte sich eine Frau wie Meryl Streep nie in so einem Amt halten können.
Bewegt und gerührt nahm Meryl Streep bei der 84. Oscarverleihung ihre goldene Statue für "Die Eiserne Lady" entgegen. Doch bei der Dankesrede ist der Schauspielerin ein unverzeihlicher Fehler unterlaufen, wie jetzt britische Regierungsmitglieder feststellen: Meryl Streep vergaß in ihrer Ansprache die Frau, die sie verkörperte, nämlich Margaret Thatcher.
Lord Norman Tebbit, einst engster Vertrauter der Premierministerin, habe schon bei der Rede in seinem Sessel gekocht und schimpft jetzt: "Mich wundert das alles überhaupt nicht."
Das Ganze sei sowieso kein Film über Lady Thatcher sondern eher einer über Meryl Streep: "Wenn Margaret Thatcher so gewesen wäre, wie die Frau, die sie spielte, hätte sie sich keine sechs Monate im Amt gehalten", so Tebbit weiter.
Überhaupt scheint man in britischen Politikerkreisen nicht viel von der Verfilmung der "Eisernen Lady", die hier auch als alte und geistig verwirrte Frau gezeigt wird, zu halten. So heißt es von Sir Bernard Ingham, dem früheren Pressesprecher von Thatcher: "Ich kann es nicht gutheißen, wenn man versucht mit dem Alter von jemandem Geld zu machen. Das zeugt von schlechtem Geschmack."
Die Academy fand das nicht und ehrte Meryl Streep für ihre Leistung mit dem Oscar, der mittlerweile Streeps dritter ist.
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