Ein Colonel, den man sich kaufen kann, aber den sich keiner leisten will, ist der erstaunliche Debütfilm des brillanten französischen Kameramannes Yves Angelo ("Die siebente Saite", "Germinal"). Trotz seiner formalen und erzählerischen Qualitäten hat "Le Colonel Chabert" bislang keinen deutschen Verleih gefunden. Vielleicht nach dem Filmfest München, wo er seine Deutschland-Premiere feiern wird? Von der ersten Einstellung an verspricht diese Verfilmung von Honoré de Balzacs gleichnamigem Roman eine Klasse, die bis zum Ende durchgehalten wird. Eine in blau-grauen Tönen gehaltene, wortlose, von Beethovens schwermütiger Musik untermalte Ouvertüre des Grauens zeigt schreckliche Bilder vom Ende der Schlacht von Eylau (1807), zeigt ein Heer namenloser dahingemetzelter Soldaten, die von den wenigen Überlebenden von ihren Habseligkeiten befreit und fürs Massenbegräbnis vorbereitet werden. Was dann folgt, weist inhaltliche Parallelen zu Daniel Vignes "Die Wiederkehr des Martin Guerre" auf. Zehn Jahre nach dem Blutbad meldet sich ein ungepflegter, sichtbar verarmter Mann (Gérard Depardieu) beim Rechtsanwalt Derville (Fabrice Luchini in einer gegenüber der Romanvorlage ausgeweiteten, superb interpretierten Rolle) und stellt sich als Colonel Chabert vor - jener napoleonische Kriegsheld, der nach Eylau vermißt und schließlich für tot erklärt wurde. Obwohl ihn alle anderen für einen Hochstapler oder Verrückten halten, wird das Phantom von der Spielernatur Derville als Klient akzeptiert. Chabert, dessen Frau (Fanny Ardant) inzwischen mit einem politisch ambitionierten Grafen verheiratet ist, fordert die Wiederherstellung seines Namens, seiner Position und seines Vermögens. Kampf ums Geld und gesellschaftliche Positionen dominiert thematisch diese menschliche Tragödie, in der Ardant unter einer im Grunde unsympathischen Figur Verletzlichkeit freilegt, und Depardieu, zurückgenommener als sonst, Würde und schließlich Demut zeigt. Nicht nur ihretwegen ist "Le Colonel Chabert" großes, charakterorientiertes Kino mit bestechender Fotografie, Ausstattung und einer Lektion in Moral und Humanität, die man auch auf deutschen Leinwänden erteilt sehen möchte. kob.
| Darsteller: | Gérard Depardieu | als Chabert | |
|---|---|---|---|
| Fanny Ardant | als Gräfin Ferraud | ||
| Fabrice Luchini | als Derville | ||
| André Dussollier | als Graf Ferraud | ||
| Daniel Prévost | als Boucard | ||
| Eric Elmosnino | als Desroches | ||
| Olivier Saladin | als Hure | ||
| Patrick Bordier | als Boutin | ||
| Albert Delpy | als Notar | ||
| Jean Cosmos | als Costaz | ||
| Jacky Nercessian | als Delbecq | ||
| Maxime Leroux | als Godeschal | ||
| Guillaume Romain | als Simonin | ||
| Claude Rich | als Chamblin | ||
| Marc Maidenberg | als Diener | ||
| Romane Bohringer | als Sophie | ||
| Valérie Bettencourt | als Julie | ||
| Julie Dépardieu | als Mathilde | ||
| Olivier Py | als Fechter | ||
| Florence Guerfy | als Kundin | ||
| Isabelle Wolfe | als Nonne | ||
| Regie: | Yves Angelo | ||
| Drehbuch: | Yves Angelo | ||
| Jean Cosmos | |||
| Véronique Lagrange | |||
| Produzent: | Jean-Louis Livi | ||
| Ausf. Produzent: | Bernard Marescot | ||
| Buchvorlage: | Honoré de Balzac | ||
| Kamera: | Bernard Lutic | ||
| Schnitt: | Thierry Derocles | ||
| Musik: | Ludwig van Beethoven | ||
| Wolfgang Amadeus Mozart | |||
| Domenico Scarlatti | |||
| Franz Schubert | |||
| Robert Schumann | |||
| François Rauber | |||
| Produktionsdesign: | Bernard Vézat | ||
| Kostüme: | Franca Squarciapino | ||
| Ton: | Pierre Gamet | ||
Frankreichs "Ein-Mann-Nouvelle-Vague" wird von seinen Landsleuten wie der von ihm verkörperte Obelix (in "Asterix & Obelix gegen Caesar...
Sie ist eine der Diven des französischen Films, die geheimnisvolle, strahlend schöne Femme fatale mit breiter Mundpartie und herausfordernden...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.