Originaltitel: L' ultimo tango a Parigi
Italien/Frankreich 1972
Marlon Brando
Maria Schneider
Maria Michi
Regie: Bernardo Bertolucci
Verleih: Neue Visionen
In einem leerstehenden Appartement lernen die 19-jährige Jeanne (Maria Schrader), Verlobte eines Filmregisseurs, und der verbitterte Witwer Paul (Marlon Brando) einander kennen. Zwischen den unterschiedlichen Charakteren entsteht eine rein auf sexuellem Verlangen basierende Beziehung, die genau in dem Moment in eine Tragödie zu gleiten droht, als eine von beiden Parteien mehr will als immer nur körperliche Zweisamkeit.
Prozesse, Verbote und Zensorenaktivitäten prasselten wie Hagel auf diese aus heutiger Perspektive völlig harmlose, gediegen schwülstige Altherrenfantasie von Bernardo Bertolucci.

Durch die plastische Darstellung der Sexualität, in der seine Hauptfiguren Rückhalt suchen, wurde Bernardo Bertoluccis Geschichte eines verbitterten Mannes, der der Kraft der Gefühle entgehen will, und einer jungen Frau, die sich jeglichen Konventionen sperrt, zum Skandalfilm. Für zusätzliche Furore sorgte Marlon Brandos erstaunliche Metamorphose vom unerbittlichen Gangsterboß in "Der Pate" zum gebrochenen aber brutalen Liebhaber, weshalb die eigentliche Absicht des Werkes, nämlich das Scheitern zweier vor dem bürgerlichen Leben fliehender Menschen zu porträtieren, in den Hintergrund geriet.
| Darsteller: | Marlon Brando | als Paul | |
|---|---|---|---|
| Maria Schneider | als Jeanne | ||
| Maria Michi | als Rosas Mutter | ||
| Giovanna Galletti | als Prostituierte | ||
| Gitt Magrini | als Jeannes Mutter | ||
| Cathérine Allegret | als Catherine | ||
| Luce Marquand | als Olympia | ||
| Marie-Hélène Breillat | als Monique | ||
| Catherine Breillat | als Mouchette | ||
| Dan Diament | als TV Toningenieur | ||
| Catherine Sola | als TV Script Girl | ||
| Mauro Marchetti | als TV Kameramann | ||
| Jean-Pierre Léaud | als Tom | ||
| Massimo Girotti | als Marcel | ||
| Regie: | Bernardo Bertolucci | ||
| Drehbuch: | Bernardo Bertolucci | ||
| Franco Arcalli | |||
| Agnès Varda | |||
| Produzent: | Alberto Grimaldi | ||
| Kamera: | Vittorio Storaro | ||
| Schnitt: | Franco Arcalli | ||
| Roberto Perpignani | |||
| Musik: | Gato Barbieri | ||
Das 64. Festival de Cannes war ein wahrhaft großes Fest für den Film. Und obwohl gelitten, gestorben, gedemütigt und geweint wurde, schließlich sogar die Welt unterging und in Pressekonferenzen Unsinn verzapft wurde - was zurückbleibt von zehn Tagen voller Filme ist das Gefühl, Bedeutendes miterlebt zu haben. Bei etwas dabei gewesen zu sein, was zählt. Nicht nur bei den Filmen auf der Leinwand, sondern auch in den Momenten am Rande.
Unvergessen: Jean-Paul Belmondo in Godards Meisterwerk "Außer Atem" (Foto: Neue Visionen)
Er kam auf Krücken, erklomm am Arm seiner jungen, attraktiven Frau nur mühsam die wenigen Stufen zur Bühne, aber er hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren: Jean-Paul Belmondo, Action-Star und Charakterkopf, nahm die Herzen im Sturm, wurde gefeiert wie ein Held. "Bébel", wie ihn die Franzosen liebevoll nennen, wurde mit einer Goldenen Palme für sein Lebenswerk geehrt.
Während der Aufführung einer neuen Doku über das Rauhbein mit dem weichen Kern gab es immer wieder bewegenden Szenenapplaus, wenn der Star, der auch die gefährlichsten Stunts selbst machte, an einem Hubschrauber hängend über ganz Venedig fliegt oder aus der Luft auf einem fahrenden Boot landet. Kaum zu glauben, dass dieser nach einem Schlaganfall vor zehn Jahren gebrechliche alte Mann diese Kunststücke vollbrachte.
Aber nicht nur für sie lieben und verehren ihn seine Landsleute noch heute: Er war das Gesicht der Nouvelle Vague, entdeckt von Jean-Luc Godard, der ihn und die gesamte neue, mächtige Welle mit Filmen wie "Außer Atem" und "Elf Uhr nachts" ins Bewusstsein des Weltkinos spülte, ehe er, in freundschaftlicher Rivalität mit Alain Delon, die Kinokassen klingeln ließ. Sein Publikum bescherte der Ikone des französischen Kinos, der sich in den letzten Jahren hauptsächlich dem Theater widmete, einen enthusiastischen Empfang.
Ebenso Bernardo Bertolucci, Meister großer Skandalfilme ("Der letzte Tango in Paris", 1972) und Epen ("1900", 1976), der im Rahmen der Eröffnungsgala ebenfalls für sein Lebenswerk geehrt wurde. Einige Tage später stellte er in der Reihe "Cannes Classics" "Der große Irrtum" von 1970 vor. Er kam im Rollstuhl, doch seine Worte und Gedanken sind ebenso hellwach wie einst. Die scharfsinnige Analyse von politischem Opportunismus, Faschismus und unterdrückter Sexualität geht heute noch genauso unter die Haut wie vor 40 Jahren. Echte Meisterwerke sind eben wirklich zeitlos. Leider scheint sich der Oscar-Preisträger ("Der letzte Kaiser") nach seinem letzten Film "Die Träumer" von 2003 zur Ruhe gesetzt zu haben.
Noch weiter zurück ging es bei den "Cannes Classics" mit Georges Méliès' "Die Reise zum Mond". Der 16-minütige Farbfilm von 1902, der lange als vermisst galt, wurde 1993 wieder aufgefunden und jüngst restauriert. Jetzt war er erstmals in den damals verwendeten, überraschend leuchtenden Farben zu sehen, mit einem neuen Soundtrack der französischen Popband Air.
Und dann sorgte am Ende doch ein ganz aktueller, eigentlich unspektakulärer Film für Furore, in einem Brot nach Cannes geschmuggelt: Mit "This is not a Film" beweist der iranische Filmemacher Jafar Panahi, vom Regime mit langjähriger Haft und 20jährigem Berufsverbot belegt, dass selbst brutalste Unterdrückung nicht mundtot machen muss.
Der "Nicht-Film" zeigt, wie Panahi in seiner Teheraner Wohnung, abgeschlossen von der Außenwelt, mit seiner Anwältin und Freunden telefoniert und im Wohnzimmer sein letztes Drehbuch nachstellt. Vorlesen und schauspielern ist nicht verboten - und wo es keinen Film gibt, wird auch gegen keine Auflage verstoßen. Doch irgendwann bricht er entmutigt ab: Filme sollte man inszenieren, nicht vorlesen - was hat das für einen Sinn? Das geht unter die Haut. Sein Akt großen Mutes, der die Aufmerksamkeit der Welt von der Sonne Cannes' an einen dunklen Ort richtete, wird in Erinnerung bleiben.
Den stärksten Eindruck hinterließen auf jeden Fall Terrence Malicks Palmen-Gewinner "The Tree of Life" und "Melancholia". Ersterer stellt sich mit aller filmischen Wucht und optischen Opulenz den Fragen nach dem Wunder des Lebens, der Suche des Menschen nach Einheit mit sich selbst und mit der Natur.
Als dunkles Gegenstück quasi kann Lars von Triers ("Antichrist") großartiger, aufwühlender "Melancholia" (Start: 6. Oktober) gelesen werden, mit den eindringlichsten Bildern des Festivals, die man so schnell nicht vergessen wird, und einem wuchtigen Prolog, untermalt von Wagners "Tristan und Isolde"-Ouvertüre. Unvergesslich auch die Bilder vom Golfplatz, der das Anwesen umgibt, auf dem die Schwestern Justine (Darsteller-Preis für Kirsten Dunst) und Claire (Trier-Muse Charlotte Gainsbourg aus "Antichrist") der Weltuntergang ereilt. Auf den Grüns versinkt man knietief im Morast, und spätestens am 19. Loch (beim Golfsport gibt es nur 18) weiß man dann, dass es kein gutes Ende mit der Erde nehmen wird ...
Kurios, aber fantastisch: Sean Penn im italienischen Beitrag "This Must Be the Place" von Paolo Sorrentino: als stark überschminkter, auf Goth getrimmter alternder Rockstar rechnet er auf auf einer wahnwitzigen Odyssee durch die Vereinigten Staaten mit einem Kriegsverbrecher ab, der einst seinen Vater quälte, und kann so auch seine eigenen Dämonen bändigen. So hat man Sean Penn noch nie gesehen, so behält man ihn gern im Gedächtnis.
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