ZDF-Dokudrama über Altkanzler Helmut Kohl. http://images.kino.de/flbilder/max09/auto09/auto36/09361286/b150x150.jpg Der Mann aus der Pfalz

Filmdetails

Der Mann aus der Pfalz

ZDF-Dokudrama über Altkanzler Helmut Kohl.


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Kritik

Der Mann aus der Pfalz

Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr kommt ein herausragendes zeitgeschichtliches TV-Movie nicht aus der Abteilung Fernsehspiel: Auf den Dreiteiler "Die Wölfe" der Gebrüder Fromm folgt nun "Der Mann aus der Pfalz", ein Film über Helmut Kohl. Beide Werke gehorchen einem ähnlichen Muster: Sie nutzen das Mittel der Inszenierung, um quasi-dokumentarisch zu erzählen.

Thomas Schadt orientiert sich mit seiner Mischung aus Spielszenen und zeitgenössischem Dokumentarmaterial stilistisch allerdings deutlich stärker am Werk Heinrich Breloers ("Die Staatskanzlei", "Todesspiel"). Die Arbeit mit Schauspielern war für den vielfach ausgezeichneten Dokumentaristen vermutlich ungewohnt, das Sujet hingegen wohlbekannt: Schon mit seinen beiden Porträts von Gerhard Schröder, "Der Kandidat" (1998) und "Kanzlerbilder" (2001), hatte Schadt verdeutlicht, wie Macht einen Menschen verändert. Ein dramaturgisch eminent wirkungsvoller Kunstgriff gibt ihm die Möglichkeit, diesen Prozess innerhalb eines Films zu dokumentieren. Das Drehbuch von Schadt und Jochen Bitzer verknüpft zwei Zeitebenen: In der Rahmenhandlung des Jahres 1989 machen einige seiner einstmals treuesten Gefolgsleute Kohl die Führungsposition streitig; die Rückblenden in die Jahre 1947 bis 1969 zeigen seinen politischen Aufstieg. Gattin Hannelore (Rosalie Thomass/Renée Soutendijk) kommt bei diesem Werdegang nicht viel mehr als eine Nebenrolle zu, doch kurze Perspektivwechsel genügen, um anzudeuten, wie sein Streben nach Macht ihr den geliebten Mann entfremdet.

Der Film schildert Kohl zwar völlig neutral, gerade in den Rückblenden wirkt der ehrgeizige Jungpolitiker dank Stephan Grossmanns Verkörperung sogar überaus sympathisch; aber schon früh zeigen Schadt und Bitzer den Pfälzer als Netzwerker, der in Freunden vor allem Verbündete sieht. Dank der Verknüpfung mit der Rahmenhandlung bekommt der unaufhaltsame Aufstieg einen melancholischen Beigeschmack: 1989 gelingt es Kohl, die Ereignisse in Osteuropa zum eigenen Vorteil umzumünzen. Trotz schwerer Erkrankung wandelt er den Putschversuch in einen Triumph um. Die deutsche Wiedervereinigung macht ihn unangreifbarer denn je, aber der Preis, die totale Einsamkeit des Mächtigen, ist hoch.

Die tiefen Einblicke, die der innere Monolog in die Seele des Politikers gibt, sind natürlich Spekulation, wirken aber dennoch ungemein wahrhaftig; und das hat viel mit Thomas Thieme zu tun. Kohl weder äußerlich noch im Sprachduktus sonderlich ähnlich, gelingt es ihm dennoch, restlos überzeugend dessen Position einzunehmen. Ähnlich treffend und prägnant ist die Besetzung der Weggefährten (Casting Director: Nina Haun), darunter Jochen Senf als Ludwig Erhard, Ernst Stankovski als Konrad Adenauer und Jürgen Heinrich als Horst Teltschik. Eine Schlüsselrolle spielt naturgemäß die Frau an seiner Seite: nicht Gattin Hannelore, sondern die jahrzehntelange Büroleiterin Juliane Weber (Katharina Meinecke), deren herausragender Bedeutung Annett Renneberg mit nur einem einzigen Auftritt in der Rückblende angemessenes Gewicht verleiht. tpg.

Der Mann aus der Pfalz

Darsteller:  Thomas Thieme   als Helmut Kohl
  Stephan Grossmann   als Helmut Kohl, jung
  Renée Soutendijk   als Hannelore Kohl
  Rosalie Thomass   als Hannelore Kohl, jung
  Erick Desmarestz   als François Mitterrand
  Ernst Stankovski   als Konrad Adenauer
  Claus Theo Gärtner   als Heiner Geißler
  Rainer Sellien   als Heiner Geißler, jung
  Gerd Wameling   als Ministerpräsident Peter Altmeier
  Jürgen Hentsch   als Eduard Ackermann
  Jochen Senf   als Ludwig Erhard
  Jürgen Heinrich   als Horst Teltschik
  Katharina Meinecke   als Chefsekretärin
 
Regie:  Prof. Thomas Schadt  
Drehbuch:  Jochen Bitzer  
  Prof. Thomas Schadt  
Produzent:  Prof. Nico Hofmann  
  Christian Rohde  
Kamera:  Armin Franzen  
Schnitt:  Katja Fischer  
Musik:  Chris Bremus  
Produktionsdesign:  Michael Köning  
Kostüme:  Judith Holste  

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