"Wenn wir nicht unverzüglich handeln, geraten wir in ein neues nukleares Zeitalter: gefährlicher, seelisch unerträglicher und finanziell kostspieliger als der Kalte Krieg." Wenn ein Mann wie Henry Kissinger solch einen Satz ausspricht, sollte man das ernst nehmen. Der Realpolitiker steht außer Verdacht, ein Friedensapostel zu sein, setzt sich für eine Nulllösung ein. In Barack Obama haben er und seine Mitstreiter endlich einen Verbündeten gefunden, berichtet uns Kissinger nach einem Treffen im Weißen Haus.
Die Zeit drängt. Die Situation an der afghanisch-pakistanischen Grenze eskaliert. Die Taliban rüsten sich für ein Comeback. Die Regierung in Islamabad steht auf wackligen Füßen. Schnell wird beim Dreh deutlich, dass für eine Befriedung der Region mehr als nur gelungene Militäroperationen notwendig sein werden.
Angela Andersen und Claus Kleber besuchen einen der Ingenieure der "muslimischen Atombombe" und reden mit General Hamid Gul, einem Hardliner und Freund der Taliban. Pakistan will sich vom Westen nichts vorschreiben lassen und steckt in diesem Jahr noch mehr Geld in sein Atomprogramm. "Warum gesteht die Welt dem Erzfeind Indien Atomwaffen zu und nicht Pakistan?", fragen sie. Die breit diskutierte, strategisch-abstrakte Gefahr wird auf einmal begreiflich, als Claus Kleber eine Koranschule für Mädchen besucht und das Misstrauen im Hinterhof gegen den Westler deutlich zu spüren ist.
Noch ist unklar, welche Rolle die Bundeswehr in Zukunft in dieser gefährlichen Region spielen wird. Der charismatische Präsident Barack Obama kann auch knallhart auftreten, und er braucht dringend Verbündete. Es sei gefährlich, meint er, weiterhin vor dem Problem der Weiterverbreitung von Atomwaffentechnik die Augen zu verschließen.
In Israel hören die Autoren die Angst vor einem Iran heraus, der mit mehr als Verbalkeulen auf den jüdischen Staat eindreschen könnte. Und wenn Teheran erst einmal den Besitz von nuklearen Waffen feiert, wollen dann Saudi-Arabien, Ägypten oder die Türkei im Abseits stehen? Ein Dominoeffekt könnte eintreten. Das Teuflische ist, mit der Atombombe verschafft man sich Respekt. Und jeder weiß es.
Für Terrororganisationen, die unabhängig oder über nicht nachweisbare Verbindungen von "Schurkenstaaten" gesteuert als nukleare Freischärler arbeiten, wäre die Bombe das ultimative Erpressungsmittel. Selbst eine leichter herstellbare, mit radioaktivem Material bestückte schmutzige Bombe und ein Selbstmordattentäter mitten in Manhattan würden den Terror triumphieren lassen.
Mit diesem Horrorszenario beschäftigt sich die New Yorker Polizei seit dem 11. September. Claus Kleber erlebt eine veränderte Stadt. New York hat aufgerüstet, setzt sensible Messgeräte ein und hat eine auf Terror spezialisierte Polizeieinheit. New Yorker Detektive im Einsatz bei einer Straßensperre und bei Kontrollen im Containerhafen erzählen, eine totale Überwachung gäbe es zwar nicht, aber man wolle es Terroristen in New York so schwer wie möglich machen.
Trotz der neuen Abrüstungsgespräche erlebt Claus Kleber bei den Militärs der Kontrahenten des Kalten Krieges, USA und Russland, dass die Idee der Abschreckung noch tief verankert ist. El-Baradei, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, zeigt sich bei einem Spaziergang über das neue nukleare Zeitalter tief besorgt. Falls die Großen keine ernst zu nehmenden Schritte zur Abrüstung unternähmen, fehle ihnen die moralische Autorität, kleinere Staaten zur Aufgabe der Bombe zu bewegen.
Das beunruhigende Ergebnis der Recherchen für diese Filmreihe: Die Welt ist heute gefährdeter als in der letzten Phase des Kalten Krieges - vor Glasnost, Perestroika und den Abrüstungsverträgen der 90er Jahre. Wir gleiten in eine Situation, in der es keine Garantien mehr gibt, nicht einmal Instrumente, die als Schutzmechanismus einigermaßen glaubwürdig wirken.
Quelle: ZDF, www.zdf.de
| Regie: | Claus Kleber | ||
|---|---|---|---|
| Angela Andersen | |||
| Drehbuch: | Claus Kleber | ||
| Angela Andersen | |||
| Produzent: | Ulrich Lenze | ||
| Kamera: | Jürgen Rapp | ||
| Naftali Larish | |||
| Steffen Böttrich | |||
| Karsten Kaub | |||
| Schnitt: | Walter Freund | ||
| Musik: | Nils Kacirek | ||
| Ton: | Resa Asarschahab | ||
| Philipp Terstappen | |||
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