Originaltitel: The Bridges of Madison County
USA 1995
Clint Eastwood
Meryl Streep
Annie Corley
Regie: Clint Eastwood
Verleih: Warner
Zufällig erkundigt sich der welterfahrene Fotograf Robert bei der Farmerin Francesca nach dem Weg zu den Brücken von Madison County, die er fotografieren will. Da sich ihre Familie nicht in der Stadt befindet, begleitet sie ihn als Führerin auf der Suche nach Motiven. Langsam kommen sich die beiden näher und erleben vier intensive Tage der Liebe.

Seit dem unvergessenen Filmklassiker "Casablanca" war das Publikum selten so sehr zu Tränen gerührt wie von der unaufdringlich bewegenden Lovestory "Die Brücken am Fluß". Sogar die Story weist Parallelen auf: Zwei Menschen mittleren Alters empfinden die große Liebe füreinander, um sie in Folge aus Pflichtbewußtsein zu opfern. Für die Regie zeichnet Kultfigur Clint Eastwood verantwortlich, der 1992 für sein Westernepos "Erbarmungslos" mit einem Oscar geehrt wurde und nun gute Chancen hat, im nächsten Oscarrennen einen weiteren Triumph zu verbuchen. Dabei war das auf Robert James Wallers gleichnamigen Bestsellerroman basierende Projekt von zahlreichen Regisseuren - darunter Steven Spielberg, Sydney Pollack und Bruce Beresford - abgelehnt und von etlichen Drehbuchautoren bearbeitet worden. Richard LaGravenese schließlich transformierte die eher schwülstige Vorlage in eine zugängliche Adaption, die auf übermäßiges Pathos verzichtet. Geschickt wird die Liebesgeschichte der einfachen Farmersfrau Francesca Johnson (Meryl Streep) und dem weltoffenen Fotografen Robert Kincaid (Eastwood) nach Francescas Tod in Rückblenden aus der Sicht ihrer erwachsenen Kindern erzählt. Iowa 1965: Francesca ist für vier Tage allein auf der Farm, der Rest der Familie besucht eine Viehschau. Der globetrottende "National Geographic"-Fotograf Robert verirrt sich auf der Suche nach der malerischen Roseman-Brücke und fragt Francesca nach dem Weg. Sie empfinden sogleich Sympathie füreinander und kommen sich rasch näher. Obwohl sie die unterschiedlichsten Backgrounds haben, besteht zwischen ihnen eine Seelenverwandschaft, die sie im Verlauf ihrer viertägigen Intensivromanze als die Liebe ihres Lebens erkennen. Sie diskutieren ihre Optionen für die Zukunft, doch beide kennen bereits die Antwort. Meryl Streep, zuletzt sehnig-durchtrainiert "Am Wilden Fluß", gibt einige Pfunde weiblicher eine meisterhafte Darstellung als sensible Farmerin voller unerfüllter Träume, die als reife Frau von ihrer Umwelt unbemerkt ihren zweiten Frühling erlebt und den Rest ihres Lebens davon zehrt. Damit trifft sie genau den Nerv des älteren weiblichen Publikums, das in den USA einen Großteil der Kinobesucher ausmacht. Clint Eastwood, der schon bei "In the Line of Fire" von seinem typischen Rollentypus abwich und eine sehr menschliche Seite zeigte, ist die Idealbesetzung, da er seinem Charakter eine gelassene, sich selbst nicht tödlich ernst nehmende Dimension verleiht und somit den sentimentalen Overkill abwendet. Wie bei "Perfect World" wurde die ländliche Umgebung in wunderschönen, stimmigen Naturaufnahmen eingefangen, die mit einem präzisen Produktionsdesign ergänzt werden. Der ausgewogene Soundtrack setzt vor allem auf dezente Jazzmelodien und sparsam zeitgenössische Hits. Eastwood, ansonsten eher auf Emotionen zwischen Rache und Ehre abonniert, realisierte mit einem Budget von 20 Millionen Dollar handwerklich solide einen eindringlich-ergreifenden Film um verlorenene Liebe und ungelebte Träume, der in den USA bereits über 36 Mio. Dollar einspielen konnte und auch in Deutschland auf rege Resonanz stoßen wird. ara.
| Darsteller: | Clint Eastwood | als Robert Kincaid | |
|---|---|---|---|
| Meryl Streep | als Francesca Johnson | ||
| Annie Corley | als Caroline | ||
| Victor Slezak | als Michael Johnson | ||
| Jim Haynie | als Richard Johnson | ||
| Regie: | Clint Eastwood | ||
| Drehbuch: | Richard LaGravenese | ||
| Produzent: | Clint Eastwood | ||
| Kathleen Kennedy | |||
| Buchvorlage: | Robert James Waller | ||
| Kamera: | Jack N. Green | ||
| Schnitt: | Joel Cox | ||
| Musik: | Lennie Niehaus | ||
| Clint Eastwood | |||
260 klassische Filmküsse, 187 mal eifersüchtiges Gezanke und unzählige Lastwagenladungen von Taschentüchern für zu Tränen gerührte Kinogänger - Das ist das Ergebnis der 100 beliebtesten Liebesfilme Amerikas.
Gibt es überhaupt einen romantischeren Ort? Gedämpftes Licht, die Sitz- und Lümmelgelegenheiten mit weichem Samt überzogen, in den Händen das Lieblingseis. Und auf der großen Leinwand die zelluloidgewordene Erfüllung aller Jugendträume von Hingabe, Verzweiflung und der einen großen Liebe. Amor, dein Name ist Hollywood.
Nach über 80 Jahren zieht die Traumfabrik nun die Bilanz ihrer zahllosen Apelle an unsere sehnsuchtsvollen Herzen: Das renommierte American Film Institute (www.afi.com) hat eine Liste der 100 populärsten Liebesfilme veröffentlicht. Abgestimmt haben Kritiker, Autoren, Regisseure und Schauspieler.
Und der inoffizielle Oscar für den schönsten Schmachtfetzen aller Zeiten geht an - welch Überraschung - "Casablanca". Auch nach 60 Jahren größter Bemühungen der Schönen und Schönsten hat die Stadt der Engel kein größeres Traumpaar als Humphrey Bogart und Ingrid Bergman gefunden - da nützt auch Julia Roberts' imposanter Schmollmund nichts.
Klassisch liebt am Besten
Die "Pretty Woman" findet sich mit ihrer naiven Kurtisanenromanze an der Seite von Chefgigolo Richard Gere erst auf Platz 21 - wie die neueren Filme überhaupt wenig Land sehen im Vergleich mit den bildgewaltigen Klassikern.
So landet mit "Shakespeare in Love" der aktuellste Film unter den Top 100 gerade mal auf Platz 50 - wohlwollend gesagt gesichertes Mittelfeld, "tabellarisches Niemandsland" trifft's aber besser.
Auch Meg Ryans mustergültig vorgespielter Orgasmus brachte einen großen Liebesfilm der 80er nicht auf die filmgeschichtliche Überholspur. Für "Harry und Sally" gab's nur Platz 25. Beim Kampf von Stimmbanderotik und verbalen Anzüglichkeiten contra Cary Grants Gentleman-Attitüde siegt klar der Klassiker.
Ikonen unter sich
Grant brachte gleich sechs Filme unter die Top 100 und erstürmte mit "Die große Liebe meines Lebens" Platz 5. Als Leinwand-Lover fast genauso beliebt ist Humhrey Bogart, der es auf fünf Einträge in die Liebesliste bringt. Meg Ryan, die neuzeitliche Queen of Romantic Comedy, ist neben "Harry und Sally" nur noch mit "Schlaflos in Seattle" vertreten.
Dafür, dass Cary Grant als Filmbeau so unerreicht charmant wirkte, sorgte unter anderem Regisseur George Cukor: Er erwies sich statistisch als der Meister im herzergreifenden Inszenieren. So führte Cukor unter anderem bei "Die Nacht vor der Hochzeit" (Platz 44) Regie, der Grant als reumütigen Playboy an der Seite von Katharine Hepburn zeigte.
Sehnsüchtige Träume
Katharine wiederum macht zusammen mit ihrer Namensvetterin Audrey stolze elf Prozent der 100 schönsten Liebesgeschichten Hollwoods aus: Katharine erweichte sechs mal die Herzen ihrer Filmpartner, die "Fair Lady" Audrey fünf mal. Unvergessen ihr "Frühstück bei Tiffany" und die melancholische Weise "Moonriver", bei der wahre Tränenströme in die Stofftaschentücher flossen.
Apropos Fließen, das monumentale Liebesepos der 90er, "Titanic", ist richtungsweisend - zwar lediglich Platz 37 für Teenieschwarm Leo und seine propere Kate, dafür aber eine wichtige Gemeinsamkeit mit den Top Ten: In nur drei der zehn schönsten Liebesfilme aller Zeiten kriegen sich Männlein und Weiblein - sieben mal bleibt die Liebe unerfüllt.
Klar, wenn jeder Topf gleich sein Deckelchen findet, wer schaut dann noch Liebesfilme?
Boris Sunjic
Die 100 populärsten Liebesfilme:
Quelle: American Film Institute
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