Originaltitel: Margin Call
USA 2010
Kevin Spacey
Paul Bettany
Jeremy Irons
Regie: J.C. Chandor
Verleih: Koch Media (Neue Visionen)
Wie viele andere Kollegen wird auch Eric Dale kurzfristig entlassen. Doch sein Vermächtnis, eine Analyse über die Finanzen seines Ex-Arbeitgebers, zwingt das Führungspersonal einer New Yorker Investfirma zu einer Blitzkonferenz. Die Firma ist pleite, weil in der Vergangenheit Warnungen ignoriert wurden. Um den Schaden zu begrenzen, will Firmenchef Tuld alle Handelspositionen, die jetzt eigentlich wertlos sind, sofort abstoßen. Ungeachtet der katastrophalen Auswirkungen, die dieser Betrug auf den Markt hätte.

Mit einer Starbesetzung verdichtet J.C. Chandors kluges Wall-Street-Drama die Finanzkrise auf einen Firmenabsturz und zeigt, dass sich hinter Managern mitunter auch Menschen verbergen.
Regiedebütant und Drehbuchautor Chandor ist Insider. Sein wie auch Oliver Stones Vater arbeitete an der Wall Street, doch damit enden die Parallelen zu Stones Börsenklassiker. "Margin Call" ist kein Melodram über Auf- und Abstieg mit romantischen Exkursionen, sondern ein kühler Blick auf Hybris und Absturz. Auf etwa 36 Stunden und wenige Schauplätze beschränkt ist der Plot, der mit einer Entlassungswelle in einer großen Investmentfirma beginnt. Bevor er mit seinem Karton den Weg in die Unsicherheit antritt, ein Bild, das das neue Amerika so prägt wie der Cowboy vor dem fernen Horizont das alte, übergibt Risikoanalyst Dale seinem Protegé die Daten einer Analyse, an der er zuletzt arbeitete. Peter, gespielt von Koproduzent Zachary Quinto, wird den Stein ins Rollen bringen, das Mosaik aus Zahlen, Gewinnkurven und Prognosen zusammensetzen. Die Firma, die jahrelang riesige Gewinne machte und Top-Gehälter zahlte, steht vor dem Ruin. Die sofort einberufene Krisensitzung des Führungsstabs und die Diskussion über Schadensbegrenzung durch Blitzverkauf aller Handelspositionen bilden das dramatische Kernstück.
Diese Entscheidung dominiert den Film, weil sie katastrophale Folgen für den ganzen Markt haben und, als Kollateralschaden, viele unbeteiligte Opfer fordern würde. "Das wird Auswirkungen auf echte Menschen haben", kommentiert ein Broker und komprimiert damit die Grundaussage. Längst ist die Finanzwelt ein eigenes Universum, das zwar von vielen Dollarnauten durchkreuzt, aber auch von ihnen nicht mehr durchschaut werden kann. Der Zuschauer, Wirtschaftschinesisch im Ohr und Figuren vor dem Auge, die das große Geld anbeten, solidarisiert sich leicht mit diesem Gefühl fehlenden Durchblicks - und mit dem einzigen Menschen, der im reinen Materialismus noch Moral zeigt. Kevin Spacey spielt diesen Mann, der kein Held ist - wie auch die anderen Figuren, bis auf wenige Ausnahmen, auch nicht nur eiskalte Täter sind. In einer Top-Besetzung, in der auch Simon Baker, Jeremy Irons und Paul Bettany ihre stärksten Auftritte seit Langem haben, ist Spacey das Herz - fast 20 Jahre nach "Glengarry Glen Ross", einer Art Vorstudie zu "Margin Call", in der Spacey gerade dieses noch fehlte.
kob.
Auch wenn's mitunter schwer zu verstehen ist: Berlin spricht Deutsch!
Der Titel ist Programm: "Almanya - Willkommen in Deutschland" wurde in den Berlinale-Wettbewerb eingeladen (Foto: Concorde)
Die Berlinale (10. bis 20. Februar) hat nun die verbliebenen Titel des 22 Filme umfassenden Wettbewerbsprogramms bekannt gegeben, von denen 16 als Weltpremieren gezeigt werden. Erstmals werden auch 3D-Filme gezeigt, neben Wim Wenders' "Pina" kommen zwei weitere künstlerische 3D-Filme zur Aufführung: der Animationsfilm "Les contes de la nuit" von Michel Ocelot als Weltpremiere sowie als Sondervorführung außer Konkurrenz Werner Herzogs 3D-Dokumentarfilm "Cave of Forgotten Dreams".
"Almanya - Willkommen in Deutschland" (außer Konkurrenz) ist das Spielfilmdebüt von Yasemin Samdereli, eine Einwandererkomödie, die die Roxy Film GmbH produziert hat. Ein Held der sogenannten "Berliner Schule" ist Ulrich Köhler, er stellt seinen neuen Film "Die Schlafkrankheit" (Produzent: Komplizen Film auf der Berlinale vor. Wolfgang Murnberger ist mit seinem neuen Film "Mein bester Feind" (Aichholzer Filmproduktion) als Weltpremiere außer Konkurrenz dabei, eine im durch die Nazis besetzten Wien angesiedelte Tragikomödie mit Moritz Bleibtreu und Georg Friedrich.
Um den Goldenen Bären konkurriert der ungarische Filmemacher Béla Tarr mit "A Torinói ló", der in Koproduktion mit Vega Film AG in Zürich und der Berliner zero fiction film entstanden ist. Frisch aus Sundance kommt J.C. Chandors Debütfilm "Margin Call", in der Kevin Spacey, Jeremy Irons und Stanley Tucci mit der Finanzkrise ringen. Joshua Marston("Maria voll der Gnade") zeigt seinen zweiten Spielfilm "The Forgiveness Of Blood".
Aus Argentinien kommt "Un Mundo Misterioso" von Rodrigo Moreno, an dem Rohfilm als deutscher Koproduzent beteiligt ist. Auch das mexikanische Spielfilmdebüt "El premio" von Paula Markovitch, die das Drehbuch zu "Lake Tahoe" schrieb, entstand mit deutscher Beteiligung. In Studio Babelsberg gedreht und mit dem Berliner Studio als Koproduzent realisiert wurde der Thriller "Unknown Identity" von Jaume Collet-Serra mit Liam Neeson und Diane Kruger, der außer Konkurrenz läuft. Bavaria Pictures ist bei Alexander Mindadzes "Innocent Saturday" an Bord, einer russisch-deutsch-ukrainischen Koproduktion.
"Jodaeiye Nader az Simin" von Asghar Farhadi ("Darbareye Elly") aus dem Iran, "Saranghanda, Saranghaji Anneunda" (Kommt Regen, kommt Sonnenschein) von Lee Yoon-ki aus Südkorea, sowie "Les femmes du 6ème étage" von Philippe Le Guay (mit Sandrine Kiberlain und Carmen Maura) aus Frankreich (außer Konkurrenz) runden den Wettbewerb ab.
Als Sondervorvorführung zeigt die Berlinale "Offside" von Jafar Panahi- eine Solidaritätsbekundung für den verurteilten iranischen Regisseur. Als Abschlussfilm der 61. Berlinale wird am 19. Februar im Anschluss an die Preisverleihungsgala der Gewinnerfilm des Goldenen Bären gezeigt.
Er ist einer der großen Charakterdarsteller des US-Kinos, der seine Vielseitigkeit durch hintergründig subversive Komik unterstreicht. Er hat...
Kluger Schiffsarzt und Forscher in "Master and Commander", selbst ernannter Dorfphilosoph in "Dogville", Verse schleudernder Dichter des...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.