Originaltitel: La demoiselle d'honneur
Deutschland/Frankreich 2004
Benoît Magimel
Laura Smet
Aurore Clément
Regie: Claude Chabrol
Verleih: Concorde
Philippe Tardieu (Benoit Magimel) lebt bereits so lange mit Mutter Christine (Aurore Clément) sowie den Schwestern Sophie (Solène Bouton) und Patricia (Anna Mihalcea) unter einem Dach, dass er fast schon vergessen hat, ein eigenes, selbstbestimmtes Leben zu führen. Das ändert sich, als er auf Sophies Hochzeit die Bekanntschaft der Brautjungfer Senta (Laura Smet) macht. Doch die Zuneigung der sinnlichen, in einer ganz eigenen Fantasiewelt lebenden Schönheit hat einen hohen Preis.
Weniger von innerfamiliären Konflikten als vom Kampf zwischen Gefühl und Ratio erzählt Claude Chabrol in seinem neuen Thriller, basierend auf einem Bestseller von Ruth Rendell.
Mysteriöser Liebesthriller nach der Krimi-Bestsellervorlage von Ruth Rendell.
Auf der Hochzeit seiner Schwester verliebt sich der 25-jährige Philippe (Benoît Magimel) in Senta (Laura Smet), eine der Brautjungfern. Senta und Philippe beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Doch dann muss Philippe plötzlich erkennen, dass seine Herzdame offensichtlich in einer gefährlichen Scheinwelt lebt.
Was das bedeutet, wird Philippe allerdings erst klar, als Senta nach einem Streit einen verhängnisvollen Liebesbeweis einfordert: Er soll für sie einen Baum pflanzen, gleichgeschlechtlichen Sex haben - und einen Mord verüben.
Nach der Krimi-Bestsellervorlage von Ruth Rendell inszenierte der französische Altmeister Claude Chabrol mit bewährter Finesse eine mysteriöse Geschichte um eine exzessive Liebe. Nach seinen filmischen Studien der Bourgeoisie nimmt er sich nun der Psychologie der unteren Mittelschicht an.
Dabei geht es Chabrol diesmal weniger um familiäre Konflikte, als um den immer währenden Kampf zwischen Vernunft und Leidenschaft. Gedreht wurde zum Teil in München.
| Darsteller: | Benoît Magimel | als Philippe | |
|---|---|---|---|
| Laura Smet | als Senta | ||
| Aurore Clément | als Christine | ||
| Bernard Le Coq | als Gérard | ||
| Solène Bouton | als Sophie | ||
| Anna Mihalcea | als Patricia | ||
| Isolde Barth | als Sentas Mutter | ||
| Michel Duchaussoy | als Clochard | ||
| Suzanne Flon | als Madame Crespin | ||
| Eric Seigne | als Jacky | ||
| Pierre-François Dumeniaud | als Nadeau | ||
| Philippe Duclos | als Kommissar | ||
| Thomas Chabrol | als Lieutenant José Laval | ||
| Mazen Kirwan | als Pablo | ||
| Regie: | Claude Chabrol | ||
| Drehbuch: | Pierre Leccia | ||
| Claude Chabrol | |||
| Produzent: | Antonio Passalia | ||
| Patrick Godeau | |||
| Alfred Hürmer | |||
| Ausf. Produzent: | Patrick Godeau | ||
| Buchvorlage: | Ruth Rendell | ||
| Kamera: | Eduardo Serra | ||
| Schnitt: | Monique Fardoulis | ||
| Musik: | Matthieu Chabrol | ||
| Produktionsdesign: | Françoise Benoît-Fresco | ||
| Kostüme: | Mic Cheminal | ||
| Ton: | Pierre Lenoir | ||
| Thierry Lebon | |||
Auch nach über 70 Filmen denkt Altmeister Claude Chabrol nicht ans Aufhören. Der 74-Jährige arbeitet bereits an neuen Projekten und bleibt auch in der Ruth Rendell-Adaption "Die Brautjungfer" dem Grundthema seiner Filme treu.
Eine Art Seelenverwandtschaft, vielleicht weil Ruth und ich im gleichen Jahr geboren sind. Mir gefällt, wie auf den ersten Blick scheinbar normale Verhaltensweisen sich nach und nach als höchst geheimnisvoll entpuppen.
Ihre Figuren sind vielschichtig und nicht so typisch englisch. Man kann sie mit kleinen Änderungen nach Frankreich transferieren. Doch die Rätselhaftigkeit der Charaktere darf auch nicht zu kompliziert sein, denn bei zu großer Unlogik steigt das Publikum aus.
Männer sind einfache Geschöpfe und fallen schnell auf eine attraktive Frau herein. Über Filme mit Männern im Mittelpunkt muss ich immer lachen. In "Die Brautjungfer" führt der Typ mit seiner Mutter und zwei Schwestern ein langweiliges Leben. Erst die Begegnung mit der geheimnisvollen Brautjungfer öffnet ihm die Tür zu einer Welt voller Sex und Leidenschaft.
Eine willkommene Ausflucht, denn meine Geschlechtsgenossen sind im Allgemeinen nicht besonders abenteuerlich. Frauen dagegen setzen sich durch, wenn sie etwas wollen. Sie sollten die Schlüsselpositionen in Staat und Wirtschaft übernehmen, die Männer sich dagegen um Kinder und Haushalt kümmern. Dann würde unsere Welt anders aussehen. Leider haben Frauen Angst, streng zu sein und scheuen sich vor zu viel Macht.
Ich liebe nackte Frauenkörper und hatte nie Angst vor freizügigen Szenen, sofern sie in den Kontext passten. Was ich nicht mag, ist diese voyeuristische Perspektive, die zeugt nur von Verklemmtheit.
Oft habe ich den Eindruck, ich mache einen ganz neuen Film, bis ich dann irgendwann merke, dass ich doch wieder auf der gleichen Schiene fahre. Das ist wie auf einem Schlachtfeld. Man glaubt, alles in Stücke zu hauen, und lässt doch letztendlich einiges übrig.
Auf Kommando etwas ganz anderes zu schaffen, geht sowieso nicht. Ehrlich gesagt, unterwerfen sich Regisseure auch Trends, und nicht jeder Film ist für die Ewigkeit. Über einige meiner Werke breite ich lieber den Mantel des Schweigens.
Mich interessieren Menschen, die aus ihrer Alltagsnorm ausbrechen und eine Tat begehen, die man ihnen nicht zutraut. Ich will den Zuschauer mit möglichst komplexen Zusammenhängen unterhalten.
Eine schöne Leiche kommt immer gut an. Die üblichen Krimis mit einem Toten, einem Polizisten, der Leute befragt und den Bösen der Gerechtigkeit überführt, finde ich zum Gähnen. Deshalb taucht bei mir kaum ein Polizist auf. Die sollen im Fernsehen ihre Arbeit erledigen. Die einzig spannende Polizistenfigur ist George Simenons Kommissar Maigret. Von einer Kopie sollte man tunlichst die Finger lassen.
Warum? Ich liebe das Altern. Da muss ich mich nicht mehr ducken oder anpassen. Wenn jemand mosert, sage ich einfach "Au revoir, Monsieur".
Das Leben samt neu gewonnener Freiheit genieße ich in vollen Zügen. Das heißt nicht, dass ich früher den Mund gehalten habe. Mein Kopf funktioniert, allerdings werde ich körperlich ruhiger und will nicht unbedingt vier Monate in verschneiten Bergen drehen. Nichtstun und Herumhängen schaffen nur Müdigkeit. Da muss man ab einem bestimmten Alter aufpassen.
Unter französischen Regisseuren herrscht nicht gerade eine Superkommunikation, aber ich tausche mich gern mit Nachwuchsregisseuren aus. Von gehypten Personen halte ich mich allerdings fern. Die derzeitige Entwicklung in Frankreich beunruhigt mich.
Da setzt man auf diese falschen großen Filme, in die eine Unmenge Geld fließt wie in "Atomic Circus" von den Gebrüdern-Poiraud oder in Frédéric Auburtins "San Antonio". Ich sage nicht, sie haben kein Talent, aber die Einspielergebnisse entsprechen nicht dem eingesetzten Kapital, das Newcomern dann fehlt.
Ich arbeite gerade an zwei Projekten, aber die befinden sich noch in der Drehbuchphase. Hetzen lasse ich mich jedenfalls nicht mehr.
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.