Minimalistisch-realistisches Psychodrama über das dunkle Geheimnis zwischen einem Schreiner und seinem Lehrling. http://images.kino.de/flbilder/max03/mbiz03/mbiz22/z0322598/b150x150.jpg Der Sohn

Filmdetails

Der Sohn

Minimalistisch-realistisches Psychodrama über das dunkle Geheimnis zwischen einem Schreiner und seinem Lehrling.


Der Sohn
Start: 12.06.2003

Originaltitel: Le fils

Drama

Belgien/Frankreich 2002
Laufzeit: 103 Min.
FSK: Ungeprüft

Olivier Gourmet
Morgan Marinne
Isabella Soupart

Regie: Jean-Pierre Dardenne, ...
Verleih: Kairos

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Inhalt

Als Olivier (Olivier Gourmet), Schreinermeister in einem Ausbildungsbetrieb für straffällig gewordene Jugendliche, den neuen Lehrjungen Francis (Morgan Marinne) kennen lernt, gerät sein Leben aus den Fugen. Völlig gefesselt von dem 16-Jährigen beginnt er diesen zu beobachten, folgt ihm auch nach der Arbeit, dringt gar in dessen leere Wohnung ein. Als seine Frau (Isabella Soupart) von diesen Vorgängen erfährt, erleidet sie einen Nervenzusammenbruch. Was ist das düstere Geheimnis, das Olivier mit Francis verbindet?

Nachdem sie mit "Rosetta" die Goldene Palme in Cannes eroberten, setzen die Gebrüder Dardenne ihren minimalistisch-realistischen Kamerastil in diesem düsteren Psychodrama nahtlos fort.


Kritik

Der Sohn

Mit "Rosetta" gewannen die belgischen Brüder Dardennes vor drei Jahren nicht nur die Goldene Palme in Cannes, sie etablierten auch einen neuen, grimmig realistischen Kamerastil, der den Protagonisten aus der Arbeiterklasse so dicht auf den Pelz rückt, dass die Distanz zwischen dem Zuschauer und den dargestellten emotionalen Befindlichkeiten ungemütlich klein wird. Mit "Le Fils", den man als minimalistisches Psychodrama beschreiben könnte, haben die Dardennes ihre Handschrift weiter verfeinert: In wenigen starken Schwüngen erzählen sie vom dunklen Geheimnis zwischen einem Schreiner und seinem Lehrling, das sich erst allmählich - und zu großem Effekt - aufklärt.

Von Anfang an bläst die Kamera dem stämmigen, verschlossen wirkenden Schreinermeister Olivier (Olivier Gourmet) ihren heißen Atem direkt ins Genick: Der Blick dieses Films geht fast ausschließlich über Oliviers Schulter, und erst später wird klar, warum die Dardennes ihre Geschichte aus dieser Warte erzählen. Es dauert eine Weile, bis man sich an die anstrengende Perspektive gewöhnt hat, doch dann entfaltet das Drama, das sich zwischen Olivier und seinem neuen Lehrling abspielt mit großer Wucht. Fast eine Dreiviertelstunde bleibt unklar, warum der Mann so seltsam von dem Jungen angezogen ist, der sich im Rahmen eines Resozialisierungsprojekts als Auszubildender bei ihm bewirbt. Der erste Blick auf das Gesicht von Francis bleibt dem Zuschauer vorenthalten - man sieht nur Oliviers Reaktion -, doch wie Olivier ihm hinterherfährt und sogar in seine leere Wohnung eindringt, wird klar, dass die beiden etwas verbindet. Dass das nichts Gutes ist, deuten die Dardennes in einer starken Szene an, als Oliviers geschiedene und wiederverheiratete Frau ihn besucht und freudig von ihrer neuen Schwangerschaft erzählt. Als sie erfährt, wer Oliviers neuer Lehrbub ist, bricht sie zusammen. Nach und nach erfahren wir schließlich, was jene Last ist, die auf Oliviers Schultern ruht: Vor fünf Jahren haben die beiden ihren kleinen Sohn verloren, als ein Elfjähriger ihr Auto stehlen wollte. Dieser ist kein anderer als Francis, der gerade aus der Jugendstrafanstalt kommt. In der Art, wie Olivier ihm seinen neuen Beruf beibringt, liegt bereits die ganze Tragödie dieser von Gourmet phantastisch gespielten (und mit dem Darstellerpreis ausgezeichneten) Figur: Wut, Rachsucht, Verzeihen, nie ausgelebte Vatergefühle - all das brodelt hinter den Brillengläsern dieses faszinierenden Mannes, der bis zum Schluss hin-und-hergerissen ist, was er mit Francis letztlich anstellen soll. Der Film endet in einem abgelegenen Sägewerk, wo Olivier sich Francis endlich zu erkennen gibt. An dieser Stelle des ohnehin wortkargen Films, gibt es nicht mehr viel sagen. Die Dardennes lassen stattdessen ihre tief bewegenden, manchmal schockierenden Bilder sprechen und tragen die Erkenntnisse ihrer Hauptfiguren dorthin, wo sie hingehören - in den Kopf des Zuschauers. evo.

Der Sohn

Darsteller:  Olivier Gourmet   als Olivier
  Morgan Marinne   als Francis
  Isabella Soupart   als Magali
  Rémy Renaud   als Philippo
  Nassim Hassaïni   als Omar
  Kevin Leroy   als Raoul
  Félicien Pitsaer   als Steve
  Annette Closset   als Direktorin Trainingscenter
  Fabian Marnette   als Rino
  Jimmy Deloof   als Dany
  Anne Gérard   als Danys Mutter
 
Regie:  Jean-Pierre Dardenne  
  Luc Dardenne  
Drehbuch:  Jean-Pierre Dardenne  
  Luc Dardenne  
Produzent:  Jean-Pierre Dardenne  
  Luc Dardenne  
  Denis Freyd  
Kamera:  Alain Marcoen  
Schnitt:  Marie-Hélène Dozo  
Produktionsdesign:  Igor Gabriel  
Kostüme:  Monic Parelle  
Ton:  Thomas Gauder  

Goldene Palme für Polanski

"Der Pianist" erweist sich in Cannes als Favoritenschreck. Die Preisträger im einzelnen.

[IMG#114852_1.jpg#Adrien Brody als Wladyslaw Szpilman - "Der Pianist"

#LEFT]Roman Polanskis "Der Pianist": Das ist die packende Geschichte eines jüdischen Klavierspielers, der nur durch die Gnade eines deutschen Offiziers den Holocaust im Warschauer Ghetto überlebt. Der Lohn für den mutigen Film: Die Goldene Palme.

Den Großen Preis der Jury erhielt der Kritikerliebling "The Man Without a Past" von Aki Kaurismäki. Die Hauptdarstellerin Kati Outinen wurde mit dem Schauspielerinnenpreis ausgezeichnet.

Im Rennen um die Silberne Palme für den besten Hauptdarsteller ließ der Belgier Olivier Gourmet aus "Le fils" von den Brüdern Dardenne überraschend den hoch favorisierten Jack Nicholson hinter sich.

Den Regiepreis teilten sich der Koreaner Im Kwon-taek ("Chihwaseon") und der Amerikaner Paul Thomas Anderson ("Punch Drunk Love").

Mit einem Jurypreis wurde Elia Suleimans politisch brisante Satire "Intervention divine" prämiert, während Paul Laverty für Ken Loachs "Sweet Sixteen" für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde.

Einen einmaligen Sonderpreis konnte sich Michael Moore für seine gefeierte Doku "Bowling for Columbine" sichern.

Der Vorsitzende der Jury David Lynch betonte die hohe Qualität des Wettbewerbs und war von der Arbeit innerhalb der Jury sehr angetan: Die Entscheidungen seien in höchstmöglicher Harmonie gefallen.



Mehr auf kino.de: "Cannes 2002: Auf der Suche nach dem Film der Filme" - ein ausführliches Round-up folgt demnächst.

Star

Olivier Gourmet

* 22.07.1963

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