Originaltitel: The Patriot
USA 2000
Mel Gibson
Heath Ledger
Joely Richardson
Regie: Roland Emmerich
Verleih: Columbia Tristar
1776: Benjamin Martin, verwitweter Vater von sieben Kindern, hat dem Krieg abgeschworen. Doch sein ältester Sohn Gabriel meldet sich freiwillig zum Kampf gegen die Briten. Als der grausame Colonel Tavington seine Kinder bedroht, greift Benjamin doch zu den Waffen und wird zum Führer einer Armee aus Farmern gegen das gut ausgebildete, britische Militär.

Erstmals bläst Roland Emmerich nicht in futuristischen Zusammenhängen zum gigantischen Hollywood-Halali. Sein Gespür für imposante Ausstattungen und Filmemotionen kommt dem Exil-Deutschen auch in seiner wuchtigen Verfilmung eines Drehbuchs von "Der Soldat James Ryan"-Autor Robert Rodat zu Gute, in dem Amerika wieder einmal den gerechten Krieg und Emmerich nach "ID4" erneut für die Unabhängigkeit kämpft. Keine Sorge, in der Berserker-Mär aus dem Revolutionskrieg findet kein öder Diskurs über den Wert der Freiheit statt. Denn politische oder ideologische Hintergründe spielen eine Statistenrolle, wenn Mel Gibson auf Mad-Max-Modus schaltet, um in den Kriegswirren den Tod eines seiner Söhne zu sühnen und en passant auch noch die Geburt einer Nation zu besiegeln.
Niemand dreht amerikanischere Filme als Roland Emmerich: Das mag daran liegen, dass seine Liebe von jeher dem Überwältigungskino Marke Spielberg gilt, das den Zuschauer allemal lieber staunen lassen will, als ihn intellektuell zu kitzeln. Emotionen wollen seine Bilder auslösen - und nichts anders. Wenn es denn einer heroisch geschwungenen Fahne bedarf oder der Tränen eines kleinen Mädchens, um das Publikum zu bewegen, dann wird Emmerich keine Sekunde zögern sie einzusetzen.
Das trifft auf seine Fantasy-Popcorn-Hits wie "Independence Day" (gelungen) oder "Godzilla" (weniger gelungen) ebenso zu wie auf seinen epischen Abstecher in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, mit dem er dem Vorbild Spielberg näher kommt als je zuvor. Hier wird nicht um Werte gekämpft, sondern um die Befriedigung der Rachegefühle eines Vaters. Das bedeutet, dass man so manche historische Ungenauigkeit und Simplifizierung hinnehmen muss: So dürfen schwarze Sklaven bei Benjamin Martin, dem Südstaaten-Helden von "Der Patriot", als Gleichberechtigte auf der Farm arbeiten. Die Bösen sind die Rotröcke, also die Truppen des Königs von England, die mit einer Ausnahme hassenswerte Bösewichte, arrogante Pinsel oder Kanonenfutter sind, während die amerikanischen Siedler trotz finsterer Gesichter fast ausschließlich zutiefst aufrichtige Kerle sind.
Es hilft, dass Emmerich mit "Der Patriot" seine filmemacherisch bislang ambitionierteste und gelungenste Arbeit vorlegt: Die logistisch kompliziert zu realisierenden Schlachtszenen mit ihren blutigen Details (vor allem Kanonenkugeln richten Dinge mit Körpern an, die bis vor wenigen Jahren ausschließlich dem Splatterfilm vorbehalten waren) meistert er ebenso souverän wie die Arbeit mit seiner riesigen Besetzung, mit der der Regisseur einen epischen Bogen schlägt. Von unschätzbarem Wert ist natürlich Mel Gibson als siebenfacher Familienvater (wie im realen Leben) und seit Jahren erklärter Pazifist Martin. Wenn er nach den frühen, harmonischen Momenten auf seiner Farm dazu gezwungen wird, seinen hart erkämpften inneren Frieden aufzugeben und den Guerillakrieg gegen die Briten aufzunehmen, nachdem einer seiner Söhne getötet und ein anderer verschleppt wurde, ist damit zu rechnen, dass das Publikum wie ein Mann auf seiner Seite steht, speziell wenn er beim Showdown mit erhobener Fahne gegen den Feind stürmt.
Dass dem getriebenen Mann auch zu diesem entscheidenden Zeitpunkt Blutrache weiterhin wichtiger ist als der Kampf um höhere Werte, er bis zum Schluss weniger "Der Patriot" ist als "Der Rächer", könnte auch denen unangenehm aufstoßen, die Gibson bislang ohne Murren durch Dick, Dünn und manch melodramatisches Pathos gefolgt sind. Selbstjustiz im Stil von "Ein Mann sieht rot" ist ein unwürdiges Ende für dieses opulente Abenteuerdrama, über dessen Inhalte sich wohl streiten lässt, der darüber hinaus kompetent und leidenschaftlich umgesetzt wurde. Nun bleibt abzuwarten, inwiefern das deutsche Publikum bereit ist, in den Hurra-Patriotismus des potenziellen Blockbusters einzustimmen. ts.
| Darsteller: | Mel Gibson | als Benjamin Martin | |
|---|---|---|---|
| Heath Ledger | als Gabriel Martin | ||
| Joely Richardson | als Charlotte Selton | ||
| Jason Isaacs | als Colonel William Tavington | ||
| Chris Cooper | als Colonel Harry Burwell | ||
| Tchéky Karyo | als Jean Villeneuve | ||
| Rene Auberjonois | als Rev. Oliver | ||
| Lisa Brenner | als Anne Howard | ||
| Tom Wilkinson | als General Cornwallis | ||
| Donal Logue | als Dan Scott | ||
| Leon Rippy | als John Billings | ||
| Adam Baldwin | als Kapitän Wilkins | ||
| Gregory Smith | als Thomas Martin | ||
| Mika Boorem | als Margaret Martin | ||
| Skye McCole Bartusiak | als Susan Martin | ||
| Trevor Morgan | als Nathan Martin | ||
| Joey D. Vieira | als Peter Howard | ||
| Jay Arlen Jones | als Occam | ||
| Regie: | Roland Emmerich | ||
| Drehbuch: | Robert Rodat | ||
| Produzent: | Dean Devlin | ||
| Mark Gordon | |||
| Gary Levinsohn | |||
| Koproduzent: | Peter Winther | ||
| Ausf. Produzent: | William Fay | ||
| Ute Emmerich | |||
| Roland Emmerich | |||
| Kamera: | Caleb Deschanel | ||
| Schnitt: | David Brenner | ||
| Musik: | John Williams | ||
| Produktionsdesign: | Kirk M. Petruccelli | ||
| Barry Chusid | |||
| Kostüme: | Deborah Lynn Scott | ||
| Ton: | Lee Orloff | ||
Für einen vergnügten Seitenhieb ist auch im Millionengeschäft Filmbusiness anscheinend immer Zeit: Roland Emmerich jedenfalls rächt sich nun auf der Kinoleinwand an englischen Journalisten.
Die Verrisse, die er auf der Insel für seine wenig schmeichelhaft Darstellung der Engländer in "Der Patriot" erhalten hatte, sitzen Roland Emmerich wohl tief im Gedächtnis. In seinem neuen Film "The Day After Tomorrow" muss nun stellvertretend für die Schreiberlinge die ganze Insel büßen.
In dem Katastrophen-Schinken mit Dennis Quaid überrollt ein Klima-GAU biblischen Ausmaßes die gesamte nördliche Halbkugel. Der Hollywood-Dramaturgie und wohl auch den eher unterdurchschnittlichen Geografie-Kenntnissen des US-Zielpublikums ist es geschuldet, dass dabei die Vereinigten Staaten im Vordergrund stehen.
Doch eines lässt sich Emmerich nicht nehmen: Quasi als Appetit-Happen muss erst einmal Großbritannien dran glauben. Dies jedenfalls kündigte der gut aufgelegte Regisseur in der Höhle des Löwen, auf einem Trailer-Screening in London an: "England wird es als erstes treffen!" Produzent Mark Gorden warf ein, dass das die Retourkutsche für die miese "Patriot"-Presse sei.
Die britischen Journalisten nahmen Emmerich das offensichtlich nicht krumm. Zumal der im selben Atemzug beschrieb, wie die Briten in seinem Film mit der Klimakatastrophe umgehen: "Sie reagieren mit ihrer berühmten 'stiff upper lip', scheren sich nicht weiter ums Wetter und genehmigen sich erst einmal einen Gold-Label-Scotch."
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